Peter Eötvös

Rumänien

Dirigent, Komponist

DAAD-Stipendium 1966

Peter Eötvös DAAD


Als einen entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben bezeichnet Peter Eötvös heute das DAAD-Stipendium, das ihn 1966 zum Dirigierstudium an die Kölner Musikhochschule führte. Der 1944 in Székelyudvarhely/Siebenbürgen geborene Komponist und Dirigent hatte ein abgeschlossenes Kompositionsstudium in der Tasche – bereits mit 14 Jahren war er an der Budapester Musikakademie aufgenommen worden.

Musik zu komponieren ist nur die eine Sache. Zur Geltung kommt sie erst, wenn sie auch gespielt wird. Es sollte daher viel mehr Kommunikation zwischen Komponisten und Dirigenten geben.
Peter Eötvös

„Die Reisemöglichkeiten waren damals für Bürger osteuropäischer Staaten sehr schlecht und ich konnte nur mit dem Stipendium offiziell in den Westen reisen. Köln war für mich eine Art Mekka der Neuen Musik: Es gab dort das WDR-Orchester, Stockhausen und viele andere Komponisten, die mich interessierten“, erinnert sich Peter Eötvös. Bevor er in die Domstadt reiste, absolvierte der Ungar am Goethe-Institut in Boppard einen dreimonatigen Deutschkurs. „Sprachen sind seitdem ein wichtiges Thema für mich. In jeder Sprache bin ich ein anderer Mensch“, sagt der heute weltbekannte Künstler, der neben seiner Muttersprache fließend Deutsch und Französisch spricht. In seiner Oper „Love and other Demons“ nach der Novelle „Von der Liebe und anderen Dämonen“ von Gabriel García Márquez gibt es ein Sonett in spanischer Sprache und Szenen, die in Latein gesungen werden sowie Passagen in Yoruba, einer westafrikanischen Sprache. Schon für seine erste Oper nach dem Theaterstück „Drei Schwestern“ von Anton Tchechow hatte Eötvös sein Schul-Russisch aufgefrischt, um das Stück in der Originalsprache zu komponieren. „Russisch ist einfach eine wunderbare Sprache für den Gesang.“

Ende der 1960er-Jahre spielte Peter Eötvös regelmäßig im Ensemble von Karlheinz Stockhausen und arbeitete im Elektronischen Studio des WDR. 1980 gab er sein Debüt bei den London Proms, der traditionellen Sommerkonzertreihe mit klassischer Musik in der britischen Hauptstadt. Seither arbeitet er mit den wichtigen Radiosinfonieorchestern Europas und mit vielen Philharmonischen Orchestern zusammen. Mit Kompositionen wie zeroPoints (1999), IMA (2002) oder Jet Stream (2003) erzielte Peter Eötvös große internationale Erfolge. Für seine Arbeiten und CD-Einspielungen erhielt er schließlich zahlreiche internationale Auszeichnungen und Preise – darunter den begehrten Echo-Klassik-Musikpreis für „Choral Recording of the Year“ 2012, ein Jahr zuvor in Italien den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. 2015 erhielt er im Alter von 71 Jahren den höchsten ungarischen Staatspreis, den St. Stephans-Orden.

Die Nachwuchsförderung liegt Eötvös am Herzen: Mit seinem bereits 1991 in Ungarn gegründeten Internationalen Peter Eötvös-Institut unterstützt der Künstler junge Komponisten und Dirigenten. „Ich erinnere mich noch gut an die schwierige Zeit nach meinem Studium und möchte heute jungen Leuten in dieser wichtigen Übergangsphase helfen.“

Anfang 2008 hat er seine Lehrtätigkeit an der Musikhochschule Karlsruhe beendet, wo er seit 1992 – mit einem Intermezzo an der Kölner Musikhochschule (von 1998 bis 2001) – Neue Musik und Dirigieren unterrichtete. Noch heute hält er das DAAD-Stipendium als den entscheidende Ausgangspunkt seiner beruflichen Karriere: „Mein Leben wäre ohne das Stipendium völlig anders verlaufen.“

Stand: 2015-09-26