Trend zur Internationalisierung

von Allwörden / DAAD

Letzte Aktualisierung: September 2017

Die globale Wirtschaft braucht Fachleute mit internationaler Perspektive. Weltoffenheit und praktische Erfahrungen erleichtern Absolventen der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge den Berufseinstieg erheblich. Ein Jurastudium wiederum ist für internationale Studierende interessant, die sich mit dem deutschen Rechtssystem beschäftigen wollen. In ihren Heimatländern sind sie beispielsweise als Experten in internationalen Kanzleien gefragt.

Wirtschaftswissenschaften

Von der Gesundheitswirtschaft bis zum Kulturmanagement kommt heute kaum eine Branche ohne ökonomisches Know-how aus. Entsprechend vielseitig sind die beruflichen Möglichkeiten für Wirtschaftswissenschaftler. Man findet sie überall, als Betriebsleiter in einem städtischen Unternehmen ebenso wie in den Personalabteilungen von Großbetrieben, in Controlling oder Vertrieb, als freie Berater und im Consulting, als Abteilungsleiter in Konzernen oder als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Schnittstellenstudiengänge wie Sportökonomie, Verkehrsbetriebswirtschaft oder Management im Gesundheits- und Sozialbereich bereiten gezielt auf eine Tätigkeit in entsprechenden Branchen vor.

Die Rahmenbedingungen globaler Märkte und sich wandelnder Finanzmarktstrukturen stehen im Mittelpunkt von Studiengängen im Bereich Banking & Finance: Studierende erwerben Wissen sowohl im Finanz- als auch im Bankensektor. Die Anwendung quantitativer Methoden wie mathematischer und statistischer Verfahren sind ein wesentlicher Bestandteil des Studiums, das auf die international vernetzte Geschäftswelt vorbereitet.

Gesucht: Internationale Expertise für Weltmarktführer

In den klassischen Studiengängen ist die Ausbildung an deutschen Hochschulen breit angelegt: In der Betriebswirtschaftslehre (BWL) stehen die Bedingungen, Veränderungen und Abläufe in Unternehmen im Mittelpunkt. Die Volkswirtschaftslehre (VWL) wiederum versucht, den Wirtschaftsablauf und seine Gesetzmäßigkeiten zu verstehen. Das Grundstudium der beiden Fächer ist an deutschen Hochschulen oftmals identisch. Es gibt viele englischsprachige Studienangebote, doch sollten Studierende auch mit Blick auf ihre Chancen bei deutschen Unternehmen die deutsche Sprache nicht außer Acht lassen.

Längst sind nicht nur „Global Player“ wie BMW oder Siemens weltweit vernetzt, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen, die dementsprechend Mitarbeiter mit internationaler Erfahrung suchen. Zahlreiche mittelständische Unternehmen aus Deutschland sind mit ihren Spezialisierungen Weltmarktführer. Diese Entwicklung spiegelt sich auch an den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten in Deutschland wieder: Etwa zehn Prozent der Studierenden entscheiden sich inzwischen für das Fach Internationale Betriebswirtschaft/Management – doppelt so viele wie für die VWL.

Sozialwissenschaften

Von der Wirtschaft werden Menschen und Gesellschaften ebenso beeinflusst wie von Kultur und Politik. Sozialwissenschaftliche Studiengänge wie die Soziologie und die Politikwissenschaften sind daher sehr interdisziplinär aufgestellt. Es gibt viele Berührungspunkte, zu Psychologie und Pädagogik ebenso wie zu den Wirtschaftswissenschaften, Ethnologie und Geschichte.

Möglichst früh orientieren

Studierende sollten mathematisches Verständnis mitbringen, denn die Statistik ist ein wichtiges Grundlagenfach für die empirische Forschung im sozialwissenschaftlichen Studium. Methodenkompetenz zählt in diesem Fachbereich zu den wichtigsten Qualifikationen.

Im Gegensatz zu anderen Fächern wie Medizin oder Naturwissenschaften ist das Berufsbild nicht so klar umrissen. Einsatzfelder gibt es jedoch viele: Sozialwissenschaftler arbeiten in der Markt- und Meinungsforschung, für Parteien, Verbände, Stiftungen und Vereine, aber auch im Personalwesen, in der Unternehmensplanung oder im Marketing. Studierende sollten sich daher möglichst früh orientieren und bereits während des Studiums Schwerpunkte setzen, beispielsweise über Praktika oder Zusatzfächer.

Jura

Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht – in den ersten Semestern beschäftigen sich Studierende vor allem mit den drei Hauptgebieten des deutschen Rechtssystems. Später wählen sie ein weiteres Fach hinzu. Die Regelstudienzeit für ein Jurastudium in Deutschland liegt bei acht bis zehn Semestern, viele Studierende planen jedoch mehr Zeit ein. Es gilt, viele komplizierte Texte zu lesen und schriftlich präzise zu formulieren.

Zwischen der Ersten und Zweiten Juristischen Staatsprüfung absolvieren angehende Juristen ein zweijähriges Referendariat, beispielsweise an einem Gericht, bei der Staatsanwaltschaft oder bei einer Behörde. Nur wer beide Staatsexamen bestanden hat, kann in Deutschland als Anwalt, Richter oder Staatsanwalt arbeiten. Mehr als vierzig Prozent der Juristen in Deutschland nehmen einen Job in der Wirtschaft an. Als Justiziar oder Syndikus, der als ständiger Rechtsbeistand eines Unternehmens fungiert, als Aktuar mit dem Blick für das rechtliche Umfeld in der Versicherungsbranche oder auch als Lobbyist auf politischer Ebene.

Deutsches Recht für internationale Studierende

Vor allem Fachhochschulen, aber auch einige Universitäten, bieten rechtswissenschaftliche Studiengänge an, die mit dem Bachelor (LL.B) oder dem Master (LL.M) enden. Die meisten verbinden juristische und betriebswirtschaftliche Inhalte miteinander. Wirtschaftsjuristen sind in Deutschland bei Verbänden, Verwaltungen oder in der Unternehmensberatung sehr gefragt.

Einige Hochschulen in Deutschland bieten Aufbaustudiengänge an, die in zwei Semestern Grundlagen und Spezialkenntnisse des deutschen Rechts vermitteln. Sie sind insbesondere für internationale Studierende interessant, die bereits ein rechtswissenschaftliches Studium abgeschlossen haben. Die Masterstudiengänge bereiten beispielsweise auf die Tätigkeit in einer internationalen Rechtsanwaltskanzlei im Heimatland vor.