Prof. Dr. Thomas Pogge

Deutschland

Philosoph, Hochschullehrer

DAAD-Stipendium 1977–1978

Prof. Dr. Thomas Pogge by Tobias Klenze [CC BY-SA 4.0] via Wikimedia Commons


Der 1953 geborene Thomas Pogge gilt heute als der „weltweit vielleicht bekannteste Philosoph, der über Armut und Hunger nachdenkt“, so titulierte ihn die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“. Sein 2002 erschienenes Buch „World Poverty and Human Rights" gehört zu den wichtigsten Werken, die sich mit der Frage der globalen Gerechtigkeit auseinandersetzen.

Wenn die Philosophie da nicht hilft, wer sonst?
Prof. Dr. Thomas Pogge

Nach seinem Soziologie-Studium in Hamburg ging Thomas Pogge 1977 mit einem Stipendium des DAAD als Gaststudent in die USA, an die Universität Harvard. Dort traf er auf den amerikanischen Gerechtigkeitsphilosophen John Rawls und promovierte 1983 bei ihm mit einer Arbeit über Kant, Rawls und globale Gerechtigkeit. „Für Politik und politische Reform habe ich mich auch schon vorher interessiert“, sagt Thomas Pogge, „Aber die Begegnung mit Rawls half mir, neue Ideen zu entwickeln, wie man politische Arbeit mit solcher in der politischen Philosophie verbinden kann“. Nach seiner Promotion blieb er in den USA und lehrte bis 2008 an der Columbia-Universität in New York, ehe er einen Ruf nach Yale annahm. Dort hat er die Leitner-Stiftungsprofessur inne.

Thomas Pogge denkt nicht nur theoretisch über Gerechtigkeit nach. Er macht auch Vorschläge, auf welche Art und Weise die globalen Wirtschaftsstrukturen reformiert werden könnten, um Armut, Hunger und Krankheit in der Welt zu lindern. So hat er den Health Impact Fund ins Leben gerufen. Die Idee hinter diesem Fonds ist, der Pharmaindustrie ein Anreizsystem zu bieten, um Entwicklung und Vertrieb von solchen Medikamenten zu fördern, die von armen Menschen weltweit dringend benötigt werden, etwa zur Bekämpfung von AIDS oder Tuberkulose.

Für Thomas Pogge ist dieser philosophische Ansatz „eine neue Art, politische Philosophie zu betreiben“. Die Diskussionen in der politischen Philosophie sollten seiner Ansicht nach Bürger dazu befähigen, über bestehende Ungerechtigkeiten und die daraus entstehende Verantwortung nachzudenken und auf notwendige Reformen hinzuarbeiten: „Wenn die Philosophie da nicht hilft, wer sonst?“

Schließlich hat Pogge sich einen Namen als lautstarker Kritiker gemacht: Den Vereinten Nationen und der  Weltbank warf er 2015 im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ vor, sie würde den Hunger in der Welt mit falschen Zahlen beschönigen. „Die Messmethoden und Definitionen wurden immer rückwirkend angepasst und jede neue Anpassung führte zu neuen Erfolgsmeldungen.“ Streitbar wird der Rechtsphilosoph auch, wenn es um den Klimawandel geht: In den USA gehört er zu einer Gruppe international renommierter Juristen, die Staaten zum Schutz ihrer Bürger auffordert, Maßnahmen gegen den Klimawandel einzuleiten. „Regierungen, die nichts gegen den Klimawandel tun, sind ein Fall für die Justiz“, sagte Pogge 2015 im Deutschlandfunk.

Stand: 2015-10-01