Überblick: Bildung und Wissenschaft

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DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Japan, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des japanischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
www.daad.de/regionalinformationen.


Die zentralen Akteure auf dem japanischen Bildungsmarkt sind neben dem „Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology“ (MEXT), Regierungsorganisationen wie die „Japan Student Services Organization“ (JASSO), Forschungsinstitute (zum Beispiel das „National Institute of Technology“), aber auch universitäre Institutscluster (Sokendai). Es gibt drei Hochschulrektorenkonferenzen, die sich aus den Vertretern der staatlichen, der öffentlichen und der privaten Hochschulen zusammensetzen. Führende staatliche Förderorganisation ist die „Japan Society for the Promotion of Science“ (JSPS), die ein Regionalbüro in Bonn unterhält.

Hochschultypen und Besonderheiten

Das Studium an einer japanischen Universität gliedert sich in die Abschnitte Bachelor (4 Jahre), Master (2 Jahre) und Doktorat (3 Jahre). Das Hochschuljahr ist aufgeteilt in zwei Semester: April bis September und Oktober bis März (vorlesungsfreie Zeit ist in der Regel Mitte Februar bis Anfang April und August bis September). Laut Angaben des MEXT beläuft sich zum 1.4.2017 die Zahl der Hochschulen auf 780 Universitäten, darunter 86 Nationale Universitäten, 90 Örtliche Universitäten und 604 Private Universitäten. In der Zuständigkeit des MEXT befinden sich darüber hinaus vier universitäre Forschungsinstitute (in 15 Körperschaften) und zehn Institute und Agenturen zur Forschungsförderung und -koordination (JSPS, JST, JAXA etc.). Zusätzlich gibt es Japan 359 Hochschuleinrichtungen ohne Universitätsrang mit 2-jährigen Ausbildungs- beziehungsweise Kurzstudiengängen.

Hochschulzugang

Nach dem Abschluss der Oberschule legen die Bewerber in der Regel den zentralen National Center Test for University Admissions (Senta Shiken) ab. Abhängig von der Stellung der angestrebten Universität sind unterschiedlich hohe Quoten für das Bestehen der Prüfung erforderlich. Bewerber, die diese Quoten erfüllen, werden noch einer hochschulinternen Auswahl unterworfen. Ausnahmeregelungen beim Hochschulzugang gibt es für hochbegabte Schüler in Standard-Lehrfächern, Kunst, Musik oder Sport, die ohne Aufnahmeprüfung an der Hochschule ihrer Wahl zugelassen werden. Viele private Hochschulen nehmen auch Oberschüler auf Empfehlung der Schule auf.

2014 wurde eine Reform des Hochschulzugangsverfahrens beschlossen, die unter anderem vorsieht, das „National Test Center for University Admissions“ abzuschaffen. Die Richtlinien der Jahre 2015 und 2016 sehen im Hinblick auf die fortschreitende Überalterung der japanischen Gesellschaft, der Wettbewerbsfähigkeit des japanischen Forschungsnachwuchses eine zügige Internationalisierung der japanischen Universitäten und Fokussierung der Fördermaßnahmen auf prioritäre Forschungsfelder wie medizinische Forschung, Raumfahrt, Katastrophenprävention, Batterietechnik und andere vor. Voraussichtlich ab 2020 wird die bisherige Hochschulzugangsprüfung durch einen Test zur „Evaluation der Leistungen von Studienbewerbern“ ersetzt werden, der an mehreren Terminen im Jahr stattfinden soll.
Die Aufnahmebedingungen der einzelnen Universitäten für ausländische Bewerber variieren stark. Viele japanische Universitäten bieten inzwischen komplett englischsprachige Bachelor- und Masterstudiengänge an, die sich explizit an internationale Studierende richten. Ausländische Bewerber müssen in der Regel einen japanischen Staatsbürger benennen, der für die Zahlung der Studiengebühren, die Rückreisekosten und das Aufkommen für eventuelle Schadensfälle bürgt. Für Studierende, die sich nur für circa ein Jahr in Japan aufhalten wollen, ist es empfehlenswert, sich als Forschungsstudent (Kenkyusei) zu bewerben. Wegen langfristiger Bearbeitungszeiten sollte das erforderliche Informationsmaterial mindestens acht Monate im Voraus beim ‚International Student Office‘ der jeweiligen Universität angefordert werden. In Deutschland erworbene Abschlüsse wie Magister, Staatsexamen, Diplome berechtigen in der Regel zum Promotionsstudium.

Hochschulfinanzierung und Studiengebühren

Studiengebühren in Japan setzen sich aus „Bewerbungsgebühren“, „Immatrikulationsgebühren“, „Unterrichtsgebühren“ und „Gebühren für universitäre Einrichtungen“ zusammen. Prinzipiell müssen alle Studierenden gleichermaßen Studiengebühren bezahlen ─ auch ausländische. Die sehr unterschiedlichen Kosten reichen von durchschnittlich 500.000 Yen (circa 4.200,- Euro) pro Jahr an einer staatlichen Universität bis zu 800.000 Yen (circa 7.000,- Euro) an einer privaten, zuzüglich einer einmaligen Immatrikulationsgebühr von circa 300.000 Yen (circa 2.500,- Euro). Während eines Auslandsaufenthaltes verlangen die meisten Universitäten die Fortzahlung der inländischen Studiengebühren. Für Studierende einer deutschen Universität, die im Rahmen eines Direktaustauschs an eine japanische Universität kommen, werden die hohen Studiengebühren der japanischen Universität oft erlassen (sofern beim Partnerschaftsabkommen entsprechende Vereinbarungen getroffen wurden).

Besondere Stärken in der Forschung

Japanische Wissenschaft, Forschung und Technologie besetzen auf mehreren Gebieten Spitzenpositionen im globalen Wettbewerb und werden großzügig gefördert. 2016 lagen die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung (öffentliche Hand und Privatsektor) laut OECD-Statistik bei rund 150 Milliarden US-Dollar.2 Japan belegt im internationalen Vergleich den dritten Platz (ebd.). Rund 70 Prozent der Investitionen stammen aus der Wirtschaft.3
Auch nach der Anzahl der Patente besetzte Japan mit 48.208 internationalen Patentanmeldungen im Jahr 2017 nach China und den USA den dritten Platz

2014 wurden die Materialforscher Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shiji Nakamura für die Entwicklung blauen Lichts emittierender Dioden, die helle und energiesparende Lichtquellen ermöglichen (weißes LED-Licht), mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet, 2015 erhielten Takaaki Kajita (gemeinsam mit Arthur McDonald) für die Entdeckung von Neutrinooszillationen den Nobelpreis für Physik sowie Satoshi Omura (gemeinsam mit William C. Campbell und Tu Youyou) den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Auch 2016 wurde wieder einem Japaner, dem Biochemiker Yoshinori Ôsumi, der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin zugesprochen.


Verfasserinnen: Dr. Ursula Toyka und Dorothea Mahnke, Außenstelle Tokio

Der DAAD ist in Japan mit einer Außenstelle in Tokyo vertreten und fördert ein Lektorat an der Keiō-Universität.
 

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