Überblick: Bildung und Wissenschaft

by Badseed [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Griechenland, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des griechischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
www.daad.de/regionalinformationen.


Die griechischen Hochschulen

Das griechische Hochschulsystem unterscheidet zwischen Universitäten (Anotata Ekpaidevtika Idrymata, AEI) und Fachhochschulen (Anotata Technologika Ekpai-devtika Idrymata, ATEI). Die ATEIs wurden 2007 den Universitäten gleichgestellt und dürfen seit 2008 in Kooperation mit in- oder ausländischen Hochschulen auch Master- und Doktorandenprogramme anbieten. Waren es im letzten Jahr noch 15 Fachhochschulen und 20 Universitäten, sind es jetzt durch die Zusammenlegung der Fachhochschulen Athen und Piräus (März 2018) zur Universität West-Attika 13 Fachhochschulen und 21 Universitäten.

Neben den staatlichen Hochschulen existiert noch eine Fülle von privaten Universitäten und Colleges, die aber akademisch vom griechischen Staat nicht anerkannt sind. An den großen Universitätsstandorten Athen und Thessaloniki studieren ca. 50% aller griechischen Studierenden, die kleineren Universitäten verfügen häufig über mehrere Niederlassungen.
Forschung findet an Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstituten statt. Nationale Rankings zum Vergleich der Universitäten gibt es nicht, eine Bewertung lässt sich allerdings aus den NC-Werten der einzelnen Fakultäten ableiten.
In den QS World University Rankings 2018 finden sich sechs griechische Hochschulen in höheren Positionen: National Technical University of Athens (401-410), Aristotle University of Thessaloniki (501-550), University of Crete (651-700), National and Kapodistrian University of Athens (651-700), University of Patras (701-750), Athens University of Economics and Business (801-1000).
Herausragende Qualität wird den folgenden Fachgruppen attestiert: Informatik, Ingenieurwissen-schaften, Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Biologie, Medizin, Jura.

Hochschulzugang

Der Hochschulzugang in Griechenland ist fachgebunden und wird zentral vom Ministerium für Bildung, Forschung und Religiöse Angelegenheiten geregelt. Entscheidend für den Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung (HZB) sind bislang nicht die Noten des Schulabschlusszeugnisses des Lyzeums (Apolytirion), sondern ausschließlich das Abschneiden bei den landesweiten Aufnahmeprüfungen (Panelladikes Exetaseis), die im Monat Juni erfolgen. In der ersten Klasse des Lyzeums entscheiden sich die Schüler für eine fachliche Ausrichtung, die auf den Zugang zu bestimmten Studiengängen vorbereitet. Der vorherige Bildungsminister, Nikolaos Filis, hatte die Prüfungsfächer auf vier reduziert und eine zusätzliche fachliche Schwerpunktsetzung (Epistimoniko Pedio) für pädagogisch orientierte Studiengänge ins Leben gerufen, die von seinem Nachfolger und jetzigem Bildungsminister, Konstantinos Gavroglou, wieder abgeschafft wurde. Das bedeutet, dass die fachliche Ausrichtung des Schulabschlusszeugnisses für das Studium der Pädagogik nicht mehr relevant ist. Es bestehen die folgenden fachlichen Schwerpunktsetzungen:

1. Geisteswisseschaften, Rechtswissenschaften, Sozialwissenschaften; 

2. Naturwissenschaften und Technologie;

3. Gesundheits- und Lebenswissenschaften;

4. Wirtschaftswissenschaften und Informatik.

Für bestimmte Studiengänge wie z.B. Architektur, Fremdsprachenphilologien, Sport oder Kunst ist das Absolvieren eines Spezialfaches (Eidiko Mathima) obligatorisch.
Studieninteressenten bewerben sich mit ihren in den landesweiten Aufnahmeprüfungen erworbenen Noten nicht direkt bei den Hochschulen, sondern füllen ein Antragformular zur Studienwahl aus, dem sogenannten „Michanografiko“. Die Studienplätze werden dann je nach Bewerberzahl und freien Studienplätzen zentral vom Bildungsministerium vergeben.

So haben 2017 insgesamt 70.726 Hochschulzugangsberechtigte einen Studienplatz erhalten (2016: 69.985), davon 43.758 (2016: 43.855) an Universitäten und 26.968 (2016: 26.130) an Fachhoch-schulen. Für das laufende akademische Jahr werden insgesamt 74.692 (46.663 an AEIs und 23.396 ATEIs) freie Studienplätze zur Verfügung gestellt. Zu den Fächern mit der größten Nachfrage und dem höchsten Numerus Clausus (NC) in Griechenland zählen: Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie, Biologie, Molekurbiologie, Jura, Schiffsbau und Psychologie. Die Technische Universität Athen hat traditionell einen hohen NC in den Studiengängen Maschinenbau, Elektrotechnik, Architektur.

Reformansätze des Bildungsministers Konstantinos Gavroglou
Ergänzend zur staatlichen Bildung hat sich in Griechenland über die Jahrzehnte hinweg ein von privaten Anbietern getragenes System etabliert, das auch unter der Bezeichnung „Parapaideia“ zusammengefasst wird. Das Besuchen von Nachhilfeschulen („Frondistiria“), die sich auf die Vorbereitung der Schüler auf die landesweiten Hochschulzugangsprüfungen spezialisiert haben, ist in Griechenland beinah die Regel.

