Mit Erfolg studieren

Hüttermann / DAAD

Ein Hochschulstudium in Deutschland verlangt viel Selbstständigkeit. Die Studienordnung der jeweiligen Studiengänge lässt Ihnen eine gewisse Freiheit, Ihre Lehrveranstaltungen selbst zu wählen und Ihren Studienplan zu gestalten. Dabei gibt es einiges zu beachten.

Im Unterschied zur Schule bekommen Sie an einer deutschen Hochschule keinen festen Stundenplan. Es gibt zwar Pflichtveranstaltungen, die Sie besuchen müssen. Daneben können Sie aber teilweise selbst entscheiden, welche Kurse Sie belegen möchten. Das heißt allerdings nicht, dass Sie alle Entscheidungen alleine treffen müssen. Ganz im Gegenteil: Nutzen Sie

Auch bei der Vorbereitung auf Prüfungen ist viel Eigeninitiative gefragt. Das Lernen fällt leichter, wenn Sie sich mit anderen zusammentun. Arbeitsgruppen und Lerngruppen sind in Deutschland bei Studierenden üblich.

Wie stellen Sie sich Ihren Stundenplan zusammen?

Um Ihren Stundenplan zusammenstellen zu können, brauchen Sie das kommentierte Vorlesungsverzeichnis (KVV). Sie finden es meist auf der Homepage Ihres Instituts. Darin sind alle Veranstaltungen, die in einem Semester angeboten werden, genau beschrieben.

  • Außerdem erhalten Sie darin oft auch Literaturhinweise für die Vorbereitung auf eine Veranstaltung.
  • Kurzfristige Änderungen im Studienangebot finden Sie am Schwarzen Brett oder auf der Homepage Ihres Instituts.

Wenn Sie die Lehrveranstaltungen ausgewählt haben, müssen Sie sich in der Regel dafür anmelden. Auch das geht normalerweise online.

Achtung. Wenn Sie ein sehr gefragtes Seminar besuchen möchten, müssen Sie sich frühzeitig anmelden. Manchmal gibt es nicht genügend Plätze für alle Interessierten.

Tipp: Planen Sie Ihr Studium nicht alleine

In der Studienordnung Ihres Studiengangs wird Ihnen erklärt, welche Inhalte das Studium hat und welche Module Sie absolvieren müssen. Oft haben Sie innerhalb der Module die Wahl zwischen Veranstaltungen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Fragen Sie bei den Studienberatungsstellen nach, ob Sie mit Ihrer Studienplanung alle nötigen Leistungsnachweise und Leistungspunkte erhalten, damit Sie sich zur Zwischen- oder Abschlussprüfung anmelden können.

Welche Arten von Lehrveranstaltungen gibt es?

Die wichtigsten Veranstaltungsformen sind Vorlesungen, Seminare/Kurse, Tutorien/Übungen und Kolloquien.

  • Bei Vorlesungen hält ein Hochschullehrer einen Vortrag und gibt einen Überblick über ein Thema. In der Regel findet keine Diskussion statt und die Zahl der Teilnehmer ist nicht beschränkt.
  • In Seminaren und Kursen spielen dagegen Diskussionen unter den Studierenden und mit den Dozenten eine große Rolle. Oft halten Studierende eigene Referate zu einem speziellen Thema. Achtung: Die Zahl der Teilnehmer ist beschränkt.
  • Es gibt auch oft Begleitveranstaltungen zu Vorlesungen und Seminaren. Solche Tutorien (von Studierenden aus höheren Semestern geleitet) oder Übungen (von Hilfskräften oder wissenschaftlichen Mitarbeitern geleitet) bieten Ihnen die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Inhalte zu vertiefen.
  • Veranstaltungen, in denen sich Studierende in der Prüfungsphase vor dem Abschluss austauschen können, werden meist als Kolloquien bezeichnet.

Tipp: Bei der Auswahl der Lehrveranstaltungen sollten Sie daran denken, dass Sie viel Zeit für die Vorbereitung und Nachbereitung von Vorlesungen und Seminaren brauchen. Wählen Sie also nicht zu viele!

Wie ist das Studium aufgebaut?

Bachelor- und Master- Studiengänge sind in Module gegliedert. Das sind Studieneinheiten, die sich aus mehreren thematisch verbundenen Veranstaltungen zusammensetzen, zum Beispiel aus Vorlesungen, Seminaren, Übungen oder Praktika. Ein Modul kann sich über maximal zwei Semester erstrecken und umfasst sechs bis zehn Wochenstunden.

Bachelor- und Master-Studiengänge

Wir zeigen Ihnen an einem Beispiel, wie die einzelnen Studiengänge in der Regel aufgebaut sind. Erkundigen Sie sich aber unbedingt immer beim Akademischen Auslandsamt Ihrer Wunschhochschule nach den Details für die von Ihnen ausgewählten Studienangebote. Diese variieren von Hochschule zu Hochschule.

