Überblick: Bildung und Wissenschaft

By Jonas Buchholz [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Polen, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des polnischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
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Das indische Hochschulsystem befindet sich in einer rasanten Entwicklung. Nach offiziellen Angaben gibt es in Indien derzeit 864 Universitäten, 40.026 Colleges sowie weitere 11.669 Diploma Granting Institutions. Die Zahl der Studierenden beträgt 35,7 Millionen, was einer Studierendenrate von 25,2 Prozent in der Gruppe der 18 bis 23-jährigen entspricht.

2008 lag die Zahl der Universitäten noch bei 471, die der Colleges bei gut 22.000 und die Zahl der Studierenden bei 12,3 Millionen. Angesichts der demografischen Entwicklung des Landes plant die Regierung die Zahl der Studienplätze bis 2020 auf insgesamt 40 Millionen zu erhöhen, was einen weiteren Ausbau sowie Neugründungen von Universitäten und Colleges notwendig machen wird.
Vor diesem Hintergrund gewinnt vor allem der private Sektor immer mehr an Gewicht. Private Hochschulen haben in den letzten Jahren für den größten Zuwachs an Studienplätzen gesorgt und bilden mittlerweile die Mehrheit der indischen Studierenden aus. 36 Prozent der Universitäten und 78 Prozent der Colleges werden privat geführt.

Bei den staatlichen Hochschulen wird unterschieden zwischen den 44 Central Universities, die der Zentralregierung unterstellt sind und von dieser finanziert werden und den derzeit 345 State Universities, die jeweils der Regierung eines Bundesstaates unterstehen und von dem jeweiligen Bundesstaat finanziert werden. Besondere Bedeutung kommt den mittlerweile 100 sogenannten „Institutions of National Importance“ zu, zu denen die IITs, IIMs und IISERs sowie weitere, auf bestimmte Fachbereiche (zum Beispiel Medizin, Recht) spezialisierte Institutionen gehören. Diese werden ebenfalls direkt von der Zentralregierung finanziert und genießen eine gewisse Autonomie.
Eine Besonderheit des indischen Hochschulsystems ist das System der affiliierten Colleges. Die Mehrheit der Studierenden ist an einem privaten oder staatlichen College eingeschrieben, das inhaltlich und administrativ mit einer Universität affiliiert ist. Manche Universitäten haben bis zu 1.000 dieser Colleges, deren qualitativer Standard in vielen Fällen jedoch unter dem Standard der „Mutteruniversität“ liegt. Universitäten können alle akademischen Abschlüsse (Bachelor, Master, MPhil, PhD) vergeben, affiliierte Colleges bieten in der Regel nur Bachelor- und in wenigen Fällen Masterprogramme.

Fast 80 Prozent der indischen Studierenden ist in Bachelorprogrammen eingeschrieben, 11 Prozent in einem Masterprogramm. Lediglich 0,5 Prozent absolvieren einen PhD oder dessen Vorstufe, den MPhil. Diese seit vielen Jahren erschreckend geringe Zahl an PhD Studierenden ist einer der Gründe für den eklatanten Mangel an qualifizierten Lehrkräften über alle Institutionen hinweg.
An den führenden Hochschulen in Indien lehren und forschen hervorragend ausgebildete Wissenschaftler mit einschlägiger Auslandserfahrung. An zahlreichen Hochschulen lässt die Qualifikation der Lehrkräfte allerdings zu wünschen übrig. Einer Studie von FICCI & EY von 2009 zufolge sind 24 Prozent aller Lehrenden an Universitäten und 57 Prozent an den Colleges nicht promoviert.
Das Studium in Indien ist gebührenpflichtig. Für Programme in den Sozial- und Geisteswissenschaften bewegen sich die Studiengebühren zwischen 10 und 1.000 Euro pro Jahr. Für Studienprogramme in den Ingenieurwissenschaften, Management oder Medizin muss mit 2.000 - 3.000 Euro pro Jahr gerechnet werden. An privaten Hochschulen liegen die Gebühren mit 2.000 - 12.000 US-Dollar deutlich höher. Ausländische Studierende zahlen in der Regel ebenfalls höhere Gebühren.
Für viele Studiengänge und Hochschulen müssen Studienbewerber eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Da es vor allem an den begehrten Hochschulen wesentlich weniger Studienplätze als Bewerber gibt, sind diese Prüfungen äußerst selektiv. So erhalten an den IIT jährlich nur 2-5 Prozent aller Bewerber, die die Aufnahmeprüfung absolvieren, einen Studienplatz.

Die indischen Hochschulen sind dem britischen System folgend traditionell in erster Linie immer noch Lehranstalten. Dieses System ist derzeit jedoch im Wandel begriffen. Alle führenden Universitäten sind heute auch Forschungsuniversitäten. Daneben wird Forschung aber auch weiterhin an außeruniversitären Forschungsinstituten betrieben, von denen die auf angewandte Forschung ausgerichteten Institute des Council of Scientific and Industrial Research (CSIR) die bekanntesten sind.
Für deutsche Hochschulen ergeben sich eine Vielzahl von interessanten Kooperationsmöglichkeiten. Das Interesse insbesondere an gemeinsamer internationaler Forschung ist groß, aber auch an Studierenden- und vor allem Dozentenaustausch in strukturiertem Rahmen. Künftig wird auch das Interesse an gemeinsamen Master- und PhD-Programmen deutlich steigen. Da die Hochschullandschaft sehr divers ist, ist die Suche nach dem richtigen Partner die größte Herausforderung.


Verfasserin: Heike Mock, Außenstelle Neu-Delhi

Der DAAD ist in Indien derzeit mit je einem Informationszentrum in Mumbai, Bangalore, Chennai und Pune sowie einer Außenstelle in Neu-Delhi vertreten. Darüber hinaus gibt es Lektorate am IIT Madras in Chennai, an der University of Pune, an der University of Delhi und an der Jawaharlal Nehru University.