Prof. Dr. Reinhold Leinfelder

Deutschland

Paläontologe, Geobiologe, Gründungsdirektor „Haus der Zukunft“ in Berlin

DAAD-Stipendium 1978–1979

Prof. Dr. Reinhold  Leinfelder DAAD


„Der Anthropozäniker – Unswelt statt Umwelt“, nennt sich der Blog von Reinhold Leinfelder auf SciLogs.de. Mit dem Begriff der „Unswelt“ will er vom Dualismus Mensch und Natur wegkommen – ein Credo, das ihn durch seine Karriere begleitet. Der Lebensweg des Geologen und Paläontologen auf den Spuren der Evolution beginnt gleich nach dem Abitur in Bayern, wo er 1957 geboren wird. Er startet ein Geologie- und Paläontologie-Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Es scheint die richtige Fächerwahl für den jungen Mann gewesen zu sein: Kurz darauf, Ende 1978, bekommt er ein Stipendium vom DAAD. Für vier Monate ist er in Portugal und macht die regionale Geologie des Landes zu einem seiner ersten Forschungsgebiete.

Eine Gesellschaft muss sich auch daran messen lassen, wie sie in einer profit- und nutzenmaximierten Zeit mit ihrem kulturellen Erbe umgeht.
Reinhold Leinfelder

Nach Ende des Studiums geht er an das Institut für Geowissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, wo er acht Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent arbeitet. 1989 habilitiert sich Leinfelder für die Fächer Geologie und Paläontologie und meistert so den Schritt vom Assistent zum Professor. Noch im gleichen Jahr folgt er dem Ruf der Universität Stuttgart auf einen Lehrstuhl.

Neun Jahre später zieht es ihn wieder nach München: An der Universität, wo er zuvor als Student ein und aus ging, übernimmt er 1998 den Posten als Direktor des Instituts für Paläontologie und Historische Geologie. Fünf Jahre später unterstehen acht Museen, fünf Forschungssammlungen und der Botanische Garten in München seiner Leitung, denn Reinhold Leinfelder ist Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlung Bayerns geworden. In einem „Brief aus Bayern“ appelliert er an das Bewusstsein im Bezug auf die Bedeutung solcher Sammlungen: „Eine Gesellschaft muss sich auch daran messen lassen, wie sie auch in einer profit- und Nutzen maximierten Zeit mit ihrem kulturellen Erbe umgeht.“

Er wird als „Idealbesetzung“ gehandelt, ein „Glücksfall für das Museum und das Land Berlin“, als er 2006 die Stelle als Generaldirektor des Museums für Naturkunde der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin antritt, eine Position, die er bis 2010 ausfüllt. Parallel dazu lehrte er bis März 2011 an der HU. Seit 2012 ist er Professor an der Freien Universität Berlin. Damit nicht genug. Dem erfolgreichen Ausstellungsmanager liegt der Wissenstransfer am Herzen und so gründete er 2014 die Haus der Zukunft gGmbH i.Gr. (House of the Future), Berlin – eine Initiative, an der sich neben dem Bundesministerium für Bildung und Forschung namhafte deutsche Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen, auch der DAAD, als Gesellschafter beteiligen. Das Haus soll Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Bürgerinnen und Bürger zusammenbringen, um Fragen der Zukunft zu verhandeln. Im Juni 2015 legte Leinfelder zusammen mit Wissenschaftsministerin Johanna Wanka den Grundstein für das Haus der Zukunft.

Stand: 2015-10-05