Studieren und leben in China

Canan Akgün

Hochschul- und Bildungssysteme im Ausland weisen häufig gravierende Unterschiede zu Deutschland auf. Erfahren Sie mehr über die Hochschultypen, die Zulassungsvoraussetzungen und Studiengebühren.

Struktur und Entwicklung des Hochschulsystems

China verfügt über eine große Anzahl (ca. 2.800) von staatlichen bzw. staatlich anerkannten Hochschulen, die sich in Forschung und Lehre auf ein Spezialgebiet beschränken, und über Volluniversitäten, die meist um die Jahrhundertwende herum gegründet wurden.

Gerade in der letzten Dekade hat China verstärkt das Hochschulsystem ausgebaut. Die Anzahl der Hochschulen wurde innerhalb dieses Zeitraums verdoppelt.

Ausländischen Studierenden stehen nicht alle Einrichtungen des Landes offen. Die sogenannten Schlüsselhochschulen, sie unterstehen direkt dem Bildungsministerium und nicht den Provinzregierungen, sind nahezu deckungsgleich mit den Hochschulen, an denen ausländische Studierende zugelassen werden (ca. 400). 

Den größten Teil machen dabei die provinziell verwalteten Hochschulen aus. Direkt dem Bildungsministerium unterstellt sind nur 75 Hochschulen. Die Aufteilung der Hochschulen nach der verwaltenden Institution ist das Ergebnis der 1999 begonnenen Dezentralisierungsbestrebungen der chinesischen Regierung im Bildungsbereich. Neben den staatlichen Hochschulen konnten sich in den letzten Jahren eine große Zahl staatlich akkreditierter privater Hochschulen etablieren.

Hier finden Sie eine Liste der chinesischen Hochschulen, an denen im Rahmen eines DAAD-Stipendiums bzw. im Rahmen des Selbstzahlerprogramms studiert werden kann. Die chinesischen Hochschulen durchlaufen zur Zeit eine Reihe von staatlichen Förderprogrammen für die Hochschulbildung. Die Zahl deutscher Studierender ist ansteigend.

Studiensystem

Das Studienjahr in der Volksrepublik China ist in zwei Semester eingeteilt. Das Wintersemester ist das Hauptsemester, in dem die meisten Studierenden ihr Studium aufnehmen. Es beginnt im September und endet im Januar/Februar. Das Sommersemester beginnt im Februar/März und endet im Juli.

Im Zuge einer Bildungsreform hält zwar eine interaktive Unterrichtsform Einzug in die chinesischen Hochschulen, im Vergleich zu Deutschland ist die Lehrmethode jedoch immer noch stark verschult. Die Leistung wird anhand eines Punktesystems gemessen, das auch strikte Anwesenheitspflicht vorsieht. Die Kurse und Vorlesungen schließen fast alle mit einer Prüfung ab.

Das chinesische Studiensystem unterscheidet zwischen:


Undergraduate-Bereich:
Die meist vierjährigen Bachelor-Studiengänge (in Ausnahmefällen auch fünf- und sechsjährig) führen zum Erwerb des akademischen Titels Xueshi.
Ebenfalls im Undergraduate-Bereich angesiedelt sind die Junior Colleges, die praxisorientierte zwei- bis dreijährige Studiengänge anbieten. Hier wird ein Teil des enormen Bedarfs an Fachkräften gedeckt.

Postgraduate-Bereich:
Aufbauend auf die Bachelor-Studiengänge werden zwei- bis dreijährige Master-Studiengänge angeboten. Sie werden mit dem akademischen Grad Shuoshi abgeschlossen. Dazu müssen die nötigen credits nachgewiesen, eine Examensarbeit verfasst und erfolgreich verteidigt werden.

Ein dreijähriges Doktorandenstudium umfasst ebenfalls forschungsbegleitende Kurse und damit verbunden den Erwerb von credits. Das Verfassen der Dissertation und das Rigorosum sind weitere Voraussetzungen, um den Titel Boshi zu erwerben.

