Artikel & Analysen

by monneb afghan (flickr) [CC-BY-SA-2.0] via Wikimedia Commons

Seit 2002 ist der DAAD mit einer Vertretung in Kabul präsent, seit 2006 im Gebäude des Ministry of Higher Education (MoHE). Dies hat mehr als symbolischen Wert: Die Arbeit des DAAD ist kein deutscher Alleingang, sondern erfolgt in enger Abstimmung mit der afghanischen Regierung.

Vom 18. bis 20. September und am 27. September 2013 fanden an der Technischen Universität Berlin und an der Ruhr-Universität Bochum zwei Graduierungsfeiern für 52 afghanische Master-Absolventen statt.

Die Dozentinnen und Dozenten der Informatik und der Wirtschaftswissenschaften werden nun an ihre afghanischen Heimathochschulen zurückkehren und mit ihren neuen Kenntnissen zur Verbesserung der Lehrqualität beitragen. In beiden Fällen handelt es sich bereits um die zweite Kohorte erfolgreicher Absolventen. Die Multiplikator-Funktion dieser Lehrkräfte ist für den akademischen Aufbau des Landes kaum zu unterschätzen. So hat der für das Berliner Master-Programm im Fachbereich Informatik verantwortliche Fachkoordinator Dr. Nazir Peroz errechnet, dass durch die bisherigen IT-Master-Absolventen (insgesamt 50) allein in den nächsten drei Jahren mehr als 2.500 afghanische Studierende von der verbesserten Lehr- und Wissensqualität unmittelbar profitieren werden. Nähere Informationen: Bericht Deutsche Welle 04.10.2013,  [Bildung für Fortschritt in Afghanistan/ Pressemitteilung DAAD, Bildung ist der Schlüssel für eine bessere Zukunft Afghanistans].

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Deutschlandwoche in Kabul

Vom 22. bis zum 26. November 2012 veranstaltete das Goethe-Institut Kabul in Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft, der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) und dem DAAD eine Deutschlandwoche. Aus ganz Afghanistan waren Lehrer angereist, um an Fortbildungsangeboten teilzunehmen und den innerdisziplinären Dialog zu pflegen.

Zentrale Themen waren die Vermittlung und Erprobung moderner Unterrichtsgestaltung, die Arbeit an Kommunikationstechniken, die Umsetzung handlungsorientierten DaF-Unterrichts und die Berufsfindung als praxisnahes Unterrichtsthema.

Der DAAD war mit einem Info-Stand vertreten. Die Teilnehmer der Deutschlandwoche konnten sich hier über Fördermöglichkeiten für Sprachkurse und über Master und PhD Stipendien des DAAD informieren. Der Leiter des Goethe-Instituts,- Torsten Oertel, und Sprachabteilungskoordinator Thomas Wierzbicki hatten bei der Vorbereitung und Koordination der Woche großartige Arbeit geleistet. An den Veranstaltungen nahmen mehr als 40 Lehrer teil, das heißt sowohl deutsche Lehrer, die über die ZfA an Kabuler Schulen vermittelt wurden, als auch afghanische Kollegen, die aus allen Regionen des Landes angereist waren und dabei zum Teil äußerst weite Wege hinter sich hatten. Es kamen Universitätslehrer aus Bamiyan, aus  Mazar-i Scharif und Kunduz im Norden, sogar ein Kollege aus Herat, ganz im Westen Afghanistans, war angereist.

Dank des großen Interesses war die Deutschlandwoche sehr gut besucht. Auch der Info-Stand des DAAD fand großen Anklang. Ziel war und bleibt es, den Unterricht von Deutsch als Fremdsprache an afghanischen Schulen und Hochschulen zu fördern. Dafür wurden den Teilnehmern während der Woche mehrere Fortbildungen angeboten.

Wiederkehrendes Element war die Umsetzung unterschiedlicher Sozialformen im Unterricht: Wie werden Diskussionen initiiert und gestaltet? Wie setzt der Lehrer Lerngruppen zusammen? Das alles geschah in einem Klima neugieriger Selbsterprobung, in dem die in ihrer täglichen Arbeit weit verstreuten und wenig vernetzten Deutschlehrer Afghanistans einander näher kennenlernten.

