Prof. Dr. Pooyan Azadeh

Iran

Pianist, Professor für Klavier an der Universität der Künste Teheran

DAAD-Promotionsstipendium 2007– 2011

Prof. Dr. Pooyan Azadeh Ring Foto Becker


Was für eine Kultur unabdingbar ist – darüber lässt sich wohl lange diskutieren. Nicht für Pooyan Azadeh: Der deutsch-iranische Pianist und Musikpädagoge hat sich die Vermittlung von Musik in Theorie und Praxis zur Aufgabe gemacht. Azadeh, der seit Oktober 2015 an der Universität der Künste Teheran als Erster eine ordentliche Professur für Klavier innehat, absolvierte zunächst eine Ausbildung als Konzertpianist an der Universität der Künste Teheran. Schwerpunkt seines Studiums bildete die europäische Klaviermusik. „Meine Leidenschaft galt jedoch schon damals der persischen Klaviermusik", sagt er. „Neben den traditionellen Werken Mortezā Mahjoobis fasziniert mich die Musik meines Lehrers, des bedeutenden persischen Pianisten Javād Maroofi, der im Jahr 1993 verstarb. Er hat die persische Klaviermusik mit westlichen Elementen kombiniert."

Das DAAD-Stipendium war für mich gleichermaßen Auszeichnung wie Wegbereiter meiner wissenschaftlichen und musikalischen Entwicklung.
Pooyan Azadeh

Sein starkes Interesse führte den Musiker schließlich weg von den internationalen Konzertbühnen in die Welt der Wissenschaft – auf bislang unerforschtes Terrain: Mit einem DAAD-Stipendium in der Tasche widmete sich Pooyan Azadeh in seiner Promotion an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg als Erster der persischen Klaviermusik unter musikpädagogischer Perspektive. Dazu galt ihm der Forschungsstandort Deutschland geradezu prädestiniert: „Im Iran ist es nicht möglich, Musikpädagogik zu studieren", erklärt er. „Deutschland hingegen gilt als Vorreiter, hier hat die Musikpädagogik eine lange Tradition. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich viele verschiedene Methoden und didaktische Ansätze entwickelt, auch die Quantität und Qualität der musikpädagogischen Publikationen sind bemerkenswert." Ohne die Unterstützung des DAAD wäre ihm allerdings seine Forschung nicht möglich gewesen: „Das DAAD-Stipendium war für mich gleichermaßen Auszeichnung wie Wegbereiter meiner wissenschaftlichen Entwicklung in einem neuen musikalischen Umfeld", sagt Azadeh. „Nach meiner Promotion im Jahr 2015 habe ich als Hochqualifizierter die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten."

Nun möchte der DAAD-Alumnus seinen Forschungsschwerpunkt auch in seinem Heimatland etablieren. „Bislang stehen die musikalischen Hochschulen im Iran ganz im Zeichen der europäischen Klaviermusik", sagt er. „Die persische Tradition, die erst um das Jahr 1900 an gesellschaftlichem Renommee gewann, wird hier nicht vermittelt." Dabei sei die Auseinandersetzung mit persischer Klaviermusik durchaus lohnenswert, wie nicht zuletzt seine Doktorarbeit zeige. „Mit meiner Forschung bin ich auf großes internationales Interesse gestoßen: Unter anderem habe ich darüber auf Konferenzen in Norwegen und China berichtet", sagt Pooyan Azadeh.