Prof. Dr.-Ing. Wu Siegfried Zhiqiang

China

Architekt und Chefplaner der Expo in Shanghai

Regierungsstipendium der VR China 1988–1990

Prof. Dr.-Ing. Wu Siegfried Zhiqiang


Für Wu Siegfried Zhiqiang ist die Stadt der Zukunft eine Stadt, die Räume schafft für Natur und Begegnungen. Eine Stadt, die lebenswert ist durch Nachhaltigkeit und die eine Balance hält zwischen alt und neu, zwischen Geschichte und Innovation. „Gerade in China ist das eine große Herausforderung, jedes Jahr kommen hier 13 Millionen Menschen vom Land in die Städte“, sagt Wu. „Wir brauchen eine neue Generation von Städten.“

Wir brauchen eine neue Generation von Städten in China.
Wu Siegfried Zhiqiang

Die Weltausstellung in Shanghai gab Wu die Möglichkeit, seine stadtplanerischen Ideale umzusetzen. Als Chefplaner hat er das Expo-Gelände maßgeblich mit entworfen. Unter dem Motto „Eine bessere Stadt, ein besseres Leben“ kommen hier klimafreundliche Technologien zum Einsatz und werden alte Industriegebäude umgenutzt, statt sie abzureißen – gerade für China ein untypisches Vorgehen. 2014 setzte er solche Vorstellungen noch einmal als Chefplaner einer Internationalen Expo um – auf der Welt-Garten-Expo in Qingdao. Wu setzt mit seiner Arbeit auf ein Umdenken – anlässlich der Expo 2010 sagte er: „Wenn sich 70 Millionen Chinesen mit nachhaltigen Konzepten beschäftigen und darunter vielleicht 700 Bürgermeister aus den Provinzen, dann habe ich mein Ziel dieser Expo erreicht.“

Wu ging es schon früh um Visionen. Nach einem Architektur-Studium an der Tongji-Universität ging er 1988 mit einem DAAD-Stipendium nach Berlin an das Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität. Er blieb neun Jahre, promovierte in der Zeit und kehrte 1996 verändert nach China zurück. Zurück in der Heimat setzte er sich für stadtplanerische Konzepte ein, die dort kaum verbreitet waren. Er übernahm eine Professur an der Shanghai-Universität, wurde später Vize-Dekan und Dekan im Fachbereich Architektur und Stadtplanung der Tongji-Universität sowie 2009 Assistent des Präsidenten – neben seinem Job als Expo-Chefplaner – und ist heute Vize-Rektor der Universität.

Die Kontakte zu Deutschland hat er beibehalten und der internationale Austausch von Studierenden liegt ihm am Herzen. Anlässlich der Expo in Mailand 2015 organisierte er an der Tongji-Universität eine Ausstellung über das „Making of“ der Expo. Jedes Jahr schickt er zudem Studierende nach Deutschland – an die TU Berlin, nach Weimar, Dessau, München, Stuttgart oder Hamburg; die meisten mit DAAD-Stipendium. „Sie sollen in Deutschland so gute Erfahrungen sammeln wie ich damals“, sagt Wu. „Wenn sie zurückkommen, verstehen sie meine Vorlesungen viel besser als vorher.“

Stand: 2015-09-29