Überblick: Bildung und Wissenschaft

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DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Ghana, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des ghanaischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
www.daad.de/regionalinformationen.


Die Hochschullandschaft Ghanas befindet sich in einer Phase der massiven Expansion. Existierten 1994 lediglich 6 öffentliche Universitäten in Ghana, so weist der tertiäre Bildungssektor 2018 insgesamt 205 durch das National Accreditation Board anerkannte Universitäten, Colleges, Polytechnics und andere Institute (öffentlich ebenso wie privat) auf – ein mehr als 30-facher Anstieg innerhalb von 20 Jahren. Die Universitäten sind höhere Bildungseinrichtungen, die eine möglichst große Bandbreite an Fächern anbietet und neben der Ausbildung auch Forschungsmöglichkeiten bietet. Die zwei- bis dreijährigen Polytechnics bieten postsekundäre Bildung im technischen Bereich an, an Colleges of Education sind in verschiedenen Fächern fachspezifische nationale Diplome zu erwerben (Sprachen, Landwirtschaft, Pflegeberufe etc.). Diese Diplome können entweder zum Berufseinstieg oder – einen guten Abschluss vorausgesetzt – zum Weiterstudium an einer Hochschule genutzt werden.

Ein ähnlich ansteigender Trend gilt für Ghanas Studierendenzahlen, mit einem Anstieg von knapp über 20.000 auf fast 420.000 zwischen 1994 und 2016. Diese Entwicklungen gehen mit einer zunehmend starken Fokussierung der politischen Agenda auf Bildung einher. Das von Bildungsministerium (MoE) und National Council for Tertiary Education (NCTE) ausgearbeiteten Strategiedokument, der „Education Strategic Plan 2010-2020“ identifizieren u.a. folgende Prioritäten: verbesserter Zugang zu tertiärer Bildung, Sicherstellung der Hochschulfinanzierung, Bekämpfung der „gender gap“, gezielte Bewerbung von technischen und wirtschaftswissenschaftlichen Studienangeboten.

Die seit Ende 2016 amtierende neue Regierung setzt ambitionierte Schwerpunkte im Bereich der sekundären Bildung durch die 2017 begonnene flächendeckende Abschaffung von Gebühren für „Senior High Schools“. Durch die absehbar steigende Anzahl an Absolventen kann mittelfristig auch von einem verstärkten Bedarf an Studienplätzen gerechnet werden. Ein weiterer Fokus der Aktivitäten der Regierung liegt – noch stärker als bisher – auf der Berufsbildung. Inwiefern sich dies auf das Budget für den tertiären Bildungsbereich auswirken wird, ist bisher noch unklar.

Auf den Mangel an öffentlichen Studienplätzen reagierte die Regierung mit der vereinfachten Akkreditierung von ursprünglich nicht tertiären Bildungseinrichtungen (z.B. Teacher Training Colleges), von Studienangeboten an Polytechnics und von privaten Universitäten. Darüber hinaus kam es zu vielen Neugründungen privater Einrichtungen. Diese Expansion geht jedoch vielfach auf Kosten der Qualität – internationale Standards werden noch nicht an allen Institutionen erreicht.
Um die Praxisanbindung und die berufliche Anschlussfähigkeit der Absolventen zu verbessern, hat das Ministerium für Bildung 2016 begonnen, die zehn ghanaischen Polytechnics auf Hochschulniveau zu heben und auf das Modell einer deutschen Fachhochschule umzustellen. Diese Umstellung ist bisher für sechs der Hochschulen abgeschlossen, bei zwei Polytechnics (Cape Coast und Tamale) steht nur noch der offizielle Wechsel des Status aus, zwei weitere (Bolga und Wa) befinden sich noch in der Umstrukturierung. Diese Umordnung eines signifikanten Anteils der ghanaischen Hochschullandschaft entspricht auch dem Willen der Regierung, die Natur- und Ingenieurswissenschaften signifikant auszubauen.

