Stabilitätspakt Afghanistan

By Artacoana [Public domain], via Wikimedia Commons

Geschichte

Die engen deutsch-afghanischen Kulturbeziehungen reichen zurück bis in die Zwanziger Jahres des letzten Jahrhunderts. Unter König Amanullah wurde 1924 die renommierte deutsche Amani-Schule gegründet. Hochschulpartnerschaften mit den Universitäten, Bonn, Köln und Bochum folgten in den frühen 1960er Jahren. Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm der DAAD außerdem die Betreuung der bis dahin von der DDR geförderten ausländischen Studierenden, unter denen die afghanischen Stipendiaten eine der drei größten Gruppen bildeten.

Auf der Grundlage des ersten Petersberg-Abkommens wurde der DAAD damit beauftragt, den deutschen Beitrag zum akademischen Wiederaufbau in Afghanistan zu gestalten. Am 13. März 2002 unterzeichneten das afghanische Hochschulministerium und der DAAD ein "Memorandum of Understanding" über den akademischen Wiederaufbau. Ihm folgten im März und April zwei Sondierungsmissionen deutscher Professoren unter Leitung des DAAD.  Seit September 2005 unterhält der DAAD ein am afghanischen Hochschulministerium in Kabul angesiedeltes Koordinierungsbüro.

Ziele und Strategien

Seit 2002 fördert der DAAD mit Mitteln des Auswärtigen Amtes den akademischen Wiederaufbau in Afghanistan. Diese Förderung erfolgt in enger Absprache mit den afghanischen Partnern und erstreckt sich über drei Phasen:

I. Soforthilfe-Phase (2002 – 2003/04)

Das Ziel dieser Soforthilfe war es, eine möglichst große Zahl afghanischer Hochschuldozentinnen und –dozenten eines breiten Fächerspektrums mit aktuellem Grundlagenwissen vertrauter zu machen. Diese Zielsetzung wurde im Rahmen von 35 Sommer- und Winterakademien mit rd. 400 teilnehmenden afghanischen Lehrkräften erreicht. Sachspenden sorgten für die elementare Ausstattung des Lehrbetriebs.

II. Aufbauphase (2004 – 2007)

Die qualitative Verbesserung der Lehre in ausgesuchten Schwerpunktfächern war das Ziel der sogenannten Aufbauphase. Der Fokus lag hierbei auf der gemeinsamen Entwicklung moderner Bachelor-Curricula. Im Rahmen von Gastdozenturen deutscher Lehrkräfte in Afghanistan sowie Studienaufenthalten afghanischer Lehrkräfte in Deutschland und gezielten Fortbildungen, wurden die Curricula schrittweise in die Lehre implementiert. Darüber hinaus wurden afghanische Dozenten mit Master- und PhD-Stipendien (ab 2005) sowie Workshops weiterqualifiziert und mit gezielten Sachspenden für die Lehrpraxis unterstützt.

III. Konsolidierungsphase (bis 2014)

Während der Konsolidierungsphase wurden fachspezifische Maßnahmenpakete angeboten. Damit die afghanischen Partner die neu eingeführten Maßnahmen eigenverantwortlich weiterführen können, wurde damit begonnen, die Verantwortung schrittweise auf die afghanischen Partner zu übertragen („Afghan Ownership“).

IV. Transformationsphase (seit 2015)

In der Transformationsphase wird die Kooperation im afghanischen Hochschulsektor unter dem Leitmotiv der „Übergabe in Verantwortung“ weitergeführt. Hierbei werden afghanische Dozenten mit Master- und PhD-Stipendien weiterqualifiziert, in sogenannten Kompetenzzentren soll die Expertise gebündelt und für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden. Wo nötig, werden Curricula angepasst und Dozenten mit fachspezifischen Fortbildungen unterstützt. 

Der vom DAAD geleistete Beitrag zum akademischen Wiederaufbau in Afghanistan basiert auf einem nachhaltigkeitsorientierten Konzept, das sich durch folgende Merkmale auszeichnet:

  • Strategisch konzipierte Maßnahmenplanung und –umsetzung
  • Förderung von Schwerpunktbereichen und –regionen (kein "Gießkannen"-Prinzip)
  • Schwerpunktlegung auf "Software" statt "Hardware" (z.B. Capacity Building statt isolierter materieller Großspenden)
  • Stimulation von Multiplikator-Effekten durch die Förderung der Vernetzung aller Akteure des afghanischen Hochschulsektors (Rektoren, Dekane, Studierende)
  • Durchführung der Maßnahmen auf der Grundlage konkret personenbezogener bilateraler Hochschulkooperationen.

Schwerpunkte

Konzeptioneller Schwerpunkt: Verbesserung der Qualität der Lehre durch

  • Entwicklung und Umsetzung neuer Curricula
  • Fortbildung der aktuellen afghanischen Dozenten (Schulungen vor Ort, Studienaufenthalte)
  • Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
  • Thematische Veranstaltungen (z.B. Fakultätentage)
  • Bereitstellung von Literatur, Lehrwerken, Sachspenden für die praktische Lehre

Fachliche Schwerpunkte (mit federführender deutschem Hochschulpartner):

  • Chemie (Universität Würzburg)
  • Deutsch als Fremdsprache (Universität Jena)
  • Informationstechnologie (Technische Universität Berlin)
  • Medizin und Pharmazie (Universität Freiburg und Marburg)
  • Verwaltungswissenschaften (UP Transfer GmbH Potsdam)
  • Wirtschaftswissenschaften (Universität Bochum)
  • Naturwissenschaften (Universitäten Bonn und Köln, bereits abgeschlossen)

Stand: 23.05.2017