Richard Powers

USA/Vereinigte Staaten

Schriftsteller

Samuel-Fischer-Gastprofessur für Literatur 2009

Richard Powers DAAD


Richard Powers, geboren 1957 im amerikanischen Evanston, Illinois, zählt zu den bekanntesten Autoren seines Landes. Mit Romanen wie „Der Klang der Zeit“ (auf Deutsch 2004), „Das Echo der Erinnerung“ (2006) ist er zu einem internationalen Bestseller-Autor geworden, bei Publikum und Kritikern gleichermaßen anerkannt. 2014 erschien sein in den USA preisgekrönter Roman „Orfeo“.

Das ist der Vorteil des Romanciers: Er kann sich überall hinbegeben – und sollte es auch tun.
Richard Powers

Sein Erfolgsrezept besteht in einer sehr effektvollen literarischen Verarbeitung von gewichtigen gesellschaftlichen Themen wie Rassenproblem, Neurowissenschaft oder Gen-Forschung. Diese großen Geschichten sind verschränkt mit Ausflügen in die klassische Musik, die Mathematik oder anderen musischen oder wissenschaftlichen Bereichen. So erlebt der Leser nicht nur ein Lese-, sondern ganz nebenher auch noch ein Bildungserlebnis. Diese Mischung mag den Erfolg seiner Bücher ausmachen. „Ob ich nun über Molekulargenetik ein Buch schreibe oder über die virtuelle Realität, über Musik oder über Fotografie. Es geht immer um unsere Hoffnungen, Ängste und Sehnsüchte. Es gibt keinen Unterschied zwischen unseren Wissenschaften und uns“, sagte Powers 2011 im Deutschlandradio Kultur. Sein Erfindungsreichtum erinnere „an den späten Thomas Mann und den frühen Thomas Pynchon“, befand der große amerikanische Schriftsteller John Updike über seinen Kollegen.

Neugier und breites Interesse zeichneten sich bei Powers, der seine Kindheit in Bangkok verbracht hat, schon früh ab. Er studierte Physik, später Literaturwissenschaft, arbeitete als Programmierer, bildete sich als klassischer Musiker (Cello) aus. Sein erster Roman war Folge eines regelrechten Bildungserlebnisses. Im Museum sah er ein Foto des deutschen Fotografen August Sander. Es zeigt drei Bauern aus dem Westerwald auf dem Weg zu einem Fest. Das Foto und die sich dahinter verbergende Geschichte faszinierte Powers so sehr, dass er seinen Beruf als Programmierer aufgab und einen Roman schrieb. Er erschien 1985 unter dem Titel „Three Farmers on their way to a Dance“.

Powers hat bis 2015 elf Romane veröffentlich, die sich stets mit Gegenwartsthemen auseinandersetzen. „Das ist der Vorteil des Romanciers“, sagt Powers, „er kann sich überall hinbegeben – und sollte es auch tun.“

Seine Neigung galt immer wieder auch der Lehre. Er ist Professor Emeritus an der Universität von Illinois. Im Sommersemester 2009 hatte er an der Freien Universität Berlin die Samuel-Fischer-Gastprofessur für Literatur inne, die 1998 unter Mitwirkung des DAAD eingerichtet wurde. Das Kursthema entsprach seinem besonderen literarischen Anliegen zwischen Fiktion und Fakten: „Facticious Fiction, Fictitious Fact“.

Stand: 2015-09-14