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50 LETTER 01/2014Typisch Deutsch Typically german „Denglisch“ to go? “Denglish” to go? Rucksack. Dass wir Briten dieses Wort aus dem Deutschen über- nommen hatten, dämmerte mir erst, als im Deutschunterricht die Körperteile an der Reihe waren und wir über den Rücken sprachen. Ich hatte die ganze Zeit deutsch gesprochen, ohne es zu merken! SPRACHKONTAKT ist ein natürliches Phänomen. In Wien etwa stellte ich fest, dass dort auch Kenntnisse des Französischen hilf- reich waren. In Immobilienanzeigen las ich statt von einer Ein- zimmerwohnung oft von einer „Garconniere“. Die „Melange“ war die Kaffeespezialität meiner Wahl. Ist das schon „Françeutsch“? Heute besteht Einigkeit darüber, dass das Deutsche vor allem von der englischen Sprache beeinflusst wird. Davon künden zumin- dest viele Beiträge in den Medien. Tatsächlich nutzen Werbemacher Anglizismen, damit ih- re Botschaften modern wirken. Weil Marke- ting auf Sichtbarkeit aus ist, begegnen uns Schlagwörter wie „Sale“ oder „All you can eat“ an prominenten Stellen. ALS JEMAND, DER sich für gesprochene Spra- che interessiert, komme ich nicht umhin, Unterhaltungen aus meinem Alltag zu analy- sieren. Doch ob ich einkaufe, zum Campus spaziere oder Freunde treffe: Selten habe ich den Eindruck, dass es eine tiefgreifende „Verdenglischung“ der Umgangssprache gibt. Trotz der Schilder mit „Coffee to go“ habe ich den Ausdruck „to go“ nie aus dem Munde ei- nes Arbeitskollegen gehört. DAS THEMA SPRAchE wird oft als Mittel be- nutzt, um Meinungen über Dinge zu transportieren, die mit Spra- che nichts zu tun haben. Die Diskussion über die deutsche Spra- che und ihren vermeintlichen Niedergang ist eng verwoben mit anderen Debatten, etwa über die Qualität der Bildung. „Jede Zeit sagt, dass die Sprache so gefährdet und von Zersetzung bedroht sei wie nie zuvor. In unserer Zeit aber ist die Sprache tatsächlich so gefährdet und von Zersetzung bedroht wie nie zuvor.“ Die Aussa- ge Hans Weigels beschreibt treffend das Gefühl, das jede Generati- on aufs Neue umtreibt: Ein Goldenes Zeitalter (der Kultur, der Aufrichtigkeit, der Sprache oder was auch immer) sei unwieder- bringlich vorbei. Dieses Gefühl wird weiterleben. Dennoch bleibt es eine Tatsache, dass Sprachen sich verändern und gegenseitig beeinflussen. Auch diese Entwicklung dauert fort – mit der „same procedure as every year“. RUCKSACK. I didn’t know this word had been imported from Ger- man until the realisation dawned on me whilst I was learning “parts of the body” in our German lesson and we were discussing the word “Rücken”. I had been speaking German all this time and hadn’t even been aware of it! CONTACT between languages is a natural phenomenon. Upon my arrival in Vienna, I found that not only German but French also came in useful. I often came across “Garconniere” in the news­ paper listings for flats and a “Melange” was my coffee of choice. Is this Françeutsch? Consensus these days is that it is rather the Eng- lish language which is influencing German. At least that is what is reported in countless reports in the media. Advertising makes use of “anglicisms” to ap- pear modern. Marketing is meant to be visual and eye-catching which places these words and phrases (“sale”, “all you can eat”) in a prominent position. AS SOMEONE WHO is interested in contem­ porary spoken language, I cannot resist ana- lysing snippets of conversation in my inter- actions in Germany. Yet, whether it be buying bread in the bakery, walking to the university campus or speaking to friends, rarely do I feel that there is a sustained “Ver- denglischung” of the German language in the daily routine. Despite “Coffee to go” signs I have never heard colleagues actually use the phrase “to go”. LANGUAGE is frequently used as a vehicle to express opinions about matters which are not about language at all. A mishmash of social woes ranging from the quality of education to national self- esteem becomes entangled in a supposed discussion about lan- guage and slipping standards. “Every age claims that its language is more endangered and threatened by decay than ever before. In our time, however, language really is endangered and threatened by decay as never before.“ As Hans Weigel’s contradictory phrase sums up, it is a consistent feeling with each generation that a “Golden Age” (of culture, of upstanding citizens, of language – take your pick) has passed and no doubt the sentiment will live on. Yet, the fact remains that languages change and they mutually in- fluence each other, a process that will continue with the “same pro- cedure as every year”. DR. JOHN BELLAMY Der Linguist aus Manchester leitet ein vom DAAD finanziertes Projekt über Einstellungen zum „Ruhrdeutsch“, das an der Uni- versität Duisburg-Essen angesiedelt ist. DR. John Bellamy The linguist from Manchester is currently working at the Uni- versity of Duisburg-Essen, carrying out a DAAD funded project on the perception of “Ruhrdeutsch”. parasoley/GettyImages privat

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