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9 LETTER 01/2014Im Gespräch Interview Herr PROFESSOR Hacker, glauben Sie an die These vom „Anthropozän“, wonach der Mensch unmittelbar die Entwicklung des Planeten beeinflusst? Die Theorie des Chemie-Nobelpreisträgers Paul Crut- zen halte ich für sehr eingängig. Sie beschreibt die Tat- sache, dass wir in einem Zeitalter leben, in dem der Mensch die Erde dominiert. Gleichzeitig klingt darin eine Verpflichtung an, sie zu hegen und nicht nur zu nutzen. Als Mitglied im neuen „Scientific Advisory Board“ (SAB) der Vereinten Nationen haben Sie die Möglich- keit, daran mitzuwirken. Welches Thema gehört Ihrer Ansicht nach ganz oben auf die globale Agenda? Die Staatengemeinschaft hat sich im Jahr 2000 die Mil­ lenniumsziele gesetzt. Sie widmen sich vor allem der Ar- mutsbekämpfung, aber auch der Gesundheits- und Was- serversorgung. Diese Ziele dürfen nicht aus dem Blick geraten, zumal es messbare Erfolge gibt, etwa eine höhere Lebenserwartung. Mit den Nachhaltigkeitszielen, die die Millenniumsziele ablösen werden und deren Entwick- lung das SAB begleitet, kommen weitere zentrale Themen hinzu, vor allem aus den Bereichen Klima und Energie. Das SAB soll „die Verbindungen zwischen Wissen- schaft und Politik stärken“. Warum ist es wichtig, dass die beiden enger zusammenarbeiten? Die Politik muss letztlich die Entscheidungen treffen, aber sie ist dabei zunehmend angewiesen auf wissen- schaftliche Erkenntnis. Wissenschaft stellt die Grund- lage unserer Lebensbedingungen dar. Deshalb ist es nötig, dass Politiker ihr Handeln immer wieder rück- koppeln an die Forschung. Zugleich sollten Forscher ihre Stimme erheben und Probleme gezielt benennen. War die Stimme der Wissenschaft bislang zu leise? Als Wissenschaftler würde ich sagen: Sie ist nie laut genug. Dabei hat ihre Bedeutung eher zugenommen – man denke an große Themen wie die Energiefor- schung oder die Biomedizin. Unsere Botschaften dür- fen sich allerdings nicht exklusiv an die Politik rich- ten, sondern müssen die Gesellschaft einbeziehen. Wie kann das gelingen? Es gibt durchaus wissenschaftliche Themen, die auf breiter gesellschaftlicher Ebene diskutiert werden, et- wa die Gentechnik, die Stammzellenforschung oder PROFESSOR HACKER, do you believe in the Anthropo- cene thesis, which says that humans are directly influ- encing the development of the planet? I consider the theory of Nobel laureate chemist Paul Crutzen very plausible. It describes the fact that we live in an era in which humans dominate the earth. At the same time, this implies an obligation to look after it and not only exploit it. As a member of the new Scientific Advisory Board (SAB) of the United Nations you have the opportunity to contribute to that. Which topic, in your opinion, be- longs at the very top of the global agenda? In the year 2000 the international community set itself the Millennium Goals. They focus above all on the fight against poverty and, in addition to that, health care and water supply. We must not lose sight of these objectives, especially as there have been measurable successes – for example, an increase in life expectancy. The Sus- tainable Development Goals, which will supersede the Millennium Goals and whose development is being support by the SAB, will add other central issues, par- ticularly in the areas of climate and energy. The SAB is intended to “strengthen the connections between science and politics”. Why is it important that both work together more closely? Ultimately, politics must make the decisions, but in that it is increasingly dependent on scientific knowl- edge. Science represents the basis of our living condi- tions. That’s why it is necessary for politicians to en- sure there is constant feedback between their actions and research. At the same time, researchers should make their voices heard and specifically name prob- lems. Has the voice of science been too quiet in the past? As a scientist I would say it is never loud enough. And yet its importance has actually increased – you only need to think of big issues such as energy research or biomedicine. However, our messages must not be » die Gesellschaft einbeziehen » INVOLVING SOCIETY DIE LEOPOLDINA, gegründet 1652 von vier Ärzten, ist eine der ältesten Wissen­ schaftsakademien der Welt. 2008 wurde sie zur Nationalen Akademie der Wis­ senschaften ernannt. Mitglieder waren unter anderen Marie Curie, Albert Einstein und Johann Wolfgang von Goethe. LEOPOLDINA, founded in 1652 by four doc­ tors, is one of the world’s oldest acad­ emies of sciences. In 2008 it became the German National Academy of Sciences. Among others, Marie Curie, Albert Einstein and Johann Wolfgang von Goethe were members.

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