Beispiel Bachelor

Regelstudienzeit: sechs (bis maximal acht) Semester, einschließlich der Zeit für die Anfertigung der Abschlussarbeit und das Ablegen der Prüfungen.

Grundstudium: zwei Semester Orientierungs- und Eignungsphase, Prüfungen am Ende jedes Semesters oder eine Zwischenprüfung am Ende des zweiten Semesters

Hauptstudium: vier Semester; einschließlich obligatorischer Auslandsaufenthalte und Praktika. Für den Studienabschluss schreiben Sie eine Bachelor-Arbeit und legen meistens eine mündliche Prüfung ab.

Beispiel Master

Regelstudienzeit:zwei oder vier Semester, einschließlich der Zeit für die Abschlussprüfung und Anfertigung der Abschlussarbeit

Ablauf: Das Lehrangebot erstreckt sich über zwei oder vier Semester. Im letzten Semester schreiben Sie die Master-Arbeit und legen meistens eine mündliche Abschlussprüfung von etwa 60 Minuten ab.

Konsekutive Studiengänge: Bei einem konsekutiven Master-Studiengang baut das Master-Studienangebot inhaltlich auf dem Bachelor auf und dient der Spezialisierung in einem Fachgebiet. Anders sieht es bei den nicht-konsekutiven Master-Angeboten an. Sie vermitteln den Teilnehmern fachfremde Kenntnisse. Dazu zählen zum Beispiel Betriebswirtschaft für Ingenieure oder Informatik für Mediziner.

Welche Arten von Prüfungen gibt es?

Die Prüfungen für die Module können unterschiedlich aussehen. Es gibt unter anderem

  • Klausuren (schriftliche Prüfungen, in denen Wissen abgefragt wird),
  • Referate (kurze Vorträge zu einem bestimmten Thema),
  • Hausarbeiten (schriftliche Ausarbeitungen zu einem bestimmten Thema) sowie
  • mündliche Prüfungen.

Die genauen Inhalte, Anforderungen, Termine und Abläufe von Prüfungen sind in der Prüfungsordnung geregelt. Wichtig: Lesen Sie diese gründlich durch.

Im Laufe Ihres Studiums erwerben Sie so genannte Credit Points. Manchmal bekommen Sie diese Leistungspunkte schon mit der regelmäßigen Teilnahme an einer Lehrveranstaltung. Oft müssen Sie eine Prüfung ablegen. Jedes Modul wird unmittelbar geprüft und benotet. Die erbrachten Leistungen während des Studiums gehen also in die Abschlussnote ein.

Credit Points nach dem ECTS

Die Leistungen in Bachelor- und Master-Studiengängen werden nach dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) gemessen. Das ECTS macht die Anerkennung von Studienleistungen über Ländergrenzen hinweg einfacher.

Für jedes erfolgreich abgeschlossene Modul erhalten Sie Credit Points. Um das Studium abschließen zu können, ist eine bestimmte Gesamtpunktzahl erforderlich. Für einen Bachelor brauchen Sie – je nach Studienordnung – 180 bis 240 Credit Points. Für den Master werden 60 bis 120 Credit Points verlangt.

Ein Credit Point entspricht 25 bis 30 Arbeitsstunden. Die Studiengänge sind meist so aufgebaut, dass Sie 30 Credit Points pro Semester erreichen müssen, um das Studium innerhalb der Regelstudienzeit abschließen zu können.

Falls die Credit Points an Ihrer Heimathochschule nicht anerkannt werden: Lassen Sie sich Ihre Teilnahme an den Veranstaltungen und Ihre Prüfungsleistungen von Ihrem Professor oder Dozenten bescheinigen.

Was tun, wenn Sie Ihr Studienfach wechseln möchten?

Sollten Sie nach einigen Semestern feststellen, dass Sie Ihr Fach oder die Hochschule wechseln möchten, wenden Sie sich unbedingt vorher an die Fachstudienberater oder das Akademische Auslandsamt  Ihrer Hochschule. Als internationaler Studierender müssen Sie einige wichtige rechtliche Bestimmungen beachten, etwa um die Aufenthaltserlaubnis nicht zu verlieren.

Weiterführende Infos:

Was Sie sonst noch wissen sollten, um sich im Studium leicht zurechtzufinden, erfahren Sie im Student Life Video 10: „Was, Wo, Wie an der Uni?

Ihr Stundenplan steht? Sie sind für die Veranstaltungen angemeldet? – Dann kann es jetzt losgehen mit Ihrem Studium in Deutschland. Weitere Hinweise auf Hilfsangebote rund um Leben und Studium in Deutschland finden Sie unter der Überschrift „Akademisches Auslandsamt“ oder „Hilfe für Studierende“.