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DAAD Letter 1/2015

DISKURS 42 LETTER 01/2015 ULRICH BECK ist tot. Er starb am ersten Tag des Jahres 2015 im Alter von 70 Jahren. Er gehörte zu den be- kanntesten und meistzitierten Soziologen der Gegen- wart und war weit über den rein akademischen Be- reich hinaus als öffentlicher Intellektueller sichtbar und genoss weltweite Aufmerksamkeit. Seine Soziolo- gie war stets davon geprägt, in großen zeitdiagnosti- schen Würfen den Nerv der Zeit zu treffen und des- halb auch über den akademischen Bereich hinaus zu wirken. Eines der ersten Forschungsgebiete von Ul- rich Beck in den 1970er-Jahren war übrigens die Frage nach der Verwendung soziologischen Wissens in der Gesellschaft. Schon an diesem Thema wird deutlich, dass dieser Wissenschaftler sich stets dafür interes- siert hat, wie soziologische Erkenntnisse außerhalb des universitären Bereichs wirken können und wel- chen Beitrag sie zur Gestaltung und Weiterentwick- lung der Gesellschaft leisten können. Diese Frage soll- te eines seiner Lebensthemen bleiben. Den Nerv der Zeit zu treffen gelang Ulrich Beck auch deshalb, weil seine Themen stets an die unmittel- baren Erfahrungen eines größeren Publikums an- schlussfähig waren. So erschien sein Weltbestseller „Risikogesellschaft“ fast zeitgleich mit dem Reaktor- unfall im ukrainischen Tschernobyl und gab den Takt für die danach einsetzende breite Diskussion um großtechnische Risiken vor. Seine ebenfalls in den 1980er-Jahren formulierte Theorie der Individualisie- ULRICH BECK is dead. He died on the first day of 2015 at the age of 70. He was one of the best-known and most-cited contemporary sociologists and a high-pro- file public intellectual who drew global attention well beyond the purely academic realm. What character- ised Beck’s brand of sociology was the way he touched the nerve of the times through his ambitious analyses of contemporary societal developments – which is why his reach extended beyond academia. Incidentally, one of Ulrich Beck’s first areas of research in the 1970s was examining how society uses sociological knowl­ edge. The choice of this topic already demonstrates that as a researcher Beck was always interested in what impact sociological findings can have outside the academic sphere and what contribution they can make to shaping and further developing society. This question was to remain one of his lifelong themes. Another reason why Ulrich Beck succeeded in touching the nerve of the times was that the issues he addressed were invariably related to the wider public’s immediate realm of experience. For example, his in- ternationally best-selling book Risk Society was pub- lished almost contemporaneously with the Chernobyl Ulrich Beck hatte ein Gespür für die Themen der Zeit und stieß internationale Debatten an. Er war ein unkonventioneller Denker, ein großer Soziologe Ulrich Beck had an instinctive feeling for topical issues and sparked international debates. He was an unconventional thinker and a great sociologist ........................................................... Autor/author: Armin Nassehi Er traf den Nerv der Zeit Touching the nerve of the times Ulrich Beck (1944–2015) setzte sich intensiv mit den Konsequenzen der globalisierten Welt auseinander Ulrich Beck (1944–2015) examined in depth the consequences of a globalised world ReginaSchmeken/SZPhoto/laif SuhrkampVerlag(2)

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