Studieren und Leben in Brasilien

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Hochschul- und Bildungssysteme im Ausland weisen häufig gravierende Unterschiede zu Deutschland auf. Erfahren Sie mehr über die Hochschultypen, die Zulassungsvoraussetzungen und Studiengebühren.

Hochschulen

Nach den letzten Erhebungen von 2014 gibt es in Brasilien 2.368 Hochschulen, davon sind 298 öffentlich (das heißt, es bestehen 107 Bundes-, 118 Landes- und 73 städtische Hochschulen). 2.070 Hochschuleinrichtungen sind privater Natur. Über 87% der Hochschulen sind gewinnorientierte oder gemeinnützige private Bildungseinrichtungen.

Studiensystem

Das akademische Jahr ist in zwei Semester unterteilt. Das Sommersemester beginnt im März und endet Anfang Juli. Das Wintersemester beginnt Anfang August und endet Mitte Dezember.

Im brasilianischen Hochschulwesen ist folgende Gliederung für universitäre Studien vorgesehen:

► Bacharelado: Dies ist der übliche Studienabschluss. Die Studiendauer beträgt drei bis sechs Jahre.

► Licenciatura: Dieser Abschluss wird für das Lehramtsstudium vergeben. Die Regelstudienzeit beträgt normalerweise vier Jahre.

► Tecnológico: Hierbei handelt es sich um einen berufsbildenden Abschluss. Das Studium dauert zwei bis drei Jahre und ist in Deutschland nicht als Äquivalent zum Bachelor o.ä. anerkannt.

► In der Post-Graduierung unterscheidet man zwischen der "pós-graduação lato sensu", einer Spezialisierung, die eher einer Weiterbildung entspricht, wozu auch z.B. ein MBA gehört, und der "pós-graduação strictu sensu", die zum akademischen Titel Mestrado führt.

Der Mestrado dauert zwei oder zweieinhalb Jahre und schließt mit der Verteidigung der Abschlussarbeit ab.

Zum Bereich der Post-Graduierung zählt auch die Promotion, die sich an einen Mestrado anschließen kann. Dafür muss sich der Promovend in ein Doktoratsprogramm an einer Universität einschreiben. Die Promotion dauert etwa drei bis fünf Jahre und schließt mit einer öffentlichen Verteidigung der Dissertation ab.

Für Postgraduierten-Kurse muss die Anerkennung des Hochschulabschlusses über die jeweilige brasilianische Hochschule beim Erziehungsrat (Conselho Federal de Educação) beantragt werden.

Informationen zu Fragen der Anerkennung von Studienleistungen, -abschlüssen und Akademischen Graden finden sie in unseren Tipps vorab.


Zulassung

Studienanfänger aus dem Ausland müssen genau wie Brasilianer im Dezember/Januar eine Eingangsprüfung (vestibular) oder die zentrale Prüfung, das Exame Nacional do Ensino Médio (ENEM) ablegen, die in etwa dem deutschen Abitur entspricht und Portugiesisch-Kenntnisse verlangt. Voraussetzung dafür ist die Anerkennung des deutschen Sekundarschluabschlusses/Hochschulreife durch den Staatlichen Ausbildungsrat (Conselho Estadual de Educação), die über das Kultusministerium des Bundesstaates, in dem studiert werden soll, einzuholen ist.

Studienfortsetzer können direkt zugelassen werden. Sie beantragen die Studienberechtigung und die Anerkennung der bisherigen Studienleistungen direkt bei der jeweiligen brasilianischen Hochschule. Die Immatrikulation erfolgt in sogenannten matérias isoladas.

Studiengebühren

An privaten Hochschulen, an denen 75% der brasilianischen Studierenden immatrikuliert sind, werden generell Studiengebühren erhoben. Die Höhe ist direkt bei den entsprechenden Einrichtungen zu erfragen. Sie kann zwischen EUR 100,- bis EUR 2.200,- pro Monat betragen. Die staatlichen und von den bundesstaaten getragenen Hochschulen erheben lediglich eine geringe Gebühr für den Verwaltungsaufwand.