Eine für das Jahr 2014 durchgeführte Studie des „Zentrums für Bildungspolitik-Entwicklung“ des Gewerkschaftsbundes GSEE (General Confederation of Greek Workers) hat erstmals zum Vorschein gebracht, dass griechische Haushalte 3,7 Milliarden Euro in die Bildung (Nachhilfeunterricht, Sprach- und, Musikschulen, Computerunterricht, private Schulen, Studium) ihrer Kinder investiert haben. Laut Studie gaben griechische Familien mit Kindern in der Grundschule 815 Mio. Euro für die Bildung aus, für Kinder in der Sekundarstufe I 1,63 Mrd. Euro, während 683 Mio. Euro für ein Studium im Inland sowie zusätzliche 150,9 Mio. Euro für ein Studium im Ausland errechnet wurden. Inwieweit Mängel in der Schulausbildung (beim Fremdsprachenerwerb, bei der sportlichen Ausbildung sowie bei der Vorbereitung auf die landesweiten Hochschulzugangsprüfungen) zur Etablierung eines parallelen privaten Bildungssystems geführt haben oder ob etwa die Form des Hochschulzugangs zur Abwertung des Unterrichts - v.a. im Lyzeum - zur Folge hatte, ist eine zentrale und umstrittene Frage, die in der öffentlichen Meinung und zwischen den polititschen Parteien immer wieder diskutiert wird.
Bildungsminister Konstantinos Gavroglou strebt eine Bildungsreform an, die den bisherigen Hochschulzugang ändern und ab 2020 in Kraft treten soll. Angekündigt wurde die Abschaffung der Panelladikes Exetaseis und der Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung ausschließlich mit dem Notendurchschnitt des Apolytirion. Der NC soll in diversen Studienfächern abgeschafft werden. Jedoch werden die Studiengänge Medizin, Jura sowie polytechnische Studiengänge weiterhin zulassungsbeschränkt bleiben und von dieser Regelung erstmal ausgeschlossen sein. 2019 stehen jedoch Wahlen an.

Im März 2018 wurde bereits die Etablierung von Ausbildungszentren (Kentra Epaggelmatikis Ekpaidefsis, KEE) innerhalb der Universitäten gesetzlich geregelt. Diese sollen nach europäischen Standarts zweijährige Ausbildungsprogramme ausrichten und berufsqualifizierende Abschlüsse vergeben. Zugang zu diesen Ausbildungsprogrammen sollen Absolventen der berufsbildenden Lyzeen (EPAL) haben, womit die Jugendlichen in Griechenland dazu bewegt werden sollen, berufsqualifizierende Lyzeen zu besuchen und Beschäftigungsmöglichkeiten anzustreben, die kein Studium voraussetzen. Damit soll den Bedürfnissen der lokalen Wirtschaft Rechnung getragen werden.

Studiendauer und -abschlüsse

Die grundständigen Studiengänge an den Universitäten haben eine Regelstudienzeit von acht Semestern und verleihen als ersten akademischen Abschluss das Ptychio mit i.d.R. 240 ECTS (in der Praxis häufig als Bachelor anerkannt). An den Polytechnika und Kunstakademien sowie in den Agrar- und Ingenieurwissenschaften dauert das Studium 10 Semester. Das Ptychio hat hier einen Umfang von 300 ECTS (entspricht dem deutschen Diplom-, oder Magistergrad, wird aber häufig auch als Bachelor anerkannt). Das Ptychio der Medizin/Zahnmedizin/ Veterinärmedizin umfasst 12 Semester und entspricht dem deutschen Staatsexamen. An den Fachhochschulen beträgt die Regelstudienzeit ebenfalls acht Semester (einschließlich eines Praxissemesters). Ein eigenständiges Lehramtstudium gibt es in Griechenland nicht.
Etwa 10 bis 15 Prozent der Graduierten entscheiden sich für ein postgraduales Studium, das nach zwei Jahren zu einem Masterabschluss (metaptychiako diploma eidikevsis) führt. Die Masterstudiengänge in Griechenland sind größtenteils kostenpflichtig. Ein postgraduales Studium ist Voraussetzung, um zu einem PhD zugelassen zu werden. Nach weiteren drei bis vier Jahren kann der Doktorgrad erworben werden (didaktoriko).
Die Internetplattform www.studyingreece.edu.gr des griechischen Bildungsministeriums informiert auf Englisch über den Hochschulstandort Griechenland.

Hochschulfinanzierung

Die griechischen Hochschulen finanzieren sich aus öffentlichen Mitteln, nutzen allerdings darüber hinaus auch ihr Recht auf Einwerbung von Drittmitteln. Nach Artikel 16 der griechischen Verfassung ist die Hochschulbildung staatlich und kostenlos. Eine Ausnahme bilden die Fernstudien-Universität Patras und die International Hellenic University. Auch für die meisten Masterstudiengänge werden Gebühren erhoben. Lehrbücher werden den Studierenden zum Teil unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Verpflegung in der Mensa und die Unterbringung in einem studentischen Wohnheim sind - abhängig vom Elterneinkommen - entweder kostenlos oder kostenpflichtig.


Verfasser: Apostolia Goudousaki, Informationszentrum Athen und Alexander Roggenkamp, ehem. Leiter des Informationszentrums Athen

Der DAAD ist in Griechenland durch ein Informationszentrum und ein Lektorat in Athen sowie ein Lektorat in Thessaloniki vertreten.
 

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