Prof. Dr. Wladyslaw Bartoszewski

Polen

Politiker, Historiker, Publizist, ehemaliger polnischer Außenminister

DAAD-Stipendium 1982

Prof. Dr. Wladyslaw Bartoszewski DAAD


Überall, wo ich ins Gespräch komme, bemühe ich mich um eine Annäherung der Menschen und kämpfe gegen Stereotype an. Das empfinde ich als meine Aufgabe.“ Wladyslaw Bartoszewski hat sich stets für die Menschen eingesetzt. Bereits als 18-Jähriger nahm der Pole Kontakt mit dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten auf und half verfolgten Juden. Im September 1940 wurde er nach einer Razzia gegen polnische Intellektuelle ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt, im April 1941 kam er schwer erkrankt zurück. Erst viele Jahre später berichtete der Historiker und Publizistin über seine Erlebnisse in Auschwitz in seinem ersten deutschen autobiographischen Buch „Herbst der Hoffnungen“. Das war 1983, kurz nachdem er sich ein Jahr lang als DAAD-Stipendiat am Wissenschaftskolleg Berlin aufgehalten hatte. Nach Kriegsende war der Journalist nur für kurze Zeit ein freier Mann.

Wir sind zwar weit voran geschritten, aber es gibt noch viel zu tun.
Wladyslaw Bartoszewski

Sieben Jahre verbrachte er in stalinistischen Gefängnissen.1955 wurde er rehabilitiert. In den folgenden Jahren arbeitete er journalistisch und wissenschaftlich, schrieb zahlreiche Bücher und Aufsätze. Von 1973 an lehrte Bartoszewski als Professor an der Katholischen Universität Lublin. Sein politisches Engagement führte ihn in die Gewerkschaft Solidarnosc. Nach Verhängung des Kriegsrechts 1981 wurde Bartoszewski erneut verhaftet. Es waren die Proteste der Freunde im Westen, die nach fünf Monaten zu seiner Entlassung führten. Deutschland ist dem ehemaligen polnischen Außenminister vertraut. Mit einem Jahr Unterbrechung unterrichtete er von 1983 bis 1990 Zeitgeschichte an den Universitäten München, Eichstätt und Augsburg.

Anschließend ging er als erster nichtkommunistischer Botschafter Polens nach Wien. 1995 wurde er für einige Monate Außenminister seines Landes. In dieser Zeit hielt er seine berühmte Rede im Deutschen Bundestag zum 50-jährigen Kriegsende. Von Juli 2000 bis September 2002 hatte Bartoszewski das Amt noch einmal inne. Im November 2007 wurde er Staatssekretär und Beauftragter des Premierministers für internationale Fragen.

Im Alltag sah der Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels die deutsch-polnischen Beziehungen so: „Wir sind zwar weit voran geschritten, aber es gibt noch viel zu tun.“ Er selbst knüpfte weiterhin unermüdlich am Netz deutsch-polnischer Beziehungen, kam oft zu Lesungen und Vorträgen nach Deutschland. Anfang 2005 erschien sein Buch „Und reiß uns den Hass aus der Seele – Die schwierige Aussöhnung von Polen und Deutschen“, 2010 veröffentlichte er „Über Deutsche und Polen. Erinnerungen. Prognosen. Hoffnungen“.

Wladyslaw Bartoszewski starb 2015 im Alter von 93 Jahren. Die Trauer um den großen Politiker spiegelte sich in der deutschen Presselandschaft wieder. Als einen „Mann der Weitsicht und des Muts“ würdigte ihn die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Kondolenzschreiben.

Stand: 2015-09-26