Stabilitätspakt Afghanistan

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Wiederaufbau der afghanischen Hochschulen

Geschichte

Peter Himsel

Die engen deutsch-afghanischen Kulturbeziehungen reichen zurück bis in die Zwanziger Jahres des letzten Jahrhunderts. Unter König Amanullah wurde die renommierte deutsche Amani-Schule gegründet, die 2004 in Gegenwart des deutschen Außenministers ihr 80. Jubiläum feierte. Hochschulpartnerschaften mit den Universitäten, Bonn, Köln und Bochum folgten in den frühen Sechzigern und bilden eine wichtige Grundlage für die gegenwärtigen Aktivitäten zum akademischen Wiederaufbau. Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm der DAAD außerdem die Betreuung der bis dahin von der DDR geförderten ausländischen Studierenden, unter denen die afghanischen Stipendiaten eine der drei größten Gruppen bildeten.

Peter Himsel

Auf der Grundlage des 1. Petersberg-Abkommens wurde der DAAD mit der Durchführung des deutschen Beitrags zum akademischen Wiederaufbau in Afghanistan beauftragt. Am 13. März 2002 unterzeichneten das afghanische Hochschulministerium und der DAAD ein "Memorandum of Understanding" über den akademischen Wiederaufbau. Ihm folgten im März und April zwei Sondierungsmissionen deutscher Professoren unter Leitung des DAAD sowie, im Juni, die Entsendung einer ständigen Vertreterin an die Deutsche Botschaft in Kabul. Seit September 2005 unterhält der DAAD ein am afghanischen Hochschulministerium in Kabul angesiedeltes Koordinierungsbüro. Diese Präsenz wird ergänzt durch Lektorate in Kabul (seit 2002) und Herat (2004-2008) sowie Langzeitdozenturen (Kabul 2006, Herat seit 2008, Balkh ab 2009).

Ziele und Strategien

Unterstützung des afghanischen Demokratisierungsprozesses durch die Schaffung und Förderung akademischer Strukturen, die einen den afghanischen Gegebenheiten und Bedürfnissen gerecht werdenden freiheitlichen Diskurs und die Wiedereingliederung in die internationale Gemeinschaft ermöglichen sollen. Die Verbesserung der Qualität der Lehre erhält in ihrer Rückwirkung auf die allgemeine Bildungssituation eine gesamtgesellschaftliche Relevanz. Gleichzeitig gilt es, durch die gezielte Förderung einer akademisch gut ausgebildeten Nachwuchselite künftige Entscheidungsträger, Multiplikatoren und Führungskräfte auf ihre kommende Verantwortung für die Gestaltung einer demokratischen Zivilgesellschaft vorzubereiten.
Nach den anfänglich nötigen Maßnahmen zur Soforthilfe (Sommer- und Winterakademien, Gerätespenden) wurde gemeinsam mit den afghanischen Partnern eine bedarfsgerechte Strategie entwickelt, die seit 2003 schrittweise umgesetzt wird. Die intensive Zusammenarbeit mit der Universität Kabul wurde im Lauf des Programms durch Kooperationen mit anderen Hochschulen, insbes. der Universität Herat erweitert.
Der vom DAAD geleistete Beitrag zum akademischen Wiederaufbau in Afghanistan basiert auf einem nachhaltigkeitsorientierten Konzept, das sich durch folgende Merkmale auszeichnet:

  • Strategisch konzipierte Maßnahmenplanung und –umsetzung
  • Förderung von Schwerpunktbereichen und –regionen (kein "Gießkannen"-Prinzip)
  • Schwerpunktlegung auf "Software" statt "Hardware" (z.B. Capacity Building statt isolierter materieller Großspenden)
  • Stimulation von Multiplikator-Effekten durch die Förderung der Vernetzung aller Akteure des afghanischen Hochschulsektors (Rektoren, Dekane, Studierende)
  • Durchführung der Maßnahmen auf der Grundlage konkret personenbezogener bilateraler Hochschulkooperationen .

