Dr. Sverre Dahl

Norwegen

Germanist, Übersetzer

DAAD-Stipendium 1969–1970

Dr. Sverre Dahl DAAD


Seine erste Bekanntschaft mit Deutschland machte der 1946 geborene Norweger Sverre Dahl Ende der 1960er-Jahre. Dank eines DAAD-Stipendiums kam der Germanistik-Student nach Freiburg, wo er zwei Jahre später auch das Philologische Staatsexamen ablegte. Sein Thema war ein deutschsprachiger Dichter und Denker aus Österreich, Hermann Broch (1886–1951). Über dessen Geschichtsphilosophie schrieb Dahl anschließend an seiner Heimatuniversität Oslo auch die Doktorarbeit. In Oslo lehrte er noch bis 1986, seither arbeitet er als freiberuflicher Übersetzer. Mehr als 130 deutschsprachige Werke hat er ins Norwegische übersetzt. Die Liste liest sich wie ein „Who‘s  Who“ der deutschsprachigen Dramatik, von Klassikern wie Goethe und Hölderlin über Gegenwartsautoren wie Ingo Schulze, Daniel Kehlmann und Ferdinand von Schirach bis hin zu philosophischen Texten von Max Weber und Norbert Elias.

Deutschland erscheint uns als Herausforderung. Die deutsche Kultur ist so groß und reich.
Sverre Dahl

Diese Leistung findet in Deutschland große Anerkennung: Für sein Lebenswerk erhielt der DAAD-Alumnus am 28. August 2009, dem 260. Geburtstag Goethes, in Weimar die „Goethe Medaille“. Sie wird seit 1955 alljährlich vom Goethe-Institut verliehen. Dahl habe sich in herausragender Weise um die Vermittlung deutschsprachiger Literatur und Philosophie in Norwegen verdient gemacht – nicht nur als Übersetzer, sondern auch als Fürsprecher, Gelehrter und Gutachter, lobte die Jury. Die Intensität und Qualität des literarischen Austauschs zwischen Deutschland und Norwegen sei unter anderem ihm zu verdanken. Nicht zuletzt deshalb wurde der Übersetzer im Jahr 2010 auch mit dem Willy-Brandt-Preis der Norwegisch-Deutschen Willy-Brandt-Stiftung geehrt.

Dahl selbst möchte seinen norwegischen Landsleuten vor allem ein möglichst vielseitiges Bild der deutschen Literatur und damit der deutschen Geschichte und Kultur überhaupt vermitteln. „Deutschland erscheint uns als Herausforderung. Die deutsche Kultur ist so groß und reich“, sagt er. Dazu gehört für ihn auch die ältere Literatur, für deren Übersetzung ins Norwegisch er sich seit Jahren einsetzt.

Eine besondere Vorliebe beweist Dahl stets für österreichische Schriftsteller, etwa für Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, oder für die „modernen Klassiker“ Franz Kafka und Arthur Schnitzler. Deswegen hatte er bereits 2000 den „Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung“ erhalten.

Stand: 2015-09-14