Türkisch-Deutsche Universität (TDU)

Hilmi Güner

Aufbau und Entwicklung der TDU

Ein Brückenschlag am Bosporus

Die Türkisch-Deutsche Universität (TDU) in Istanbul ist eine staatliche Einrichtung auf Basis eines deutsch-türkischen Regierungsabkommens und ist als Leuchtturmprojekt der deutsch-türkischen Hochschulkooperation konzipiert. Sie unterliegt der türkischen Hochschulgesetzgebung.

Der offizielle Startschuss für die TDU ist mit der Verabschiedung des Gründungsgesetzes durch das türkische Parlament am 01. April 2010 zur Gründung der ersten Türkisch-Deutschen Universität in der Türkei gefallen. Grundlage der Parlamentsentscheidung in Ankara ist das zwischenstaatliche Abkommen, das von beiden Staaten am 30. Mai 2008 ratifiziert wurde.

Im Oktober 2010 erfolgte die Grundsteinlegung der TDU im Beisein von beiden Staatspräsidenten, der Ministerin für Forschung und Bildung, und ihrer türkischen Amtskollegin, sowie von hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Prof. Dr. Halil Akkanat wurde am 21. Januar 2014 zum Rektor der TDU ernannt.

Die feierliche Eröffnung der TDU fand im Rahmen des Deutsch-Türkischen Wissenschaftsjahres im Beisein von Bundespräsident Joachim Gauck, seinem türkischen Amtskollegen Abdullah Gül und Bildungsministerin Prof. Johanna Wanka am 29. April 2014 statt.

Die TDU hat ihren Lehrbetrieb zum Wintersemester 2013/2014 am 16. September 2013 aufgenommen und genießt seit dem ersten Studienjahr unter den Studierenden beider Länder hohes Ansehen. Das türkische Zulassungsverfahren, das sich nach den Ergebnissen der zentralen Aufnahmeprüfung richtet, zeigt, dass Studierende mit hohen Punktzahlen sich für die TDU entscheiden.

Gemeinsames Programm für Flüchtlinge aus Syrien

Der DAAD setzt in Abstimmung mit der TDU ein Drittlandprogramm für Flüchtlinge aus Syrien aus Mitteln des Auswärtigen Amtes um. Nach einer sprachlichen Vorbereitungsphase zur Vermittlung der für das Studium notwendigen Türkisch- und Deutschkenntnisse (Abschluss im Deutschen: DSH II-Prüfung) kann das anschließende Fachstudium in den Studienrichtungen Technik Mechatronischer Systeme, Wirtschaftsingenieurwesen und seit 2017 auch in Informatik aufgenommen werden. Es werden zwei Jahrgänge syrischer Studierender für ein Studium an der TDU gefördert (je 25 Personen). Beide Gruppen befinden sich bereits im Studium bzw. im sprachlichen Vorbereitungsjahr.

ERASMUS-Austausch

Bereits 2015 wurden die ersten Erasmus+ - Kooperationsvereinbarungen - zunächst mit deutschen Hochschulen, in der Folge auch mit Hochschulen in anderen europäischen Ländern - abgeschlossen. Derzeit bestehen 19 Kooperationen, davon 15 mit Hochschulen in Deutschland und 4 mit Hochschulen in Österreich, Ungarn, Polen und Bulgarien. Weitere Vereinbarungen sind in Planung und Vorbereitung.  Seit 2016 haben 15 Studierende und 4 DozentInnen der TDU am Erasmus+ Programm teilgenommen. Dagegen waren, wohl auch bedingt durch die politischen Ereignisse in der Türkei, 2016 nur einer und 2017 zwei deutsche Studierende mit ERASMUS-Förderung an der TDU.

Im Rahmen von ERASMUS+ wird derzeit an der TDU auch ein Jean Monnet-Projekt durchgeführt (Förderlaufzeit 2016 – 2019). Das Projekt trägt den Titel "INSITER - Inside the Turkey - EU Relations" und hat das Ziel, Studierende des Master-Studiengangs „European and International Affairs“ mit Studierenden von EU-Partnerhochschulen zu "Insidern" der EU-Türkei-Beziehungen zu machen und einen EU-Türkei-Schwerpunktbereich an der TDU aufzubauen. Das Projekt hat eine eigene Webseite: https://insiter.tau.edu.tr/

Das deutsche Konsortium

Auf deutscher Seite wird die akademische Verantwortung durch ein Konsortium unter der Präsidentschaft von Bundestagspräsidentin a.D. Rita Süssmuth getragen. Das deutsche Konsortium (K-TDU) mit mittlerweile 37 Mitgliedshochschulen und dem DAAD leistet den deutschen Beitrag zur Erfüllung der deutsch-türkischen Regierungsvereinbarung und steht bei der Errichtung und beim Betrieb der TDU den türkischen Kollegen und Kolleginnen tatkräftig zur Seite. Zusammen stehen sie für die Qualität und den Erfolg gemeinsamer Forschung und Lehre. Seit Februar 2013 ist Herr Prof. Dr. Izzet Furgac als deutscher Koordinator vor Ort tätig.

