Prof. Dr. Naoji Kimura

Japan

Germanist, Goethe-Forscher

DAAD-Stipendium 1959–1961

Prof. Dr. Naoji Kimura DAAD


Es liegt schon ein paar Jahrzehnte zurück, aber an sein DAAD-Stipendium in München kann sich Naoji Kimura noch sehr gut erinnern: „Ohne schmeicheln zu wollen: Es war die schönste Zeit meines Lebens“, sagt er rückblickend. „Ich gehöre noch zur letzten Stipendiatengeneration, die die Seereise mit dem französischen Passagierschiff von Yokohama bis Marseille hin und zurück durch den Suez-Kanal mitmachen durfte. Schon unterwegs konnte ich mich irgendwie goethisch-universal fühlen.“ Das Stipendium habe ihm die „Bekanntschaft mit dem Geist der deutschen Philologie“ ermöglicht. Außerdem freue er sich, die alte deutsche Universität nach dem Bildungsideal von Wilhelm von Humboldt noch kennengelernt zu haben. Der Wissenshunger der zum Teil viel älteren deutschen Kommilitonen, die im Krieg gewesen waren, beeindruckte den jungen Japaner damals sehr.

Von Goethes Universalität war ich vor allem angetan.
Naoji Kimura

Kimura wurde 1934 in Sapporo, Hauptstadt der japanischen Nordinsel Hokkaido, geboren. Zum Studium der Germanistik kam er über einen kleinen Umweg: „Als ich im April 1955 anfing, an der von den deutschen Jesuiten gegründeten Sophia-Universität in Tokio zu studieren, war mein Hauptfach Philosophie. In diesem Fach hatte man entweder Latein oder Deutsch als Fremdsprache zu erlernen. Ich wollte von Anfang an Deutsch lernen, weil es in Japan traditionell als Wissenschaftssprache galt.“ Nach zweijährigem Deutschstudium entschied er sich für das Fachstudium Germanistik, weil er dort bei einem deutschen Ehepaar – beide DAAD-Lektoren – viel besser Deutsch lernen konnte. „Ich habe bei ihnen nicht nur deutsche Literatur, sondern auch Philosophie und Theologie studiert“, erzählt Kimura. „Von Goethes Universalität war ich vor allem angetan.“ Früh stand für ihn fest, dass er Germanistik-Professor werden wollte. Der Beschäftigung mit Johann Wolfgang von Goethe ist Kimura dabei sein gesamtes Wissenschaftsleben über treu geblieben. Der deutsche Dichter war und ist sein Forschungsschwerpunkt, und zwar „Goethe als Dichter, Denker und Naturwissenschaftler“, wie der Japaner betont.

Für seine Verdienste um die deutsche Sprache und Literatur sowie um den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Japan hat Professor Kimura zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten: 1982 bekam er den Philipp Franz von Siebold-Preis der Bundesrepublik Deutschland, 1992 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Die Goethe-Medaille des Goethe-Instituts erhielt er im Jahr 1996. Im Juni 2003 verlieh ihm der DAAD den Jacob- und Wilhelm-Grimm-Preis. Ebenfalls im Juni 2003 erkannte ihm die Goethe-Gesellschaft in Weimar die Goldene Goethe-Medaille zu. Als besondere Ehre empfand es Kimura, dass man ihn im Jahre 1997 zum Korrespondierenden Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ernannte. Er war Vizepräsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Regensburg, die am 1. Februar 2005 gegründet wurde. Außerdem ist er seit 2003 Vizepräsident eines kulturwissenschaftlichen Instituts (INST) in Wien. Nach seiner Emeritierung von der Sophia-Universität in Tokio im Jahr 2000 zog es Kimura immer wieder nach Deutschland: An der Universität Regensburg unterrichtete er bis 2006 japanische Sprache und Literatur. Heute lebt Naoji Kimura in Tokio.

Stand: 2015-09-30