Die Referentin und DaF-Expertin Nicole Zeisig bot die Fortbildung „Aktive Schüler lernen besser – Vorschläge und Ideen für den handlungsorientierten DaF-Unterricht“ an. Dabei standen verschiedene Methoden zur Gruppenbildung und Diskussionsformen, eine integrative Grammatik- und Phonetikvermittlung mit Spaß und Bewegung im Mittelpunkt.

Das Seminar „Beruf & Sprache: DaF-Übungsfirma“ von Alexander Kruckenfellner, Referent des Goethe-Instituts in München, handelte von der Berufswelt im Fremdsprachenunterricht. Hier lag der Fokus auf der Notwendigkeit beruflichen Hintergrundwissens und professioneller Schlüsselqualifikationen am Arbeitsmarkt. Im Seminar lernten die Teilnehmer, ihr Wissen fächerübergreifend, handlungs- und problemorientiert zu reflektieren. Anschließend erarbeiteten mehrere Gruppen Lehrpläne für DaF-Übungsfirmen-Seminare, beispielsweise für den Bereich Human Resources. Die Lernenden verfassen dort Stellenausschreibungen, setzen formelle Briefe auf, formulierten respektvolle Absagen und führten Verhandlungen.

In der Fortbildung „Landeskunde – Geschichte und Politik Deutschlands“ von Omed Arghandiwal, Lektor des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) der Universität Kabul, ging es um die Themen Geschichte und Politik Deutschlands in der Landeskunde. Ziel war es, den Teilnehmern einen Überblick über die politische und gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands zu vermitteln. Dabei standen jene politischen und historischen Themen im Mittelpunkt, die für das heutige Selbstverständnis Deutschlands von großer Bedeutung sind. Den Teilnehmern wurde ein Lehrplan für ein Landeskundeseminar vorgestellt und anschließend anhand eines Beispiels die Umsetzung einer Unterrichtseinheit erarbeitet.

Am letzten Tag der Deutschlandwoche empfing der deutsche Botschafter Rüdiger König die Teilnehmer, Referenten und Kooperationspartner von DAAD, ZfA und Goethe-Institut in seiner Residenz und bedankte sich für das große Engagement aller. Die Deutschlandwoche klang mit einem gemeinsamen Abendessen aus.

Omed Arghandwal, DAAD-Lektor für Deutsch an der Deutschabteilung der Universität Kabul

Afghanischer Hochschulminister besucht den DAAD und deutsche Partneruniversitäten.

Auf Einladung des DAAD ist der neue afghanische Hochschulminister Prof. Dr. Obaidullah Obaid gemeinsam mit einer Delegation nach Deutschland gereist. In Bonn, Gießen, Bochum und Berlin informierte er sich vom 13. bis 16. November über die langjährige Zusammenarbeit zwischen afghanischen und deutschen Hochschulen und zeigte sich von den bisher erreichten Ergebnissen beeindruckt. In einer abschließenden Gesprächsrunde im Auswärtigen Amt bekräftigte er seinen Wunsch, die erfolgreiche Kooperation mit dem DAAD und seinen Mitgliedshochschulen auch in der nächsten Dekade fortzusetzen.

Gemeinsam mit seiner Delegation, der neben drei Abteilungsleitern seines Ressorts auch der Präsident der Universität Balkh, Prof. Dr. Allokozai angehörte, führte der Minister Gespräche im DAAD, mit den Präsidenten und Rektoren der besuchten Universitäten sowie exemplarisch mit den Fachkoordinationen Geologie (Universität Bonn), Geographie (Universität Gießen), Informationstechnologie (Technische Universität Berlin), sowie Wirtschaftswissenschaften und Deutsch (beide Universität Bochum), die der DAAD seit zehn Jahren mit Mitteln des Auswärtigen Amtes im Rahmen des Sonderprogramms „Stabilitätspakt Afghanistan“ unterstützt.

