Ein Praktikum machen

Durch ein Praktikum lernen Sie den deutschen Arbeitsmarkt kennen und können sich mit beruflichen Anforderungen vertraut machen. Wir stellen Ihnen die verschiedenen Arten von Praktika vor und geben Ihnen Tipps für die Praktikumssuche.

Was ist ein Praktikum?

Bei einem Praktikum arbeiten Sie für einige Wochen oder Monate in einer Institution oder Firma und sammeln praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt. Praktika gehören in Deutschland zu fast jedem Studium. Sie sind eine gute Möglichkeit herauszufinden, ob Ihr Studium und Ihr Berufswunsch tatsächlich zu Ihnen passen. Es gibt bezahlte und unbezahlte Praktika. Ein Praktikum dauert in der Regel zwischen zwei Monaten und einem Jahr. Wie lang genau, das hängt von der Studienordnung Ihres Faches, Ihren Wünschen und denen des Arbeitgebers ab.

Vorteile eines Praktikums

Ein Praktikum hilft Ihnen bei der beruflichen Orientierung. Sie lernen sich und die Berufswelt besser kennen. Zudem treffen Sie potentielle Arbeitgeber und können ein Netzwerk aufbauen. Durch ein Praktikum verbessern Sie ihre „social skills“ wie Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Durchsetzungskraft. Jedes Praktikum erhöht Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt, denn Arbeitgeber erwarten praktische Berufserfahrung. Im glücklichsten Fall kann einem Praktikum ein Jobangebot folgen.

Diese Arten von Praktika gibt es:

Pflichtpraktika sind obligatorischer Bestandteil vieler Studienfächer. Erkundigen Sie sich rechtzeitig bei der Praktikumsberatung Ihres Fachbereichs, was verlangt wird. Denn das ist von Fach zu Fach und an jeder Hochschule unterschiedlich.

Für manche Studiengänge müssen Sie vor Studienbeginn ein Vorpraktikum absolviert haben, um eine Zulassung zu bekommen (zum Beispiel für technische Fächer und angewandte Sozialwissenschaften).

In einigen Fächern, wie den Ingenieurwissenschaften, werden ganze Praxissemester von 20 bis 26 Wochen verlangt. Ohne ein erfolgreiches Praxissemester können Sie sich nicht für die Prüfungen anmelden.

Für freiwillige Praktika, also Praktika, die nicht in der Studienordnung vorgeschrieben sind, entscheiden Sie sich aus eigenem Interesse.

Ein Weiterbildungspraktikum schließt direkt an das abgeschlossene Studium an. Informationen dazu auch weiter unten unter „Praktikum ohne Studium in Deutschland“.

Checkliste Praktikum

Arbeitserlaubnis

Für Pflichtpraktika brauchen Sie keine Arbeitserlaubnis.

Für freiwillige Praktika gilt:

  • Wenn Sie aus dem europäischen Ausland kommen, haben Sie freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt und brauchen keine Arbeitserlaubnis. Ausnahme: Für Studierende aus Rumänien und Bulgarien gilt dies erst ab dem Jahr 2014.
  • Wenn Sie mit einem Studentenvisum in Deutschland sind (oder eine Aufenthaltserlaubnis haben), dürfen Sie 120 volle Tage oder 240 halbe Tage im Jahr arbeiten. Jeder Praktikumstag wir Ihnen von den gesetzlich erlaubten 120 Arbeitstagen abgezogen. Haben Sie die 120 Tage bereits gearbeitet, brauchen Sie für ein Praktikum die Zustimmung der Ausländerbehörde und der Agentur für Arbeit. Das gilt auch, wenn Sie für das Praktikum keine Bezahlung erhalten. Für die Arbeitserlaubnis müssen Sie nachweisen, dass Sie circa 700 Euro im Monat zum Leben haben. Liegt Ihr Praktikumsgehalt niedriger oder ist das Praktikum unbezahlt, brauchen Sie einen Finanzierungsnachweis.

Alle wichtigen Informationen zum Thema Arbeitserlaubnis finden Sie unter „Geld verdienen“.

