Fazil Say

Türkei

Pianist, Komponist, Beethovenpreis 2016

DAAD-Stipendium 1987–1991

Fazil Say © Marco Borggreve


Er ist ein Meister am Klavier und ein hervorragender Komponist. Fazil Say gehört zu den renommiertesten Musikern unserer Zeit – und ist ein bekannter Bürgerrechtler der Türkei. Für seine gesellschaftlichen Verdienste wurde der DAAD-Alumnus im Dezember 2016 mit dem Internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion ausgezeichnet. Denn immer wieder setzt sich Say mit seinem Renommee und seinen internationalen Verbindungen für den Kulturdialog ein, auch als Botschafter der Europäischen Union für interkulturellen Dialog: „Wenn man andere Kulturen nicht als Dialogpartner sieht, sondern als Feinde, dann fängt der Krieg der Kulturen an“, sagt er.

Vom Austausch mit den anderen Studierenden aus aller Welt habe ich stark profitiert.
Fazil Say

Als kultureller Brückenbauer wirbt der Virtuose in der Türkei für Mozart und Beethoven und verarbeitet in eigenen Kompositionen stilistische, rhythmische und folkloristische Elemente seines Heimatlandes: Seine Sinfonie „Istanbul“, 2010 in Dortmund uraufgeführt, bringt in Soloparts türkische Instrumente wie die Ney (Rohrflöte) und Kanun (orientalische Zither) zum Klingen – und macht das Rauschen des Marmara-Meeres, das rege Treiben am Bahnhof Haydarpaşa und Alltagsleben der Millionenmetropole musikalische erfahrbar. Zudem besteht das gewaltige Werk aus sieben Sätzen, die für die „sieben Hügel“ Istanbuls stehen, die Wahlheimat des Komponisten.

Das musikalische Rüstzeug erlangte der 1970 in Ankara geborene Top-Pianist unter anderem mit einem Klavierstudium bei David Levine an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, die er mit Unterstützung eines DAAD-Stipendiums in den Jahren 1987 bis 1991 besuchte. „David Levine und Aribert Reimann hatten mich während eines Workshops in Ankara gehört und wollten mich gerne als Schüler in Düsseldorf haben“, erinnert sich Say. Noch heute sei er dem DAAD für die Förderung dankbar: „Deutschland war international der Mittelpunkt für ein Musikstudium, und auch vom Austausch mit den anderen Studierenden aus aller Welt habe ich stark profitiert.“

Nach seiner Ausbildung in Düsseldorf startete er in den USA seine Karriere als Konzertpianist: Im Jahr 1994 gewann er die „Young Concert Artists International Auditions“ in New York, weitere Auszeichnungen wie der ECHO Klassik (2001, 2009 und 2013), der Bremer Musikfest-Preis (2008) und der Rheingau Musikpreis (2013) folgten. Zudem ist Fazil Say immer wieder auf den großen Bühnen zu sehen: Gemeinsam mit Orchestern wie den New York Philharmonic, dem Israel Philharmonic Orchestra, den Wiener Symphonikern und dem BBC Philharmonic Orchestra oder als Konzertpianist bei den Salzburger Festspielen, der World Piano Series Tokyo, dem Rheingau Musik Festival oder der International Piano Series London. Die Verbindung zu Deutschland ist dabei nie abgerissen: Von 2005 bis 2010 war er „Artist in Residence“ am Konzerthaus in Dortmund, 2010 und 2011 am Berliner Konzerthaus. Die Saison 2012/13 führte ihn unter anderem nach Frankfurt am Main zum Hessischen Rundfunk; 2015/2016 wurde er von der Alten Oper Frankfurt als „Artist in Residence“ eingeladen. Das deutsche, aber auch internationale Publikum überzeugt er dabei nicht nur mit spielerischer Brillanz: Sowohl als Pianist als auch als Komponist wandelt er zwischen kammermusikalischer Intimität und großer, orchestraler Stärke – eine Vielfalt, die begeistert.

Stand: 2017-03-23