Überblick: Bildung und Wissenschaft

by BlackKnight [GFDL] via Wikimedia Commons

DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Indonesien, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des indonesischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
www.daad.de/regionalinformationen.


Mit derzeit 4640 privaten und staatlichen Institutionen im Bereich der tertiären Ausbildung hat Indonesien eines der größten und divergentesten Hochschulsysteme der Welt (Stand Juni 2018). 577 dieser Hochschulen gelten als Universitäten (‘Universitas‘). Vollakademische Ausbildungen mit den Abschlüssen S1, S2 und S3 (die einem Bachelor, einem Master beziehungsweise einem Doktorgrad entsprechen) werden zudem an fachorientierten Hochschulen angeboten: an knapp 200 Instituten (‘Institut‘) und an circa 2.500 sogenannten ‘Sekolah Tinggi‘ (Hohe Schule). An letzteren können die Abschlüsse D1 - D4 erworben werden. Diese ‘Diploma‘-Abschüsse – nicht zu verwechseln mit dem deutschen Diplom – werden in anwendungsorientierten Studiengängen vergeben; sie sind in Deutschland nicht als akademische Grade anerkannt. Der höchste D-Abschluss, das Diploma 4, beschließt einen vierjährigen Studiengang und kann in Indonesien dem Bachelor (S1) gleichgestellt werden, allerdings versehen mit dem Zusatz „Bachelor of Applied Science“.

Außer an den ‘Sekolah Tinggi‘ kann der Diploma-Abschluss auch an den 1.068 sogenannten Akademien (‘Akademi‘) und an 272 berufsqualifizierenden Schulen (‘Politeknik‘) erworben werden. Um den Bedarf an qualifiziertem Personal in Regionen mit hohem industriellem beziehungsweise arbeitsmarktrelevantem Potential, die aber über keine Hochschulen verfügen, zu decken, wurde 2012 mit dem Aufbau von bisher neunzehn sogenannten ‘Akademi Komunitas‘ begonnen, die ein- und zweijährige berufsqualifizierende Studiengänge mit den Abschlüssen D1 beziehungsweise D2 anbieten.
Die überwiegende Zahl der Hochschulen wird über das DIKTI (Direktorat für Hochschulen im Ministry for Research, Technology and Higher Education) verwaltet und finanziert. Für die Vielzahl konfessionell ausgerichteter Hochschulen ist dagegen das Religionsministerium verantwortlich. Es gibt aber auch Hochschulinstitutionen, die von weiteren Ministerien verwaltet und finanziert werden, zum Beispiel vom Finanzministerium und vom Verteidigungsministerium. Der private Universitätssektor ist im DIKTI mit regional organisierten sogenannten KOPERTIS-Netzwerken verankert. Der Hochschulzugang erfolgt, was die staatlichen Hochschulen angeht, über nationale Hochschultests (SBMPTN) nach dem Schulabschluss an einer SMA, einer allgemeinbildenden Schule, oder an einer SMK, wo der Schwerpunkt auf berufsbildenden Fächern liegt. Bei guten

Studienleistungen oder bei finanziell schlecht ausgestatteten Studierenden kann die Universität die Studiengebühren verringern. Zudem führen manche nachgefragten Universitäten eigene Prüfungen durch oder sprechen direkt Einladungen an besonders gut qualifizierte Schulabgänger aus. Private Universitäten haben eigene Zulassungsverfahren. Der Schulabschluss erfolgt in Indonesien nach 12 Jahren und erlaubt nicht den unmittelbaren Zugang zu einer deutschen Hochschule.
Nur 418 der insgesamt 4.637 tertiären Bildungseinrichtungen sind staatlich verfasst, 4.219 sind private Hochschulen. Sowohl private als auch staatlich geförderte Hochschulen erheben Studiengebühren; die staatlichen Universitäten gelten im Allgemeinen als besonders qualifiziert und verfügen auch über die meisten der derzeit 713 Promotionsstudiengänge des Landes.
An den meisten Hochschulen fehlt es noch an promovierten Hochschullehrern. Von den 284.607 statistisch erfassten Dozenten haben nur 38.772 einen Doktorgrad. Mehr als zwei Drittel der Dozenten (193.936) verfügen über einen Master als höchsten Abschluss; alle anderen unterrichten mit Bachelor-, Diploma- oder anderen Abschlüssen. Die meisten qualifizierten Hochschullehrer gibt es, mit großem Abstand zu den anderen Inseln, auf Java, wo mehr als 22.570 der Hochschullehrer promoviert sind und mehr als 95.300 über einen Masterabschluss verfügen. Fast 60 Prozent aller promovierten Hochschullehrer sind somit an Hochschulen auf Java tätig. Die Zahl der Dozenten, die als höchsten Abschluss einen Bachelor vorweisen können, ist in den letzten Jahren deutlich gesunken.

