Prof. Dr. Wolfgang Ketterle

Deutschland

Physiker, Nobelpreis für Physik 2001

DAAD-Stipendium 1990

Prof. Dr. Wolfgang Ketterle DAAD


Schon als Physikstudent war er einer der Besten, seine berufliche Laufbahn gleicht einer Traumkarriere. Als jüngster Deutscher erhielt Wolfgang Ketterle gemeinsam mit E. A. Cornell und C. E. Wieman 2001 den Physik-Nobelpreis. Der Wissenschaftler gehörte 1995 zu den ersten, denen die Erzeugung des sogenannten Bose-Einstein-Kondensats gelungen war. Unter extremsten Tieftemperaturen ist dieses in der Natur nicht vorkommende Kondensat der Beweis für Einsteins Theorien der Quantenmechanik. Wolfgang Ketterle ist überzeugt, dass „die Quantenmechanik schon heute so grundlegend für die Naturwissenschaft ist wie Goethes Schriften oder Beethovens Sinfonien für die kulturelle Bildung“.

Eine Kombination von Glück, exzellenten Mitarbeitern, uneigennützigen Mentoren, dem richtigen Riecher und eigenen Fähigkeiten hat es mir erlaubt, bei wichtigen Entwicklungen ganz vorne dran zu sein.
Wolfgang Ketterle

Nach dem Abitur hatte der 1957 geborene Heidelberger in seiner Heimatstadt ein Physikstudium begonnen, wechselte aber bald an die Technische Universität München. Hin- und hergerissen zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung wählte er für seine Diplomarbeit ein Thema in theoretischer Physik. „Ich hatte aber Zweifel, ob es mich nicht zu tief in den Elfenbeinturm der Wissenschaft führen würde.“ 1982 begann er am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching und promovierte über ein angewandtes, experimentelles Forschungsgebiet. Es folgte wieder ein Wechsel: Zurück an seiner Heimatuniversität Heidelberg widmete Wolfgang Ketterle sich nun der Verbrennungsforschung mit Lasern. „Die Zeit in der Verbrennungsforschung war prägend für mich. Ich wollte seit langem in die angewandte Forschung und lernte dabei, wo ich wirklich hingehörte – nämlich in die reine Grundlagenforschung.“ 1990 ging er mit einem DAAD-Stipendium als Gastforscher an die US-amerikanische Elite-Einrichtung Massachusetts Institute of Technology (MIT) und arbeitete in der Gruppe von Dave Pritchard an Problemen der Laserkühlung. „Das Stipendium ermöglichte mir, den Wechsel in ein neues Arbeitsgebiet zu planen und ohne einschlägige Erfahrung eine Position im Forschungsgebiet der kalten Atome zu bekommen. Nach einem Jahr wurde meine Stelle voll vom MIT finanziert. Ohne das DAAD-Stipendium wäre dieser Wechsel viel schwerer gewesen.“

Am MIT begann für den deutschen Physiker ein kometenhafter Aufstieg. Binnen kurzer Zeit – und an allen amerikanischen Kollegen vorbei – wurde er 1993 „Assistant Professor“, fünf Jahre später erhielt er einen der begehrten Stiftungslehrstühle, den John D. MacArthur-Lehrstuhl für Physik. „Der Wechsel in die USA mit 32 Jahren war damals ein Schritt ohne Sicherheitsnetz, denn ich tauschte eine längerfristige Stelle gegen eine Zwei-Jahres-Stelle mit unsicherer Perspektive“, sagt er. Versuche, den erfolgreichen Forscher nach Deutschland zurückzuholen, schlugen fehl. „Die Frage nach der Rückkehr stellte sich 1997, als ich mich sehr knapp entschied, ein ausgezeichnetes Angebot der Max-Planck-Gesellschaft abzulehnen. Heute habe ich mich in Amerika fest niedergelassen. “

Stand: 2015-10-04