Die Möglichkeiten der Förderung

DAAD/Thomas Ebert

Letzte Aktualisierung: September 2017

Neue Bücher, Essen in der Mensa, Mietkosten: Während des Studiums kommen viele Ausgaben auf Sie zu. Stipendien helfen dabei, das Studium entspannter zu absolvieren. Deshalb lohnt es sich, die verschiedenen Anbieter, Förderarten und Bewerbungsmodalitäten zu kennen.

Internationale Studierende können sich bei verschiedenen Organisationen um ein Stipendium bewerben. Die größte Gruppe der Stipendienanbieter sind die 13 Begabtenförderungswerke, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Sie repräsentieren wichtige gesellschaftliche Gruppen und haben zum Beispiel einen politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Hintergrund. Darüber hinaus gibt es in Deutschland viele weitere Stipendiengeber: Kleinere Stiftungen fokussieren sich häufig auf bestimmte Fächer oder Städte. Auch Hochschulen vergeben Stipendien. Ein Großteil von ihnen bietet das Deutschlandstipendium an, eine Förderung, die zu etwa acht Prozent von ausländischen Studierenden genutzt wird.

Die Stipendienanbieter im Überblick

  • Parteinahe Stiftungen: Zu den im Bundestag vertretenen Parteien gehören meist Stiftungen, die hoch motivierte, gesellschaftlich engagierte und leistungsstarke Studierende fördern. Dazu zählen zum Beispiel die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Von den Bewerbern wird zwar nicht erwartet, dass sie Mitglied der jeweiligen Partei sind, aber sie sollten ihre Inhalte und Ziele unterstützen.
  • Konfessionelle Träger: Wer sich von einem konfessionellen Träger fördern lassen will, muss in der Regel Mitglied der entsprechenden Glaubensgemeinschaft sein. Es gibt zum Beispiel evangelische, katholische, jüdische und muslimische Studienwerke. Sie fördern fachlich begabte und gesellschaftlich engagierte Studierende, die sich für ihren Glauben einsetzen.
  • Unternehmensnahe Stiftungen: Viele Unternehmen haben Stiftungen mit eigenen Stipendienprogrammen rund um die Themen und Aufgaben der Firma. Solche Stipendien werden häufig an Studierende und Forscher mit Schwerpunkten vergeben, die für das Unternehmen von Bedeutung sind.
  • Europäische Union (Erasmus+): Für Studierende aus EU-Ländern, Island, Liechtenstein, Norwegen, der Türkei und Mazedonien kommt das Austausch-Stipendium Erasmus+ in Frage. Unterstützt werden Studienaufenthalte von drei bis zwölf Monaten durch bilaterale Abkommen zwischen europäischen Hochschulen. Erasmus-Studierende sind von Studiengebühren befreit. Auch Praktika werden gefördert. Infos gibt das Akademische Auslandsamt Ihrer Hochschule.
  • Bundesländer: Die Bundesländer vergeben Stipendien vor allem nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Es gibt eine ganze Reihe von Stipendienprogrammen für verschiedene Zielgruppen. Die Fördermöglichkeiten sind in den einzelnen Bundesländern aber recht unterschiedlich. Besonders wichtig ist es, gute Studienleistungen vorweisen zu können.
  • Sozial orientierte Organisationen: Es gibt auch Förderorganisationen, die Stipendien nicht nach Leistung, sondern nach den sozialen, familiären und persönlichen Umständen der Studierenden vergeben. Die Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung zum Beispiel unterstützt junge Doktorandinnen mit Kindern, die eine wissenschaftliche Karriere planen.
  • Forschungseinrichtungen: Wissenschaftliche Forschungseinrichtungen wie die Alexander von Humboldt-Stiftung oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft vergeben Stipendien nach Leistung. Gefördert werden in der Regel herausragende Nachwuchswissenschaftler, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben.
  • Studentische Organisationen: Außerdem gibt es meist ehrenamtlich geführte Vereine, die von Studierenden für Studierende betrieben werden. Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (BVMD) etwa organisiert den internationalen Austausch von Medizinstudierenden. Die Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS) fördert Studierende aus Osteuropa.

Finanzielle und ideelle Förderung

Bei der finanziellen Förderung handelt es sich um eine monatliche, regelmäßige Zahlung über einen festgelegten Zeitraum hinweg. Neben dem Beitrag zu den Lebenshaltungskosten erhalten Stipendiaten oft einen Zuschuss für Bücher, Krankenversicherung oder Kinderbetreuung. Vielen Stipendienanbietern ist auch die ideelle Förderung wichtig. Dazu zählen zum Beispiel wissenschaftliche Tagungen, Sprachkurse oder Ferienakademien. Außerdem wird man Teil eines großen Netzwerkes, das aus aktuellen und ehemaligen Stipendiaten besteht. Dieser Austausch ist nicht nur persönlich interessant, sondern kann auch berufliche Möglichkeiten bieten.

Voraussetzungen und Erfolgsaussichten

  • Gute Schul- und Studienleistungen sind wichtig, aber man kann auch ohne perfekten Notenschnitt ein Stipendium bekommen. Viele Organisationen setzen außerdem darauf, dass sich Bewerber gesellschaftlich engagieren.
  • Oft werden bestimmte Zielgruppen gefördert und Stipendien nach sozialen, familiären oder persönlichen Kriterien vergeben.
  • Im Durchschnitt erhält mehr als jeder dritte Stipendienbewerber die Förderung, um die er sich beworben hat.
  • Die Erfolgsaussichten sind bei kleineren, weniger bekannten Stiftungen oft besser als bei den größeren Förderwerken.
  • Rund 80 Prozent aller Studierenden in Deutschland haben sich noch nie für ein Stipendium beworben.

TIPP: Der DAAD bietet ein umfangreiches Stipendienprogramm für deutsche und internationale Studierende, Graduierte und Wissenschaftler. Komplette Studienverläufe und Studienanfänger werden nur im Ausnahmefall gefördert.

Auswahl- und Bewerbungsverfahren

Jeder Stipendienanbieter kann das Auswahl- und Bewerbungsverfahren so handhaben, wie er möchte. Der klassische Weg beginnt mit einer schriftlichen Bewerbung. Zur Bewerbungsmappe gehört ein Anschreiben mit Lebenslauf, Zeugnissen und Beurteilungen von Lehrern oder Professoren. Wenn die Bewerbung erfolgreich ist, folgt in der zweiten Runde die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch oder einer Auswahlrunde mit anderen Bewerbern. Die großen Begabtenförderungswerke haben ein aufwendigeres Auswahlverfahren als die kleinen Stiftungen. Dazu gehören Workshops, Präsentationen und Diskussionsrunden.

Checkliste für die Bewerbung

  • Entspricht das Angebot des Stipendienanbieters Ihrem persönlichen und fachlichen Bedarf?
  • Erfüllen Sie die formellen Voraussetzungen des Stipendienprogramms vom akademischen Status bis zur Fachrichtung?
  • Stimmen die inhaltlichen Voraussetzungen: Schul- und Studienleistungen, gesellschaftliches Engagement?
  • Haben Sie alle notwendigen Bewerbungsunterlagen bis zum Ende der Bewerbungsfrist beisammen?
  • Sind Sie auf die Schwerpunkte eines Bewerbungsgesprächs vorbereitet und wissen Sie, was Sie im Rahmen des Stipendiums erreichen wollen?

TIPP: Erkundigen Sie sich als erstes in Ihrem Heimatland danach, ob Sie Stipendien oder andere Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen dürfen.