  • Versicherungen

Für ein Praktikum müssen Sie krankenversichert sein. Es reicht Ihre studentische Krankenversicherung. Wenn Sie zur Zeit des Praktikums nicht an einer deutschen Hochschule eingeschrieben sind, müssen Sie sich selbst krankenversichern. Klären Sie vor Praktikumsbeginn zudem mit Ihrem Praktikumsberater/dem Arbeitgeber, ob und durch wen Sie unfall- und haftpflichtversichert sind.

  • Praktikumsvertrag

Bevor Sie den Praktikumsvertrag unterschreiben, lassen Sie ihn vom Praktikumsberater Ihres Fachbereichs prüfen oder fragen Sie nach Beispielen für Praktikumsverträge.

  • Deutsche Sprachkenntnisse

Gute Deutschkenntnisse sind in jedem Fall hilfreich, bei deutschen Firmen und Institutionen sogar notwendig. Wenn Sie in einer internationalen Firma oder Institution arbeiten, wird eher gutes Englisch verlangt.

Woran erkennen Sie ein gutes Praktikumsangebot?

  • Es dauert mindestens zwei bis drei Monate.
  • Man stellt für Sie einen Praktikumsplan auf.
  • Sie haben einen Betreuer, der Sie anleitet. So lernen Sie viel, aber müssen nicht allein die Verantwortung tragen.
  • Sie lernen verschiedene Bereiche/Abteilungen Ihrer Firma/Institution kennen.
  • Sie arbeiten an konkreten Projekten und erledigen Arbeiten, die Ihrer Qualifikation durch das Studium entsprechen. Man lässt Sie nicht nur Kaffee kochen oder kopieren und Hilfsarbeiten machen.

Wie finden Sie einen Praktikumsplatz?

Hilfe bei der Praktikumssuche und Bewerbung bekommen Sie im Praktikumsbüro Ihres Fachbereichs an der Hochschule. Beginnen Sie frühzeitig mit der Suche, eventuell schon vor Ihrer Abreise nach Deutschland. Das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten. Wir stellen Ihnen einige vor:

  • Das Programm IAESTE (International Association for the Exchange of Students for Technical Experience) vermittelt Studierenden der technischen und naturwissenschaftlichen Fächer internationale Praktika bei Firmen, Forschungsinstituten und Hochschulen. Sie bewerben sich bei den nationalen IAESTE-Komitees Ihres Landes oder beim Referat 514 „Internationaler Praktikantenaustausch“ des DAAD.
  • Die Jura-Studenten-Vereinigung ELSA  betreibt das internationale Praktikanten-Austauschprogramm STEP (Student Trainee Exchange Programme). Freie Praktikumsstellen finden Sie im STEP-Newsletter
  • AIESEC ist mit Lokalkomitees in 107 Ländern die größte internationale Studentenorganisation. Wenden Sie sich an Ihr Lokalkomitee, das bei der Praktikumssuche hilft und Sie vor, während und nach dem Praktikum betreut.
  • Bewerben Sie sich auch auf eigene Initiative bei deutschen Firmen und Institutionen. Informationen und Ansprechpartner finden Sie auf deren Webseiten.

Praktikum ohne Studium in Deutschland

Auch wenn Sie nicht an einer deutschen Hochschule studieren oder Ihr Studium gerade abgeschlossen haben, können Sie ein Praktikum in Deutschland machen. Bedingung: Es muss zu Ihren Studieninhalten passen.

Studierende, die nicht aus den Ländern der EU und des EWR kommen, sowie Studierende aus Rumänien und Bulgarien brauchen für ein Praktikum in Deutschland die Erlaubnis der Zentralen Arbeits- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV). Mit dieser „Bestätigung über das Einvernehmen“ beantragen Sie bei der deutschen Botschaft/dem Konsulat in Ihrem Land ein Visum beziehungsweise in Deutschland bei der lokalen Ausländerbehörde eine Aufenthaltserlaubnis. Auch Ihr künftiger Arbeitgeber kann für Sie einen Praktikumsantrag bei der ZAV stellen.

Nützliche Links:

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Praktikum in Deutschland. Und wer weiß, vielleicht bekommen Sie Lust, künftig in Deutschland zu arbeiten?