Nam June Paik

Korea, Republik

Videokünstler

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 1983

Nam June  Paik DAAD


Er gilt als der „Vater der Videokunst“, und seine monumentalen Installationen sind über seinen Tod 2006 hinaus in den großen Museen der Welt zu sehen. Erst 2015 wurde in der Kunstsammlung NRW die raumfüllende Videoinstallation „TV-Garden“ des weltbekannten Künstlers aufgelöst, 200 Palmen wurden innerhalb einer halben Stunde an begeisterte Kunstfreude verschenkt.

Das Fernsehen hat uns ein Leben lang attackiert – jetzt schlagen wir zurück.
Nam June Paik

Nam June Paik, Amerikaner koreanischer Abstammung, wurde 1932 in Seoul geboren, studierte in Tokio und kam in den 1950er-Jahren nach Deutschland, um in Freiburg und München Komposition und Musikgeschichte zu studieren. In den folgenden Jahrzehnten wurde er zum Star der westlichen Kunst-Szene. 1983 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Viele Jahre lehrte er an der Kunstakademie in Düsseldorf.

Als Musiker arbeitete Paik unter anderem mit Karlheinz Stockhausen, doch entscheidend wurde seine Begegnung mit John Cage. In den 1960er-Jahren gehörte er, gemeinsam mit Cage, Beuys und Vostell, der Fluxus-Bewegung an. Zu seinen Aktionen gehörte es, Geigen und Klaviere zu zertrümmern. Aufsehen erregte er, als er in New York einen Roboter die Straße überqueren und von einem Auto überfahren ließ.

Schon in den 1960er-Jahren bastelte er die ersten Installationen aus Fernsehgeräten. Seine Medienkunst ist immer visionär, oft ironisch, ja witzig. Mit Mitteln des Fernsehens wird das Fernsehen kritisiert. Seine Devise: „Das Fernsehen hat uns ein Leben lang attackiert – jetzt schlagen wir zurück.“ Dies ist auch die Intention seiner 1973 geschaffenen elektronischen Collage „Global Groove“, die von April bis Juli 2004 in der Ausstellungshalle Deutsche Guggenheim in Berlin zu sehen war. In der Großraum-Installation aus Bildschirmwänden und „Video Walls“ wurde der Besucher mit einer visuellen Flut verfremdeter Fernsehbilder und Videosequenzen konfrontiert: Zu Rockmusik steppende Tänzer, Pepsi-Werbespots, trommelnde Navajo-Indianer, psychedelische Farbwirbel, das grotesk verzerrte Gesicht Richard Nixons, Material aus aktuellen Nachrichtensendungen, Game Shows und Soaps.

Der Künstler kam zur Eröffnung der Ausstellung eigens aus New York, wo er bis zu seinem Tod lebte. Nach einem Schlaganfall war Nam June Paik an den Rollstuhl gefesselt, doch seine Kreativität blieb ungebrochen – mit Hilfe von Assistenten realisierte er seine künstlerischen Ideen. Am 29. Januar 2006 starb Nam June Paik mit 73 Jahren. In den Nam June Paik Studios in New York City lebt seine Arbeit weiter.

Stand: 2015-09-30