So bekommen Sie ein Stipendium

DAAD/Thomas Ebert

Neue Bücher, Essen in der Mensa, hohe Mietkosten Studierende haben viele Ausgaben. Dabei können Stipendien helfen. Ein Überblick über Anbieter, Förderarten und Bewerbungsmodalitäten.

Die größten Anbieter für Stipendien sind die 13 Begabtenförderungswerke, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt werden. Sie repräsentieren wichtige gesellschaftliche Gruppen, haben einen eher politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Charakter. Von den großen Begabtenförderungswerken abgesehen, gibt es in Deutschland mehr als tausend Stipendiengeber, die Studierende mit einem Stipendium fördern. Kleinere Stiftungen sind häufig auf bestimmte Fächer oder Städte ausgerichtet. Auch viele Hochschulen vergeben Stipendien. Etwa drei Viertel von ihnen bieten das recht neue Deutschlandstipendium an, bei dem aktuell rund zehn Prozent der Stipendiaten ausländische Studierende sind.

Die Stipendienanbieter im Überblick

  • Parteinahe Stiftungen: Die im Bundestag vertretenen Parteien haben parteinahe Stiftungen gegründet, die hoch motivierte, gesellschaftlich engagierte und leistungsstarke Studierende fördern. Dazu zählen zum Beispiel die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Es wird von den Bewerbern zwar nicht erwartet, dass sie Mitglied der jeweiligen Partei sind, aber sie sollten sich mit den Inhalten und Zielen identifizieren, idealerweise für sie engagieren.
  • Konfessionelle Träger: Die Förderung der konfessionellen Träger ist an den entsprechenden Glauben gebunden. Nur in begründeten Ausnahmefällen kann davon abgewichen werden. Es gibt zum Beispiel evangelische, katholische, jüdische und muslimische Studienwerke. Sie fördern fachlich begabte und gesellschaftlich engagierte Bewerber, die sich für ihren Glauben einsetzen.
  • Unternehmensnahe Stiftungen: Viele Unternehmen unterhalten Stiftungen mit eigenem Stipendienprogramm, welches auf die Themen und Aufgaben des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten ist. Firmenstipendien werden deshalb häufig an Bewerber mit Studienfächern oder Forschungsschwerpunkten vergeben, die für das Unternehmen besonders relevant sind.
  • Bundesländer: Die Bundesländer vergeben Stipendien, insbesondere nach leistungsorientierten und wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Es gibt eine ganze Reihe von Stipendienprogrammen für verschiedene Zielgruppen Die Fördermöglichkeiten sind in den einzelnen Bundesländern aber recht unterschiedlich. Bewerbungen sind in der Regel an die Universitäten des jeweiligen Landes zu richten.
  • Sozial orientierte Organisationen: Es gibt eine Reihe von Förderorganisationen, die Stipendien nicht primär nach der Leistung, sondern nach den sozialen, familiären und  persönlichen Umständen der Studierenden vergeben. Die Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung unterstützt zum Beispiel junge Doktorandinnen mit Kindern, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben.
  • Forschungseinrichtungen: Wissenschaftliche Forschungseinrichtungen wie die Alexander von Humboldt-Stiftung oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft vergeben Stipendien nach leistungsorientierten Gesichtspunkten. Gefördert werden in der Regel fachlich exzellente Nachwuchswissenschaftler, die eine wissenschaftliche Karriere im jeweiligen Bereich anstreben.
  • Studentische Organisationen: Es handelt sich meist um ehrenamtlich geführte Vereine, die von Studierenden für Studierende betrieben werden. Es gibt größere Vereine wie die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, die den internationalen Austausch von Medizinstudierenden organisiert. Aber auch kleinere Vereine wie die Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa, die Studierende aus dem östlichen Europa fördert.

Finanzielle und ideelle Förderung

Die finanzielle Förderung ist ein wesentlicher Baustein eines Stipendiums. Es handelt sich um eine monatliche Zahlung für die Lebenshaltungskosten, die gleichbleibend und regelmäßig über einen festgelegten Zeitraum ausgezahlt wird. Außerdem erhalten Stipendiaten Zuschüsse für Bücher, Krankenversicherung oder Kinderbetreuung. Viele Stipendienanbieter legen auch großen Wert auf die ideelle Förderung. Dazu zählen zum Beispiel wissenschaftliche Tagungen, Sprachkurse oder Ferienakademien. Außerdem wird man Teil eines großen Netzwerkes, bestehend aus aktuellen und ehemaligen Stipendiaten. Dieser Austausch ist nicht nur persönlich interessant, sondern kann auch berufliche Vorteile mit sich bringen, in Form von Kontakten und Netzwerken.

Voraussetzungen und Erfolgsaussichten

Gute Schul- und Studienleistungen sind wichtig, aber man kann auch ohne perfekten Notenschnitt ein Stipendium bekommen. Denn viele Stiftungen setzen neben guten Noten darauf, dass sich Bewerber gesellschaftlich engagieren. Andere fördern bestimmte Zielgruppen, vergeben Stipendien nach sozialen, familiären oder persönlichen Kriterien. Im Durchschnitt erhält jeder dritte Stipendienbewerber die Förderung, um die er sich beworben hat. Die Erfolgsaussichten sind bei kleineren, weniger bekannten Stiftungen oft besser als bei den größeren Förderwerken. Es scheitert häufig nicht an den hohen Anforderungen, sondern an der eigentlichen Bewerbung: 80 Prozent aller Studierenden in Deutschland haben sich noch nie für ein Stipendium beworben.

Checkliste für die Bewerbung

  • Passt der ausgewählte Stipendienanbieter tatsächlich zu meinem persönlichen und fachlichen Profil?
  • Erfülle ich die formellen Voraussetzungen des Stipendienprogramms – passen akademischer Status, Herkunftsland, Fachrichtung?
  • Kann ich die inhaltlichen Voraussetzungen nachweisen – stimmen meine Schul- und Studienleistungen sowie mein gesellschaftliches Engagement?
  • Bekomme ich alle notwendigen Bewerbungsunterlagen innerhalb der aktuellen Bewerbungsfrist zusammen?

Auswahl- und Bewerbungsverfahren

Jeder Stipendienanbieter kann das Auswahl- und Bewerbungsverfahren so handhaben, wie er möchte. Der klassische Weg beginnt mit einer schriftlichen Bewerbung. Zur Bewerbungsmappe gehört ein Anschreiben mit Lebenslauf, Zeugnissen und Gutachten von Lehrern oder Professoren. Wenn die Bewerbung erfolgreich ist, folgt in der zweiten Runde die Einladung zum persönlichen Kennenlernen in Form eines Vorstellungsgespräches oder einer Auswahlrunde mit anderen Bewerbern. Die großen Begabtenförderungswerke haben ein aufwendigeres Auswahlverfahren als die kleinen Stiftungen. Dazu gehören Workshops, Präsentationen und Diskussionsrunden.