Konzeptioneller Schwerpunkt: Verbesserung der Qualität der Lehre durch

  • Entwicklung und Umsetzung neuer Curricula
  • Fortbildung der aktuellen afghanischen Dozenten (Schulungen vor Ort, Studienaufenthalte)
  • Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
  • Gastdozenturen deutscher Wissenschaftler in Afghanistan
  • Thematische Veranstaltungen (z.B. Fakultätentage)
  • Bereitstellung von Literatur, Lehrwerken, Sachspenden für die praktische Lehre

Fachliche Schwerpunkte (mit federführender deutschem Hochschulpartner):

  • Wirtschaftswissenschaften (Universität Bochum)
  • Informationstechnologie (Technische Universität Berlin)
  • Naturwissenschaften (Universitäten Bonn und Köln)
  • Geowissenschaften (Universität Bonn)
  • Mathematik/Physik (Universität Würzburg)
  • ·Deutsche Sprache, Literatur und Landeskunde (Universität Duisburg-Essen)

Regionale Schwerpunkte: Kabul, Herat, Mazar-i-Sharif

In Erweiterung des strategischen Konzepts gilt die besondere Aufmerksamkeit seit 2005 auch der gezielten Förderung der universitären und außeruniversitären Nachwuchselite.
Bislang wurden 120 der besten Studierenden aller afghanischen Hochschulen ausgewählt (darunter 38 Frauen), um in einer Folge von Gruppen- und Einzelfortbildungen studienbegleitend Zusatzqualifikationen zu erwerben. Die Fortbildungen finden in Deutschland und Afghanistan statt und beinhalteten bisher PC-Kurse, Sprachkurse, Projektmanagement, fachbezogene Sommerkurse und Einzelpraktika. Der Erfolg dieser vor allem auf die Motivationsförderung angelegten Ergänzung des Maßnahmenspektrums ist wesentlich von der Initiative und Eigendynamik der Gruppe bestimmt, aus der sich der künftige Führungsnachwuchs des Landes rekrutieren wird. Nach Abschluss ihres Bachelor-Studiums verfügen diese sog. "Lucky Students" über beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung um reguläre DAAD-Stipendien.
Eine weitere Programmergänzung bietet der von der Universität Erfurt durchgeführte internationale Masterstudiengang "Public Policy", der in Verbindung mit einem maßgeschneiderten Propädeutikum für afghanische Teilnehmer angeboten wird ("Good Governance in Afghanistan", GGA). Dieses Angebot richtet sich an Führungskräfte in öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen, Organisationen und Hochschulen sowie an den entsprechenden Führungsnachwuchs, um diese als Multiplikatoren mit Schlüsselqualifikationen zur Verbesserung des Ablaufs politischer und administrativer Entscheidungsprozesse auszustatten, die im Rahmen des Wiederaufbaus dringend benötigt werden.

Zahlen und Fakten

Im Rahmen der Aktivitäten wurden bisher 27 Sommer- und Winterakademien für insgesamt rd. 300 afghanische Dozenten und Dozentinnen an deutschen Hochschulen durchgeführt. An dem mit Mitteln des Stabilitätspaktes eingerichteten Rechenzentrum der Universität Kabul wurden derzeit über 2.000 PC-Schulungen für Dozenten, Studierende und Verwaltungsangehörige durchgeführt. Zudem fanden rd. 150 Gastdozenturen deutscher Wissenschaftler in Afghanistan sowie Förderungen im Rahmen von Kursen und Workshops vor Ort, Praktika, Studienaufenthalten und Jahresstipendien statt .

Gefördertenstatistik Afghanistan 2013

Kontakt

Ansprechpartnerin in Kabul

Dr. Natalie Sharifzadeh

Director Information Centre Kabul
DAAD-German Academic Exchange Service
Leiterin Informationszentrum Kabul
DAAD-Deutscher Akademischer Austauschdienst

Ministry of Higher Education
Karte 4, Kabul
Afghanistan

Mobile: 0093 (0) 783067587
Email: info@daad-kabul.org
Internet: www.daad-kabul.org

Ansprechpartner in Bonn
DAAD-Deutscher Akademischer Austauschdienst
Referat  Kooperationsprojekte in Nahost, Asien, Afrika und Lateinamerika/P 24

Dr. Johannes Sczyrba
Tel.: +49 228 882-8654
Fax.: +49 228 882-98654
Email: sczyrba@daad.de

Dokumentation und Galerie