Dabei ging es nicht nur um die stolze Präsentation aktueller Leistungen wie des fast fertig gestellten ersten „National Atlas of Afghanistan“ oder der erfolgreich laufenden Masterprogramme für afghanische Wirtschafts- und Informatikdozenten. Gegenstand der Gespräche war auch, wie die deutsch-afghanische Zusammenarbeit in der sog. „Transformationsdekade“ bis 2025 fortzusetzen sei. Ausgangspunkt der Überlegungen sind die voraussehbaren Veränderungen, die sich für die deutsch-afghanische Zusammenarbeit nach 2014 ergeben werden: die bis dahin erfolgende weitgehende Reduzierung der internationalen militärischen Präsenz in Afghanistan, die Übergabe der Regierung an einen künftigen Nachfolger des jetzigen Staatspräsidenten Hamid Karzai, der gemäß der afghanischen Verfassung keine weitere Amtszeit mehr anstreben kann, und das planmäßige Auslaufen des Sonderprogramms „Stabilitätspakt Afghanistan“. Fest steht, dass die Bundesregierung den zivilen Aufbau in Afghanistan auch nach 2014 mit ungemindertem Einsatz unterstützen will.

Der Minister dankte der deutschen Regierung und dem DAAD für ihre bisherige Unterstützung und gab im Verlauf seines Aufenthaltes immer wieder seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Hochschulsektor im Rahmen der künftigen deutschen Aufbauhilfe eine hohe Priorität erhalte, da Hochschulbildung der Schlüssel für die Nachhaltigkeit des zivilen Aufbaus in Afghanistan sei. Besonders benötigt werde eine erhebliche Steigerung der Zahl von Master- und PhD-Absolventen, um eine hohe Qualität und damit auch die internationale Anerkennungsfähigkeit der afghanischen Hochschulbildung zu erreichen. Da die afghanischen Hochschulen die starke Nachfrage nach Studienplätzen nicht befriedigen könnten, seien Community Colleges nötig, die alternativ auch den Weg in die Berufsbildung bahnen. Auch für die Reformierung des Hochschulzulassungsverfahrens (Kankor) und die Ermöglichung von Hochschulautonomie sei eine beratende deutsche Unterstützung erwünscht. Als besonders hoffnungsvoll bewertete der Minister den gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin erstellten Entwurf einer landesweiten akademischen IT-Strategie, die ein Netzwerk afghanischer Hochschulen anstrebt, das dem hohen Ausbildungsbedarf künftig auch durch Fernlehrangebote entgegen kommen könnte. Diese könnten in ihrer Summe die Plattform einer „Virtuellen Deutsch-Afghanischen Hochschule“ ergeben.

Mit einem vom Auswärtigen Amt organisierten Runden Tisch zur Bildung in Afghanistan und einer vorgeschlagenen Kabuler Konferenz mit den afghanischen Hochschulrektoren sollen die konstruktiven Gespräche im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

Field Guide Afghanistan

Beeindruckende Pflanzenvielfalt:

Über 4.000 Pflanzenarten gibt es in Afghanistan, ein Großteil davon wurde jetzt im „Field Guide Afghanistan“ zusammengetragen und wissenschaftlich beschrieben. Auf 870 Seiten gibt das reich bebilderte Werk zum ersten Mal einen umfassenden Überblick über die Vegetation des Landes. Das vom DAAD finanzierte Projekt ist das Ergebnis einer fortgesetzten Forschungskooperation afghanischer und internationaler Wissenschaftler. 5.000 Exemplare des neuen Standardwerkes werden demnächst landesweit an Universitäten, Schulen und nationale Behörden verteilt.

„In Afghanistan reicht die Bedeutung des Buches weit über die Grenzen der Wissenschaft hinaus“, betont der Bonner Wissenschaftler Dr. Daud Rafiqpoor. Als gebürtiger Afghane ist er neben Prof. Dr. Siegmar Breckle und Prof. Dr. Andreas Dittmann einer der Leiter des von den Universitäten Bonn und Gießen getragenen Projekts. „Die ganze Gesellschaft profitiert, denn der Atlas konserviert zum Beispiel Teile des traditionellen Wissens über die Heilkraft von Pflanzen – diese wird in Afghanistan hoch geschätzt.“

Vor allem aber leistet der „Field Guide“ durch seine Bestandsaufnahme der afghanischen Flora auch einen wichtigen Beitrag im Prozess der afghanischen Identitätsfindung, die über ethnische und politische Grenzen hinweg den Blick für das gemeinsame kulturelle Erbe der Nation schärft.

Die Offizielle Übergabe des Buches erfolgt im Rahmen der Feierlichkeiten "Zehn Jahre DAAD-Förderung des akademischen Aufbaus in Afghanistan".