Sprachvoraussetzungen

Bereits vor Aufnahme des Studiums müssen die portugiesischen Sprachkenntnisse so gut sein, dass ein ausreichender Wortschatz an Fachbegriffen eine mühelose Teilnahme an den Lehrveranstaltungen ermöglicht. Die Veranstaltungen werden ausschließlich in portugiesischer Sprache abgehalten und ein bestandener Sprachtest gehört zu den Zulassungsvoraussetzungen. Einige Hochschulen bieten vorbereitende Sprachkurse an.

Eine Möglichkeit zum Erlernen von "brasilianischem portugiesisch" bietet das Instituto Cultural Brasil Alemanha sowie das Centro Cultural Brasil-Alemanha.














Visum, Arbeitserlaubnis, Wohnungssuche, Lebenshaltungskosten - all das sollte vor einem Auslandsaufenthalt gut recherchiert sein. Die hier zusammen gestellten Informationen helfen Ihnen bei der Vorbereitung.

Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis

Zum Studienaufenthalt in Brasilien müssen internationale Studierende über ein gültiges Studentenvisum verfügen, wenn der Aufenthalt länger als 90 Tage dauern soll. Um das Studentenvisum zu erlangen, muss ein Nachweis erbracht werden, an welcher brasilianischen Universität die Möglichkeit einer Immatrikulation besteht. Ein gültiger Reisepass, ein polizeiliches Führungszeugnis, Passfotos und ein Nachweis über die finanziellen Mittel für die Studiendauer sind darüber hinaus erforderlich.

Detaillierte Informationen erhalten Sie auf den Seiten der Konsularabteilung der brasilianischen Botschaft. Dort sollten Sie sich auch nach den Vorraussetzungen für eine Arbeitserlaubnis erkundigen. Nach der Ankunft muss man sich innerhalb von 30 Tagen bei der örtlichen Polizei (Polícia Federal) anmelden, wo man man einen vorläufige carteira de estrangeiro bekommt. Das Auslandsbüro der Gasthochschule ist dabei behilflich (s. DAAD-Erfahrungsbericht).

Denken Sie bitte an eine Auslandskrankenversicherung. Eine mögliche Alternative ist die DAAD-Gruppenversicherung. Auch reisemedizinische Vorsorgemaßnahmen (Impfungen) müssen getroffen werden.

Lebenshaltungskosten

Wer auf einen europäischen Lebensstil nicht verzichten mag, muss mit Lebenshaltungskosten rechnen, die denen in Deutschland vergleichbar sind (Orientierungssumme von ca. EUR 750,- ).

Linktipps

Wer sich jedoch den brasilianischen Lebensgewohnheiten anpasst, kann mit einem Bruchteil dessen den Monat bestreiten (Unterkunft und Verpflegung sind billiger, Telefon und öffentliche Verkehrsmittel teurer), so dass ca. EUR 300,- ausreichen können. In den  Metropolen ist es aber wesentlich teurer.

Einige Vergünstigungen gibt es über den Internationalen Studentenausweis.

Unterkunft

Studentenwohnheime (in den Großstädten) gibt es nur wenige. Die Möglichkeit einen Platz zu bekommen ist eher gegeben, wenn eine Hochschulpartnerschaft besteht. Die Kosten für eine Wohnung betragen ca. EUR 100,- bis EUR 400,-. In Rio de Janeiro und Sao Paulo sind die Kosten wesentlich höher; sie variieren sehr stark abhängig von (sicheren) Stadtgebieten und Universitätsnähe, z.B. EUR.350,- bis EUR 500,- in Sao Paulo (s. DAAD-Erfahrungsbericht).

Hilfreich bei der Wohnungssuche können die Angebote der folgenden Portale und Suchmaschinen sein

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  • Informationen zur Wohnungssuche und weitere praktische Tipps zum alltäglichen Leben in Brasilien finden Sie bei Just Landed.