Dr. Petra Dilthey

Deutschland

Ethnologin, Filmemacherin

DAAD-Stipendium 1988–1989

Dr. Petra Dilthey privat


„Schon als Schülerin war ich fasziniert von fernen fremden Kulturen“, erzählt Petra Dilthey. Als Ethnologin ist sie heute in Brasilien, Kenia oder Indien ebenso zuhause wie in München. Mit ihrem Ehemann Uli Schwarz gründete sie die Filmproduktionsfirma up4change.tv und dreht einfühlsame Dokumentationen über sozialen Wandel in Entwicklungsländern – im Anschluss an eigene Projekte oder im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Im Kontakt mit anderen Kulturen geht es um das Verstehen.
Petra Dilthey

Bereits mit ihrer ersten Ausbildung zur Krankengymnastin wollte Petra Dilthey in die Entwicklungszusammenarbeit – ganz praktisch anpacken und helfen. „Als junger Mensch wird man von diesem Enthusiasmus getragen, helfen zu wollen. Heute weiß ich, dass Hilfe allein von außen nicht der richtige Weg ist.“ Die Ethnologin hat einen anderen Fokus bei Ihrer Arbeit: „Im Kontakt mit anderen Kulturen geht es um das Verstehen.“ Der Wunsch nach Veränderung müsse immer von den Menschen selber kommen.

Gereift ist diese Einsicht für Petra Dilthey 1988 während ihres Aufenthaltes in Brasilien als DAAD-Stipendiatin. Nach dem Staatsexamen zur Krankengymnastin hatte sie in München an der Ludwig-Maximilians-Universität Ethnologie mit dem Schwerpunkt Ethnomedizin studiert. Die Förderung diente anschließend den Recherchen für ihre Doktorarbeit über die Heilmethoden des Spiritismus. Die Zeit hat sie auch persönlich geprägt: „Es hat mir viel Stärke gegeben, dass ich damals allein auf mich selbst gestellt war.“

Zu Diltheys besonderen Erfolgen gehört der abendfüllende Film „Slumgott“, der das Leben in einem indischen Slum dokumentiert und 2010 in deutschen Kinos lief. Ihre Einnahmen steckt das Ehepaar in immer wieder neue eigene Projekte. 2014 riefen die beiden Filmemacher mit Nomaden in Kenia das Bildungsprojekt „ethno e-empowerment“ (www.eeem.org) ins Leben. Ausgehend von ethnografischen Videos lernen die Nomaden auf Tablets lesen, schreiben und rechnen. Ihr privates Projekt „Digitale Alphabetisierung“ wird seit 2016 vom BMZ gefördert. Für Petra Dilthey haben die kleinen Schritte mehr Bedeutung als die großen Erfolge. „Am meisten tragen mich die menschlichen Beziehungen, die in jedem Projekt entstehen und bleiben – da geht mir das Herz auf.“