Mathias Énard

Frankreich

Schriftsteller, Übersetzer, Orientalist, Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2017

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 2013

Mathias Énard Marc Melki


Mathias Énard ist ein wahrhaft europäischer Erzähler – und zugleich ein herausragender Vermittler zwischen Orient und Okzident. Mit ihrer Entscheidung, ihm den Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung 2017 zu geben, hat die Leipziger Jury eine exzellente Wahl getroffen. Der 1972 im westfranzösischen Niort geborene Schriftsteller, Übersetzer und Orientalist erhielt die Auszeichnung für seinen Roman „Kompass“. Der 2016 auch auf Deutsch erschienene Roman, der zuvor schon in Frankreich für Aufsehen sorgte und mit dem hochangesehenen Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, erinnert mit seiner rhapsodischen Sprache nicht zufällig an „Tausendundeine Nacht“. Wie die orientalische Märchensammlung ist auch „Kompass“ die Erzählung einer einzigen Nacht, in der Mathias Énard seinen Helden buchstäblich um sein Leben erzählen lässt.

Ich habe in Berlin an wesentlichen Teilen von „Kompass“ gearbeitet und in den Bibliotheken geforscht.Mathias Énard

Für die Arbeit an diesem Roman war auch ein Aufenthalt in Berlin wesentlich – 2013 war Énard Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. „Ich habe in Berlin an wesentlichen Teilen von ‚Kompass‘ gearbeitet und in den unzähligen Bibliotheken zu deutscher und österreichischer Orientalistik geforscht“, sagt er. „Vor allem die Nahost-Abteilungen in Dahlem haben es mir angetan! Ich bin dem Berliner Künstlerprogramm unglaublich dankbar für diese Chance. Deshalb habe ich es auch in der ‚Zueignung‘ auf der letzten Seite von ‚Kompass‘ noch einmal ausdrücklich erwähnt.“

Doch nicht nur Berlin prägte sein Schaffen: Mathias Énard bereist seit mehr als zwanzig Jahren den Erdball. Nach dem Studium der arabischen und persischen Sprache am Pariser Institut national des langues et civilisations orientales (INALCO) verbrachte er viele Jahre in Teheran und Beirut, er arbeitete als Französischlehrer in einem syrischen Dorf, und um die Jahrtausendwende ging er nach Barcelona, wo er noch heute lebt. Er unterrichtete Arabisch an der Universitat Autònoma de Barcelona – und auch seine kulinarische Neigung pflegte er – mit der Eröffnung eines eigenen Restaurants namens „Karakala“. Seinen Durchbruch als Autor erlebte er mit dem Roman „Zone“, der 2010 auch auf Deutsch erschienen ist.

Stand: 2017-05-15