Die Förderung von promovierten Dozenten an den ghanaischen Hochschulen ist und bleibt ein großes Thema auf politischer Ebene – bisher ist der Anteil von promovierten Hochschullehrern und -lehrerinnen noch gering. Dies führt u.a. dazu, dass große Teile des Lehrkörpers, vor allem an finanziell besser ausgestatteten privaten Universitäten vor Kurzem im Ausland promoviert haben. Dennoch stellt die geringe Erfahrung und Auseinandersetzung mit Hochschuldidaktik bei vielen Dozentinnen und Dozenten ein Problem dar. Die Methodik der Wissensvermittlung sowie die Vielfalt an Methoden werden noch nicht ausreichend in die Ausbildung des Lehrpersonals integriert.

An den Institutionen der höheren Bildung wird nur begrenzt Forschung betrieben, obwohl es teilweise eine Publikationspflicht gibt. Dozenten aller staatlichen Universitäten erhalten einen monatlichen pauschalen Betrag, der formal in Forschung investiert werden soll (Literaturbeschaffung etc.). Das Bildungsministerium hegt den Plan, diese Gelder eher in einen Forschungsfond umzubuchen, der dann auf Wettbewerbsbasis an einzelne Wissenschaftler ausgezahlt werden soll. Das führte jedoch zu erheblichem Widerstand von Seiten der Wissenschaftler.

Es gibt folgende ghanaische Schulabschlüsse:

- Sekundarschulabschlüsse: General Certificate of Education (Ordinary und Advanced Level), Higher School Certificate, School Certificate, West African Senior School Certificate
- Berufsbildende Abschlüsse: Higher Education Diploma
- Studienabschlüsse: Bachelor, Master, PhD

Es existiert keine Allgemeine Hochschulreife, die den Zugang zu allen Studiengängen ermöglicht. Daher wird der Hochschulzugang bereits über die Wahl der Sekundarschule und der jeweiligen Fächerkombination geregelt. Die Wahl von sprachlichen Leistungskursen beispielweise berechtigt zum Studium von Sprachen, die Wahl naturwissenschaftlicher Leistungskurse berechtigt zum naturwissenschaftlichen Studium etc.

Die allgemeinen Studiengebühren an ghanaischen Hochschulen sind kaum durch einen Mittelwert anzugeben. Sie variieren sehr stark von Institution zu Institution, insbesondere an privaten Institutionen. Die Differenz zwischen Gebühren für ghanaische Studierende und internationalen Studierenden ist jedoch an jeder Institution sehr groß. Die Gebühren variieren zwischen 1.000 USD und 7.000 USD pro Studienjahr.

Nationale Bildungsagenturen sind das NCTE (National Council for Tertiary Education), das NAB (National Accreditation Board) und GET Fund (nationale Stipendien). Das NCTE arbeitet direkt mit dem Bildungsministerium zusammen, ist verantwortlich für die korrekte Administration der ghanaischen Institutionen der höheren Bildung und berät den Minister für tertiäre Bildung in Bezug auf die ghanaischen Hochschulen bei allen politischen Initiativen. GET Fund ist eine Einrichtung speziell für Stipendien- und Förderprogramme für ghanaische Studierende und Graduierte sowie Förderung von Bildungsinstitutionen und -projekten. Das Scholarship Secretariat ist das ausführende Organ für alle individuellen Stipendien- und Förderungsprogramme, ebenso wie Kooperationsprogramme wie beispielsweise das Regierungsstipendienprogramm der ghanaischen Regierung und dem DAAD. Das Scholarship Secretariat untersteht direkt dem Büro des Präsidenten und nicht dem Bildungsministerium. Zudem hat die AAU (Association of African Universities) ihren Sitz in Ghanas Hauptstadt Accra.


Verfasserinnen: Lena Leumer, Leiterin des Informationszentrums Accra und Berit Stoppa, ehem. Leiterin des Informationszentrums Accra 

Der DAAD ist in Ghana mit einem Informationszentrum in Accra vertreten und verfügt derzeit über drei Mitarbeiter.

Stand: 17.10.2018