Der Beirat des Konsortiums mit Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft begleitet die TDU in ihrer Entwicklung.

Für jede der fünf Fakultäten (Rechtswissenschaften, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften, Kultur- und Sozialwissenschaften) sowie für das Fremdsprachenzentrum der TDU hat eine federführende deutsche Hochschule, die mit einem Vizepräsidenten im Präsidium K-TDU vertreten ist, die Koordination auf deutscher Seite übernommen. Die Federführenden koordinieren ihrerseits die Beiträge derjenigen Hochschulen, die am Lehr- und Forschungsangebot der jeweiligen Fakultät mitarbeiten.

Studiengänge an der TDU

Bachelorstudiengänge an der TDU (WS 2017/18: 11):

Ingenieurwissenschaftliche Fakultät:

  • Technik Mechatronischer Systeme (seit WS 2013);
  • Wirtschaftsingenieurwesen (seit WS 2014)
  • Informatik (seit WS 2016)
  • Elektrotechnik (ab WS 2017, Start mit Vorbereitungsjahr Deutsch)

Rechtswissenschaftliche Fakultät:

  • Rechtwissenschaft (seit WS 2013)

Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaftliche Fakultät:

  • Betriebswirtschaftslehre (seit WS 2013);
  • Politik und Verwaltungswissenschaft (seit WS 2014)
  • Volkswirtschaftslehre (seit WS 2017, Start mit VBJ Deutsch)

Naturwissenschaftliche Fakultät:

  • Materialwissenschaften und -technologien (seit WS 2016)
  • Molekulare Biotechnologie (seit WS 2017, Start mit VBJ Deutsch)

Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät:

  • Kultur- und Kommunikationswissenschaften (seit WS 2016)

* 8 Studiengänge bereits im Fachstudium, 3 weitere starteten 2017/18 mit sprachlichem Vorbereitungsjahr Deutsch)

Masterstudiengänge an der TDU (WS 2017/18: 5):

  • Interkulturelles Management (seit WS 2013)
  • International and European Affairs (seit WS 2013)
  • Privatrecht (seit WS 2015)
  • International Finance (seit WS 2016)
  • Öffentliches Recht (seit WS 2017)

Weiterer Masterstudiengang:

  • Master of Science in Manufacturing Technology -MMT (seit 2011, übergangsweise an der TU Dortmund, Abschlusssemester an der TDU)

Promotionsstudiengänge an der TDU:

  • Privatrecht (seit WS 2016/2017)

Alle Studiengänge werden in enger und partnerschaftlicher Zusammenarbeit der deutschen Hochschulen mit der TDU entwickelt und werden gemeinsam von deutschen und türkischen Hochschullehrern überwiegend in deutscher Sprache unterrichtet. 

Derzeit werden 1441Studierende an der Universität unterrichtet, von denen 725 in den Vorbereitungsklassen Deutscheingeschrieben sind.

Informationen zu den einzelnen Studiengängen und den Bewerbungsvoraussetzungen können der zweisprachigen Website der Türkisch-Deutschen Universität auf  http://tau.edu.tr/ entnommen werden.

Finanzierung

Das Projekt wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) über den DAAD gefördert. Das Gebäude und die laufenden Kosten trägt die türkische Seite (Grundstück, Bau, Betrieb, Personal). Die deutsche Seite leistet substantielle Beiträge zum akademischen Betrieb, zur Lehre und zur Vermittlung der deutschen Sprache. Durch integrierte Deutschlandaufenthalte erhalten die Studierenden die Möglichkeit, die Sprache und das Land besser kennen zu lernen. Weiterhin sind Qualifizierungsmaßnahmen zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlern vorgesehen.

