Überblick: Bildung und Wissenschaft

Patricio unter CC BY-SA 2.0 / Wikimedia Commons

DAAD-Regionalinformationen

Die folgende Einführung in das Hochschulsystem, ergänzt durch ein Kapitel zum Thema "Internationalisierung und Bildungskooperationen" sowie den DAAD-Aktivitäten in Argentinien, finden Sie im DAAD-Ländersachstand. Eine umfangreichere Analyse des argentinischen Hochschulsystems bietet die DAAD-Bildungssystemanalyse, eine kompakte Datenzusammenstellung auf einer Seite das DAAD-Datenblatt.

Alle verfügbaren DAAD-Ländersachstände, DAAD-Bildungssystemanalysen und DAAD-Datenblätter alphabetisch nach Ländern sortiert finden Sie unter
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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Argentinien eines der fortschrittlichsten Hochschulsysteme in Lateinamerika. Die 1905 in eine Nationaluniversität umgewandelte Universidad de La Plata folgte beispielsweise dem Humboldt'schen Universitätsmodell der Einheit von Lehre und Forschung. Ausländische Wissenschaftler, darunter eine Reihe deutscher Professoren, wurden angeworben und beteiligten sich am Aufbau von Forschungsinstituten.
Die Turbulenzen der argentinischen Geschichte, die mit dem Militärputsch von 1930 begannen und nach zahlreichen weiteren wirtschaftlichen und politischen Krisen erst im Dezember 1983 zu einem Ende kamen, hatten die Hochschulen stark in Mitleidenschaft gezogen. Aus den genannten Gründen emigrierten massenhaft auch Dozenten und Wissenschaftler, und jahrzehntelang wurde in Hochschulen und Forschungseinrichtungen kaum investiert.

Nach dem Staatsbankrott von 2001 kam es vor allem durch den Schuldenschnitt ab 2003 zu einer Erholung der Wirtschaft, die einen drastischen Abbau der Restschulden ermöglichte und ab 2004 zu hohen Wachstumsraten von 8 bis 9 Prozent führte. Die beiden letzten Regierungen hatten Bildung und Wissenschaft zu Schwerpunkten ihrer Arbeit gemacht und die Bildungsausgaben von 4 auf 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht. Seit Jahrzehnten war es den Hochschulen und Forschungseinrichtungen des Landes nicht so gut gegangen, was sich in neuer Dynamik und Expansion (z.B. neuen Hochschulgründungen) manifestierte. War aus den genannten Gründen bis jetzt davon auszugehen, dass Argentinien nach einer langen Zeit der Stagnation nicht nur als Partner in Wirtschaft und Kultur, sondern besonders auch im Hochschul- und Forschungsbereich interessant bleibt bzw. zunehmend interessant wird, steht diese Entwicklung seit Antritt der Regierung Macri im Dezember 2015 wieder in Frage: Bildung und Wissenschaft gehören dezidiert nicht zu den Prioritäten der aktuellen Administration und die schwächelnde Wirtschaft verschärft die Bedingungen für den Bildungssektor zusätzlich. Davon legt der Umgang der Regierung mit den öffentlichen Hochschulen beredt Zeugnis ab: Zahlungsausfälle und scheiternde Verhandlungen zwischen Regierung und Hochschulpersonal führen dazu, dass die Prekarität in allen Bereichen extrem zugenommen hat, Streiks und Lehrausfälle sind die häufige Folge. Das Festhalten am Wissenschaftsminister der Vorgängerregierung signalisiert dennoch bisher den Willen, im Bereich Bildung, Wissenschaft und Forschung Kontinuität zu gewährleisten. Auch die Tatsache, dass bestehende internationale Wis-senschaftskooperationen fortgeführt und neue Programme (u.a. mit dem DAAD) eingerichtet werden, weist in dieselbe Richtung.


Aktuell existieren in Argentinien 130 Hochschulen (davon 111 Universitäten). Während im Jahr 2000 knapp 1,4 Millionen Studierende an argentinischen Hochschulen immatrikuliert waren, sind es der-zeit ca. 2 Millionen. Etwa die Hälfte der Universitäten sind staatliche Einrichtungen, die keine Gebühren erheben – was den Studienstandort Argentinien auch für Studierende aus den umliegenden lateinamerikanischen Ländern interessant macht. Die privaten Hochschulen, die zahlenmäßig etwa so stark sind wie die staatlichen, allerdings wesentlich weniger Studierende ausbilden, sind gebührenpflichtig und teilweise weniger forschungsorientiert. Voraussetzung für den Hochschulzugang ist das argentinische 'Bachillerato', das indes in Deutschland für die Zulassung zum Studium nicht ausreicht, weil es keine zentrale Abschlussprüfung voraussetzt, sondern lediglich das erfolgreich erreichte Ende der Schulzeit bescheinigt. Genauso wenig wird andersherum das deutsche Abitur in Argentinien für die Hochschulzulassung anerkannt. Das erschwert bzw. behindert den akademischen Austausch zumindest zu Studienbeginn. Eine weitere Herausforderung sind die oft mangelnden Sprachkenntnisse der argentinischen Studierenden, die in vielen Fällen nicht nur ein Studium auf Deutsch, sondern auch die Teilnahme an einem internationalen Studiengang auf Englisch erschweren. Aus diesem Grund besteht in Argentinien eine hohe Nachfrage nach Deutschunterricht, die durch die Angebote von Goethe-Institut und DAAD sowie von einzelnen argentinischen Hochschulen nur unzureichend gedeckt wird.


Verfasser: Judith Lehmann, Leiterin des Informationszentrums Buenos Aires und Dr. Urs Urban, ehem. Leiter des Informationszentrums Buenos Aires

Der DAAD ist in Argentinien mit einem Informationszentrum an der Universidad de Buenos Aires vertreten. Darüber hinaus besteht jeweils ein Lektorat an der Sprachenhochschule Instituto de Enseñanza Superior en Lenguas Vivas "Juan Ramón Fernández" in Buenos Aires, an der Nationaluniversität in Córdoba und an der Nationaluniversität in Tucumán.
 

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