Prof. Dr. Shoucheng Zhang

China

Physiker

Stipendiat des chinesischen Bildungsministeriums 1980–1983

Prof. Dr. Shoucheng Zhang DAAD


Stephen Hawking war viele Jahre sein Vorbild: „Ich habe diesen großartigen Physiker schon als Kind bewundert“, erzählt Professor Shoucheng Zhang. Am 20. März 2013 stand der Festkörperphysiker, der an der kalifornischen Stanford-Universität lehrt und forscht, mit Hawking in Genf auf der Bühne. Anlass war die Preis-Verleihung der „Fundamental Physics Foundation“, einer gemeinnützigen Organisation, die Physiker ehrt, denen ein wissenschaftlicher Durchbruch gelungen ist oder die es geschafft haben, ein Forschungsgebiet in eine neue Richtung zu öffnen. „Das war schon eine große Ehre“, sagt Zhang. Der chinesisch-US-amerikanische Wissenschaftler erhielt – gemeinsam mit zwei Kollegen – den mit 300.000 Dollars dotierten Fundamental Physics Frontier Prize 2013 für herausragende Forschung zu topologischen Isolatoren.

Deutsche Geschichte, Literatur und Musik faszinieren mich bis heute.
Shoucheng Zhang

Topologische Isolatoren gelten als aussichtsreiche Materialien für spintronische Prozessoren und Speicherchips, wie Zhang erklärt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass topologische Isolatoren Silizium als Schlüsselmaterial der Computerbranche ablösen werden.“ Dass die meisten Menschen wenig Bezug zu diesem Thema haben, stört den Physiker nicht: „Ich habe in all den Jahren gelernt, mich allgemeinverständlich auszudrücken. Beispielsweise lassen sich topologische Isolatoren mit dem deutschen Autobahnprinzip erklären: In einem Computerchip bewegen sich Elektronen wie Autos auf der Autobahn – Gegenverkehr gibt es nur auf der anderen Seite. Dadurch wird der Widerstand deutlich reduziert.“

Zhang gehört zu den führenden Forschern auf dem Gebiet der Physik der kondensierten Materie und hat entscheidende Beiträge zu topologischen Isolatoren, zum Quantum-Hall-Effekt, zu Hochtemperatursupraleitern und Quantenmagnetismus geleistet. Mehr als 220 Forschungsergebnisse hat er in den vergangenen Jahren in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht und diverse Auszeichnungen wie den Humboldt-Forschungspreis, den Gutenberg-Research-Award, den Europhysics Prize, den Oliver Buckley Prize und die Paul Dirac-Medaille erhalten.

Nach Deutschland kam Zhang 1980 als Stipendiat des chinesischen Bildungsministeriums und des DAAD. Sein Stipendium galt für fünf Jahre, aber er beendete sein Studium an der Freien Universität Berlin nach nur drei Jahren als Diplomphysiker: „Ich habe sehr viel gearbeitet und die Zeit dennoch sehr genossen. Deutsche Geschichte, Literatur und Musik faszinieren mich bis heute.“ Während seiner Zeit in Berlin nutzte er die Chance, Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmonikern live zu erleben – ein prägendes Erlebnis: „Ich konnte mir als Student keinen guten Platz leisten, die Akustik war entsprechend schlecht. Dafür aber hatte ich den besten Blick auf diesen großartigen Dirigenten.“ Auch heute noch besucht Zhang regelmäßig Deutschland, um mit deutschen Kollegen gemeinsam zu forschen.

Stand: 2015-09-26