Informationen zu Fragen der Anerkennung von Studienleistungen, -abschlüssen und Akademischen Graden finden sie in unseren Tipps vorab.

Zulassung

Übergreifende Voraussetzungen für die Zulassung zum Studium an einer chinesischen Hochschule ist ein gültiger Reisepass und ein Visum, welches die Einladung der Hochschule voraussetzt sowie sind der Nachweis über ausreichende Sprachkenntnisse (s.u.), ein Gesundheitszeugnis (AIDS-Test) und eine Bescheinigung über die finanziellen Mittel (s. DAAD-Erfahrungsbericht aus Chengdu).

Zu beachten ist, dass der Großteil der deutschen Studierenden in China (ca. 98%) Sprachunterricht oder ein bis zwei Fachsemester ohne Abschluss absolvieren.

Studiengebühren

Die chinesischen Hochschulen erheben Studiengebühren. Sie variieren von Fach zu Fach und von Hochschule zu Hochschule. Ein Bachelorstudium kostete 2015 zwischen 3.000,- und 6.000,- RMB (ca. 425,- bis 850,- EUR) pro Studienjahr – je nach Region und Prestige der Hochschule. Für künstlerische oder medizinische Studiengänge können bis zu 10.000,- RMB (ca. 1.400,- EUR) fällig werden. Weiterführende Studiengänge (Master, Promotion) schlagen ebenfalls mit bis zu 10.000,- RMB zu Buche. Englischsprachige Studiengänge sind in der Regel noch teurer, auch internationale Studierende zahlen mehr. Für „fachliche" Master (MBA, Ingenieurwissenschaft) werden zum Teil sogar Gebühren in Höhe von 30.000,- bis 100.000,- RMB (4.225,- bis 14.000,- EUR) jährlich erhoben.

(1 EUR = 7,30483 CNY; Stand April 2017)

Sprachvoraussetzungen

Ausreichende Chinesischkenntnisse sind eine weitere Bedingung, die erfüllt werden muss, um an einer chinesischen Hochschule zugelassen zu werden. Je nach Fachrichtung muss eine unterschiedlich hohe Punktzahl beim Chinese Proficiency Test (Hanyu Shuiping Kaoshi; HSK) erreicht werden. Für internationale Studierende werden an einer immer größer werdenden Zahl an Hochschulen Programme auf Englisch angeboten. Hierfür müssen bei Bewerbern, deren Muttersprache nicht Englisch ist, entsprechende Sprachzertifikate (TOEFL, IELTS) vorgelegt werden.

Sprachkurse findet man in Deutschland und China. Eine umfangreiche Linkliste zum Erlernen der chinesischen Sprache und weitere China-Informationen finden Sie auf den Seiten des Fachverbandes Chinesisch e.V..

Mehr zum Thema

Visum, Arbeitserlaubnis, Wohnungssuche, Lebenshaltungskosten - all das sollte vor einem Auslandsaufenthalt gut recherchiert sein. Die folgenden Informationen helfen Ihnen bei der Vorbereitung.

Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis

Für die Einreise in die Volksrepublik China wird in jedem Fall ein Visum benötigt, das je nach Dauer des Aufenthalts unterschiedlich kategorisiert wird. Das Visum sollte nicht länger als zwei Monate vor der Abreise bei der Botschaft der Volksrepublik China oder den Generalkonsulaten beantragt werden. Ein gültiger Reisepass, das Visumsantragsformular mit Foto, der Zulassungsbescheid der Hochschule und die Kopie des Gesundheitszeugnisses (dies gilt nicht für diejenigen, die nicht länger als ein Semester in der VR China verbringen) sind zur Beantragung erforderlich.

Die Beantragung aller chinesischen Visa erfolgt über die Chinese Visa Application Service Centers bei den Generallkonsulaten in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt. Die Kosten für ein Visum mit einmaliger Einreise betragen seit August 2015 95,45 EUR.

