Ein Praktikum machen

Früher waren sie ein Plus, heute sind sie ein Muss: Zwei bis drei Praktika absolvieren Studierende durchschnittlich während ihres Studiums. Wie findet man das passende Praktikum?

Ohne vorhergehende Berufserfahrung ist es schwierig, einen Fuß in die Tür von Unternehmen zu bekommen. Auch für internationale Studierende ist ein Praktikum eine große Chance: Sie lernen den Berufsalltag in Deutschland kennen, sammeln Erfahrung und knüpfen Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern.

Im Idealfall handelt es sich um eine Win-win-Situation: Praktikanten lernen etwas hinzu, um sich auf den Berufseinstieg vorzubereiten. Unternehmen erhalten Unterstützung, um die anfallenden Aufgaben erledigen zu können. Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis sieht es manchmal anders aus. Deshalb ist es wichtig, andere Praktikanten zu fragen und schon im Vorstellungsgespräch zu klären, ob einige wichtige Voraussetzungen erfüllt sind.

Fünf Kriterien für ein gutes Praktikum

Es lassen sich vor allem fünf Kriterien ausmachen, die ein gutes Praktikum auszeichnen. Wer böse Enttäuschungen vermeiden möchte, sollte im Vorfeld abklären, in wie weit sie auf die konkrete Praktikumsstelle zutreffen:

  • Anspruchsvolle Aufgaben: Die Aufgaben sollten komplex und herausfordernd sein, so dass man etwas dazu lernen kann, idealerweise in einem eigenen Projekt. Zwar gehören auch monotone und wiederkehrende Aufgaben dazu, aber man sollte nicht die ganze Zeit über Dateien pflegen oder Kaffee kochen.
  • Eigenständiges Arbeiten: Nach einer Phase der Einweisung sollte man sein Projekt selbständig und eigenverantwortlich bearbeiten können, wenn auch natürlich unter gelegentlicher Hilfestellung. Wer es schafft, die ihm übertragenen Aufgaben souverän zu erfüllen, kann das Unternehmen von sich überzeugen.
  • Angemessene Dauer: Ein Praktikum sollte lang genug sein, um komplexe Aufgaben zu übernehmen. Dafür reichen in der Regel zwei bis drei Monate. Unbezahlte Praktika mit einer Laufzeit von mehr als sechs Monaten sollte man sehr kritisch hinterfragen
  • Fester Ansprechpartner: Für seine Praktikumszeit sollte man einen festen Ansprechpartner haben, mit dem man sich regelmäßig austauscht.
  • Faire Bezahlung: In manchen Unternehmen bekommen Praktikanten 800 Euro pro Monat, in anderen nichts. Viele Unternehmen zahlen 300 bis 500 Euro. Wenn die Vorteile der praktischen Erfahrung überwiegen und nicht das Geldverdienen, sollte man sich im Zweifel für das Praktikum entscheiden.

Unterschiedliche Praktikumsarten

Es gibt unterschiedliche Arten von Praktika. Freiwillige Praktika kann man nach eigenen Interessen absolvieren. Für sie gelten die gleichen arbeitsrechtlichen Bestimmungen wie für studentische Nebenjobs. Pflichtpraktika hingegen sind obligatorischer Bestandteil vieler Studienfächer. Für manche Studiengänge muss man vor Studienbeginn ein Vorpraktikum absolvieren, um eine Zulassung zu bekommen. In anderen Studiengängen, wie zum Beispiel den Ingenieurwissenschaften, müssen Studierende Praxissemester machen. Man kann auch ohne Studium oder nach dem Studium ein Praktikum machen. Wer nicht aus der EU oder dem EWR stammt, benötigt dafür eine Erlaubnis der Zentralen Arbeits- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV). Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Das richtige Praktikum finden

Wer einen Praktikumsplatz sucht, sollte sich zunächst darüber klar sein, in welche berufliche Richtung er gehen möchte. Mit einem Praktikum kann man herauszufinden, ob Studium und Berufswunsch tatsächlich zusammenpassen – und die Interessen, Kenntnisse und Fähigkeiten aus dem Studium in einem konkreten Beruf praktisch ausprobieren. Dabei kann es helfen, eine berufliche Vision zu formulieren, zum Beispiel: „Ich will Ingenieur beim Autobauer XY werden.“ Anhand der selbst gesteckten Ziele kann man die in Frage kommenden Berufsfelder und Unternehmen durchgehen, aber auch Onlinebörsen durchsuchen. Auch viele Hochschulen bieten eigene Praktikumsbörsen an. Dabei gilt es zu beachten, dass auch kleinere Betriebe Praktika anbieten, häufig mit mehr Freiheiten und Verantwortung für eigene Projekte als größere Firmen.

Sich um einen Praktikumsplatz bewerben

Man sollte vor der Bewerbung Kontakt zum Unternehmen aufbauen. Ein kurzer Anruf in der Fach- oder Personalabteilung kann dabei nützlich sein. Auf diesem Wege kann man ein paar wichtige Fragen klären: Wo werden Praktikanten eingesetzt? Wie sieht der Bewerbungsprozess aus? Was erwartet mich als Praktikant? Daraufhin kann man sich gezielter bewerben und hat eventuell schon einen wichtigen Ansprechpartner kennengelernt.

In die Bewerbungsmappe gehören in jedem Fall:

  • ein individuelles Anschreiben an einen persönlichen Ansprechpartner
  • ein übersichtlicher, stringenter Lebenslauf
  • Schul- und Studiennachweise
  • Arbeitszeugnisse
  • ggf. Arbeitsproben
  • ggf. Empfehlungsschreiben

Das Bewerbungsgespräch erfolgreich gestalten

Wenn die Bewerbungsunterlagen gefallen, folgt im nächsten Schritt die Einladung zum Bewerbungsgespräch. Es geht darum herauszufinden, ob die Anforderungen des Unternehmens und die Erwartungen des Praktikanten zusammenpassen. Im Vorfeld kann man sich ein paar Gedanken machen: Warum will ich dieses Praktikum bei diesem Unternehmen machen? Was spricht für mich? Was erwarte ich? Wenn man es bis ins Vorstellungsgespräch geschafft hat, hat man gute Chancen, den Praktikumsplatz zu bekommen.