Zur Qualifizierung der Hochschullehrerinnen und -lehrer durch weiterführende Master- und Promotionsstudiengänge wurden verschiedene Stipendienprogramme entwickelt. Im Rahmen des Programms BUDI (Beasiswa Unggulan Dosen Indonesia), das vom Ministerium für Forschung, Technologie und Hochschulbildung (RISTEKDIKTI) gemeinsam mit dem Indonesia Endowment Fund for Education (LPDP) umgesetzt wird, erhielten 2017 50 Dozenten eine Förderung zur Unterstützung von Promotionsvorhaben im Ausland, 500 im Inland. (Quelle: Jahresbericht RISTEKDIKTI 2017)
Die wichtigste Stipendienorganisation ist der Indonesia Endowment Fund for Education (LPDP), der direkt dem Finanzministerium unterstellt ist und seinen Förderumfang kontinuierlich ausgebaut hat. Seit 2012 wurden mehr als 18.400 Stipendien vergeben; im Jahr 2016 waren es mehr als 7.200 Stipendien, die meisten davon für Master- und Promotionsstudien im In- und Ausland. Zu den Hauptzielländern für Stipendiaten gehören Großbritannien, Australien, die Niederlande und die USA. Der DAAD hat 2017 mehr als 630 Indonesier gefördert.
BAN-PT, die im Ministerium RISTEKDIKTI angesiedelte staatliche Akkreditierungsbehörde, akkreditiert auf Programm- und Systemebene. 1.621 der 4.637 Institutionen des tertiären Systems sind systemakkreditiert, davon allerdings nur 71 mit der besten Note A (Stand: Juni 2018). Sie gelten als die besten Hochschulen des Landes. Innerhalb Indonesiens ist es inzwischen erlaubt, sich über berufsqualifizierende D-Abschlüsse - D1 bis D4 -, die an Polytechnics verliehen werden, auch in akademischen S-Programmen weiter zu qualifizieren. (Quelle: https://ban-pt.ristekdikti.go.id)

Wie beim US-amerikanischen Tenure-Track-System durchlaufen Nachwuchswissenschaftler einen vierstufigen Karriereprozess: Vom Jungdozenten, dem Asisten Ahli, der mindestens über einen Masterabschluss verfügen soll, wird erwartet, dass er promoviert und sich mit Forschungsprojekten, Publikationen und außeruniversitärem Engagement profiliert. Dann kann er sich um den Status Lektor bewerben, später um die Position eines Lektor Kepala (Senior Lecturer), schließlich um die des Guru Besar Madya, vergleichbar dem Associate Professor, und zuletzt um die des Guru Besar, vergleichbar dem Full Professor. Theoretisch ist dieser Weg in acht bis zehn Jahren zu schaffen.

Gemessen an wissenschaftlichen Publikationen, wird an Indonesiens Hochschulen noch vergleichsweise wenig geforscht. Nur 37 laufende indonesische Forschungspublikationen (Fachzeitschriften) werden aktuell bei Scopus gelistet (hingegen 160 aus Singapur und 96 aus Malaysia). Zwar ist die Anzahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen in Scopus-indizierten Fachzeitschriften in den letzten Jahren gestiegen, allerdings werden indonesische Publikationen weniger häufig zitiert als vergleichbare Publikationen im weltweiten Durchschnitt (Field-weighted citation index unter 1.0). Schaut man sich an, in welchen Bereichen in Indonesien besonders viel publiziert wird, so spielen die Sektoren Medizin, Sozialwissenschaften, Umwelt- und Biowissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften die größte Rolle. „Arts“ und „Humanities“ haben dagegen kaum Bedeutung.

Angeführt wird die Riege der sieben publikationsfreudigsten indonesischen Institutionen dem letzten Elsevier Research Intelligence Report vom Mai 2015 zufolge vom Bandung Institute of Technology (ITB) und der Universitas Indonesia (UI), gefolgt von der Universitas Gadjah Mada (UGM), dem Institut Pertanian Bogor (IPB), dem außeruniversitären Forschungsinstitut Lembaga Ilmu Pengetahuan Indonesia (LIPI), dem Institut Teknologi Sepuluh Nopember (IST), sowie an siesiebter Stelle dem Center for International Forestry Research, West Java, ebenfalls außeruniversitär.


Verfasser: Christian Rabl, basierend auf Dr. Irene Jansen, Außenstelle Jakarta

Der DAAD ist derzeit in Indonesien mit einer Außenstelle in Jakarta vertreten. Darüber hinaus befinden sich zwei Lektorate an der Universitas Indonesia und jeweils ein Lektorat an der Universitas Padjadjaran in Bandung sowie an der Universitas Negeri Yogyakarta.