Rouven Rech

Deutschland

Dokumentarfilmer

DAAD-Stipendium 1999–2000

Rouven Rech Grischa Schmitz


Sein Traum von einer Karriere als Fußballprofi erfüllte sich nicht. Doch Rouven Rech hat eine andere Berufung gefunden, die ihn nicht minder begeistert: Er dreht Dokumentarfilme. Dabei spielt auch das runde Leder eine Rolle. Zum Beispiel hat er für Spiegel-TV eine Reportage über die Hoffnungen und den Werdegang von drei ehemaligen Mannschaftskollegen gedreht. Mit ihnen kickte Torhüter Rech gemeinsam in der damals sehr erfolgreichen B-Jugend des TuS Paderborn-Neuhaus. Den Sprung ins Profi-Lager schaffte jedoch keiner.

Es war zwar nie mein expliziter Wunsch, Dokumentarfilmer zu werden, aber nach und nach habe ich gemerkt, wo meine Stärken und Schwächen sind.
Rouven Rech

„Jeder der mal relativ hoch gespielt hat, glaubt, dass er das schaffen kann, aber das erledigt sich schnell,“ sagt er. Traurig über das Ende seiner sportlichen Pläne ist Rech, 1973 in Bochum geboren, nicht. „Filmemachen hat mich schon früh interessiert“, sagt er. Darum entschloss er sich, Medienwissenschaften an der „Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg zu studieren. „Es war nie mein expliziter Wunsch, Dokumentarfilmer zu werden, aber nach und nach habe ich gemerkt, wo meine Stärken und Schwächen sind.“ Am meisten Spaß machte ihm der nicht-fiktive Bereich.

Während des Studiums organisierte er gemeinsam mit Kommilitonen das Studentenfilmfestival „SehSüchte“. Rech betreute die spanisch sprechenden Besucher und freundete sich mit einer Delegation aus Argentinien an. „Die meinten, ich sollte mal nach Argentinien kommen, um mein Spanisch zu verbessern,“ sagt er. Rech ließ sich überzeugen: Mit einem DAAD-Stipendium ging er von Oktober 1999 bis Dezember 2000 an die Universidad del Cine nach Buenos Aires. Dort recherchierte er für seine Diplomarbeit über „Staats- und Ideologiekritik in Genredialektik und Themendiskurs des argentinischen Kinos während des ‚Proceso de Reorganización Nacional‘ (1976-83)“. Das Thema verarbeitete er auch zu dem Film „Entrelineas“. Die Interviews für den Film hatte er bei seinen Recherchen während seines Stipendienaufenthalts gleich mitgedreht.

Nach seinem Diplomabschluss entschied sich Rouven Rech für ein Aufbaustudium im Dokumentarfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg. Den Abschlussfilm „Nachbarn“ drehte er wiederum in Argentinien. Er beschreibt eine Gated Community, ein reiches, abgeschirmtes Viertel im Norden Buenos Aires. Der Film veranschaulicht die soziale Kluft in Argentinien und das soziale Elend nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes.

Inzwischen hat sich Rech als Dokumentarfilmer etabliert. Die mit seinem Kollegen Frank Pfeiffer gedrehte Langzeitdokumentation über die TSG 1899 Hoffenheim, die 2008 den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hat, zeigt die sozialen Auswirkungen des Erfolges auf die Menschen in dem kleinen Ort. Der abendfüllende Dokumentarfilm „Das Leben ist kein Heimspiel“ wurde ein Erfolg, ebenso wie sein Film „Union fürs Leben“ über den Kultklub 1. FC Union Berlin. Beide liefen im Kino, auf zahlreichen Festivals und wurden anschließend im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Aber nicht nur mit Fußball überzeugt der Dokumentarfilmer, der seit 2005 Teilhaber der Film- und Videoproduktion Torero Film GbR in Berlin und Konstanz ist. Für „Adopted“ – eine Dokumentation über die gleichnamige Organisation, die einsame erwachsene Europäer als „Patenkinder“ an afrikanische Familien vermittelt – erhielt er 2011 auf der 17. Filmschau Baden-Württemberg den Preis für den besten Dokumentarfilm.

Stand: 2015-10-01