Leitbild und Vision der Türkisch-Deutschen Universität (TDU)

Die deutsch-türkischen Beziehungen haben eine lange Tradition. Die dadurch entstandenen vielfältigen Bindungen sind auch zukünftig von besonderer Bedeutung für die politische, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Entwicklung in den beiden Ländern. 50 Jahre nach dem Beschluss zum Bau der Bosporusbrücke sollen mit einem neuen - geistigen - Brückenschlag zwischen Orient und Okzident, zwischen der Türkei und Deutschland, diese Beziehungen bekräftigt und vertieft werden. Eine türkisch-deutsche Universität wird die Chance eröffnen, durch gemeinsames Lernen, Lehren und Forschen neue Erkenntnisse zu erzielen und zu verbreiten, die die Köpfe und Herzen junger Menschen in der Türkei und in Deutschland ergreifen und den wohlverstandenen wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Interessen beider Länder dienen. Die Türkisch-Deutsche Universität (TDU) besitzt eine herausragende Bedeutung für die Wissenschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei und bietet die Chance, die guten akademischen Beziehungen beider Länder in Forschung und Lehre sichtbar zu machen. Die TDU wird ein eigenes Profil entwickeln, das sie unverwechselbar von anderen Universitäten unterscheidet:

Die TDU ist als staatliche Forschungsuniversität in einer Größenordnung von mittelfristig 5.000 Studierenden und Doktoranden mit einem dreistufigen Studiensystem (BA, MA, PhD) in fünf Fakultäten geplant:

  • Ingenieurwissenschaften
  • Naturwissenschaften
  • Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften
  • Rechtswissenschaften
  • Kultur- und Sozialwissenschaften

Exzellenz in Lehre und Forschung

Die TDU verbindet die wissenschaftlichen Stärken aus Deutschland und der Türkei, um Spitzenleistungen in Forschung und Lehre zu erbringen und die Entwicklung beider Länder mit Innovationen zu bereichern. Dazu steht das Konsortium Türkisch-Deutsche Universität (K-TDU) e.V. der TDU als Partner zur Seite. Exzellente Leistungen in Forschung und Lehre ermöglichen der TDU, sich im Wettbewerb mit den besten türkischen Universitäten zu etablieren.

Forschungsbezug

Die TDU verfolgt Forschungsthemen und -projekte, die dem Forschungs- und Kooperationsinteresse der Türkei und der deutschen Seite entsprechen sowie dem besonderen Bedarf der Wirtschaft und Gesellschaft in der Türkei und den Beziehungen beider Länder gerecht werden.

Deutschlandbezug

In Lehre und Forschung sind deutsche Sprache, Studien- und Praxisaufenthalte in Deutschland und ein erheblicher Anteil an deutschem Lehrpersonal wichtige Bausteine. Studienprogramme werden in deutscher, englischer und türkischer Sprache angeboten. Durch die Beteiligung und Qualitätssicherung deutscher Partnerhochschulen als permanente Partner der TDU wird personelles und fachliches Know-how bilateral ausgetauscht

Gemeinsame Abschlüsse

Die Abschlüsse, die Curricula und deren Qualitätssicherung orientieren sich an den Grundsätzen des Bologna Prozesses und werden auf dieser Grundlage in beiden Ländern anerkannt. Zum besonderen Profil der TDU gehört, dass die im Konsortium beteiligten Hochschulen ihre Abschlüsse nach Möglichkeit gemeinsam mit der TDU als “double degree“ oder als “joint degree“ anbieten.

Anwendungs- und Praxisbezug

Eine enge Kooperation mit Wirtschaft und Industrie beider Länder, sowohl in der Forschung wie auch in der Ausbildung, sorgt für einen wechselseitigen Nutzen, ohne dabei die notwendige respektvolle Distanz aufzugeben, die beide Seiten brauchen.

Interdisziplinarität und interkulturelle Kompetenz

Die TDU ist ein Zentrum internationaler und interkultureller Begegnung in der Forschung und Lehre. Als Plattform für den deutsch-türkischen Dialog weist die TDU für alle Fächer interkulturelle Dimensionen auf und baut gezielt und bevorzugt interdisziplinäre, binationale Studiengänge und Forschungsfelder auf, die synergetisch neue Wissensfelder erschließen und untereinander vernetzt werden können.

Kontakt

DAAD-Deutscher Akademischer AustauschdienstReferat P25- Geschäftsstelle K-TDU e.V.

Dr. Wiebke Bachmann
Tel.: +49 228 882-453
Fax: +49 228 882-9453
E-Mail: w.bachmann@daad.de