In China angekommen, müssen Studierende sich innerhalb der ersten 30 Tage bei der lokalen Polizeibehörde registrieren lassen, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten.

Es ist ausländischen Studierenden grundsätzlich erlaubt, in China einen Ferienjob anzunehmen. Das Job-Angebot und die Bezahlung sind regional sehr unterschiedlich.

Tipp

Denken Sie bitte auch an eine Auslandskrankenversicherung (siehe Versicherungsvergleich). Eine mögliche Alternative ist die DAAD-Gruppenversicherung. Auch reisemedizinische Vorsorgemaßnahmen (Impfungen) müssen getroffen werden.

Visumverfahren

Informationen zum Visumverfahren für chinesische Studienbewerber

Die Akademische Prüfstelle (APS) ist eine Service-Einrichtung des Kulturreferates der Deutschen Botschaft Peking in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).  Die APS überprüft die Hochschulzugangsberechtigung und die akademischen Leistungsnachweise chinesischer Studienbewerber, die ein Studium in Deutschland anstreben. Grundsätzliches Ziel der APS ist es, chinesischen Studienbewerbern den Weg für ein Studium in Deutschland möglichst einfach und transparent zu gestalten, indem formale Überprüfung, qualitative Auswahlverfahren und auch das Visumverfahren unter einem Dach in einem einheitlichen und unkomplizierten Verfahren angeboten werden.

Die APS ist für chinesische Studienbewerber das Tor zum Studium in Deutschland. Nach erfolgreicher Prüfung der Dokumente eines Bewerbers (diese kann ein Plausibilitätsinterview oder TestAS einschließen), erteilt sie ein Zertifikat, das von den deutschen Hochschulen als eine Zulassungsvoraussetzung verlangt wird. Dieses Zertifikat bescheinigt, dass die eingereichten Dokumente der chinesischen Bewerber echt sind und dass sie in China ausreichende Studienleistungen erbracht haben, um sich an einer deutschen Hochschule zu bewerben. Es ist zu beachten, dass die APS keine Dokumente über Studienleistungen aus Taiwan, Honkong oder Macao prüft.

Seit Anfang 2005 arbeitet die APS mit Österreich und seit Ende 2006 mit Belgien zusammen. Wer sich für einen Studienplatz in einem dieser beiden Länder bewerben möchte, muss ebenfalls seine Dokumente von der APS überprüfen lassen und wird in der Regel zu einem Interview eingeladen.

Studienbewerber für Deutschland können nach Erhalt des APS-Zertifikats und der Zulassung an einer deutschen Hochschule ihre Visumsanträge bei der APS einreichen. Wer sich für ein Studium in Österreich oder Belgien bewerben will, muss das Visum direkt bei der jeweiligen Botschaft beantragen.

Weiterführende Informationen zum Verfahren entnehmen sie bitte der Homepage der APS.

Lebenshaltungskosten

Nach Erfahrung von Studierenden muss neben den Studiengebühren von einer Orientierungssumme von EUR 350,- bis ca. EUR 600,- monatlich ausgegangen werden. Das Preisniveau schwankt sehr zwischen den Provinzstädten, den Küstenmetropolen und der Hauptstadt Peking.

Unterkunft

Studierende aus dem Ausland müssen in der Regel in campuseigenen Wohnheimen wohnen (privates wohnen ist prinzipiell möglich). Die Mieten betragen zwischen EUR 170,- und EUR 280,- pro Monat für ein Doppelzimmer; sind Einzelzimmer erhältlich, muss ungefähr der doppelte Preis bezahlt werden. Auf dem privaten Wohnungsmarkt beträgt die Miete in einer WG in Uninähe 350,- bis 500,- EUR. In den Metropolen Peking oder Shanghai sind die Mieten höher (s. DAAD-Erfahrungsberichte).

Hilfreich bei der Wohnungssuche können die Angebote der folgenden Portale und Suchmaschinen sein