Otar Iosseliani

Georgien

Filmregisseur

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 1988–1989

Otar Iosseliani DAAD


Mit seinem ersten Spielfilm „April“ biss Otar Iosseliani 1961 bei der sowjetischen Zensur auf Granit. Der Streifen wurde verboten. Sein Film „Pastorale“, den er 1975 in den Bergen Georgiens dreht, wurde von den Behörden als „zu wenig erbaulich“ verurteilt und durfte lange nicht im Ausland gezeigt werden. Poetisch und unrealistisch zugleich zeichnet der Regisseur ein unkonventionelles Bild des Dorflebens mit kritischem Blick auf den Fortschrittsglauben.

Wir Georgier sind stur und halten alles durch, bis wir umfallen.
Otar Iosseliani

Der Zensur passte zunächst auch das nicht. Aber schon damals besann sich der Regisseur, der zuerst Musik und Mathematik studiert hatte, auf die Grundeinstellung seiner Landsleute: „Wir Georgier sind stur und halten alles durch, bis wir umfallen“ - ohne den Humor zu verlieren. Damit ist der Mann aus Tiflis weit gekommen. Immerhin wurde „Pastorale“ vier Jahre später auf der Berlinale ausgezeichnet.

2002 gewann der 1934 geborene Regisseur im Filmpalast den Silbernen Bären für die beste Regie. Den Erfolg landete er mit seinem Film „Lundi Matin“ (Montag Morgen). Darin lässt Iosseliani seinen Helden Vincent eines Morgens nicht mehr zur Arbeit gehen, sondern zur Selbstverwirklichung nach Venedig reisen. Der Ausbruch aus dem Alltag ist ein beliebtes Thema des Regisseurs, der 1982 die Sowjetunion Richtung Frankreich verließ.1988–1989 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Auch nach dem Fall der Mauer und dem Zerfall der Sowjetunion lebte er weiter in Paris. „Alles, was meine Heimat war, ist verschwunden. Wenn ich heute dorthin reise, fahre ich ins Ausland“, sagte Iosseliani 2012 gegenüber dem „Berliner Tagesspiegel“.

Schon acht Filme hatte Iosseliani bis 1984 produziert, bevor er mit seinem ersten im Westen gedrehten Film „Die Günstlinge des Mondes“ den Spezialpreis der Jury in Venedig erhielt. Einmal kehrte Iosseliani in seine Heimat zurück: 1996 erzählte er mit „Briganten Kapitel VII“ die Geschichte des Landes lakonisch komisch nach. 2012 zeigte das Berliner Kino Arsenal zum 77. Geburtstag des Filmemachers eine Retrospektive.

„Alle meine Filme sind georgische Filme“, sagt der Regisseur dennoch. Denn auch wenn die meisten seiner Produktionen Ausgangspunkt und Zentrum in der französischen Provinz haben, so liegt hinter den Fassaden stets ein georgisches Dorf, das wiederum auch ein Dorf irgendwo sonst auf der Welt sein könnte.

Stand: 2015-09-26