Silke Pfeiffer DAAD

Silke Pfeiffer

Deutschland

Konflikt- und Friedensberaterin

DAAD-Stipendium 1995


Silke Pfeiffer, geboren 1970, hat eine besondere Beziehung zu Lateinamerika. Bereits nach dem Abitur reiste sie zehn Monate quer durch Paraguay, Bolivien und Argentinien. In der argentinischen Metropole Buenos Aires bekam sie Lust, weitere Seiten des Landes kennen zu lernen. Gelegenheit dazu hatte sie während ihres Studiums der Regionalwissenschaften Lateinamerika an der Universität Köln: Sie erhielt von März bis Oktober 1995 ein DAAD-Stipendium an der Universidad del Norte Santo Tomás de Aquino in Tucumán, Argentinien. „Das war eine sehr spannende Zeit“, erinnert sie sich. In Tucumán wurde in jener Zeit General Antonio Domingo Bussi, der sich während der Militärdiktatur einen unrühmlichen Namen gemacht hatte, zum Gouverneur gewählt. „Die äußerst kontroverse Wahl hat uns aufgerüttelt“, sagt sie. In dieser Zeit war ihr Korruption als großes Problem aufgefallen – ein Thema, das sie lange beschäftigen sollte. Ihr Engagement für Frieden, das sie zum Beruf machte, stammt aus dieser Zeit. Heute ist sie Beraterin zu Konfliktfragen bei der Heinrich Böll Stiftung und berichtet als Autorin regelmäßig für das Norwegian Peacebuilding Resource Centre (NOREF).

Ich war ganz froh, dass es mich nicht in die Hauptstadt verschlagen hat. So eine Provinzstadt ist eine kleine, überschaubare Welt, die man in einem halben Jahr ganz gut durchdringen kann.
Silke Pfeiffer

Tucumán bot ihr einen guten Einblick in die argentinische Realität. „Ich war ganz froh, dass es mich nicht in die Hauptstadt verschlagen hat,“ sagt sie. „So eine Provinzstadt ist eine kleine, überschaubare Welt, die man in einem halben Jahr ganz gut durchdringen kann.“ Sie sang in einem Chor mit – und das sei das Beste gewesen, was sie machen konnte: „Auf einem Schlag kannte ich viele neue Leute.“ Noch heute pflegt sie Kontakt zu einigen Mitgliedern.

Direkt nach ihrem DAAD-Stipendium absolvierte Silke Pfeiffer ein Praktikum bei einer Menschenrechtsorganisation in Buenos Aires. Dabei bereitete sie ihre Diplomarbeit über die Aufarbeitung der Militärdiktatur unter dem demokratischen Präsidenten Raúl Alfonsín vor. Zu diesem Zeitpunkt reifte der Wunsch, später in der Entwicklungszusammenarbeit tätig zu werden. Ein weiterer Schritt in diese Richtung war eine Fortbildung beim Deutschen Institut für Entwicklungshilfe (DIE), die junge Akademiker in neun Monaten für ihren Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit schulte. Beim DIE lernte sie die Organisation Transparency International kennen, die sich mit Korruption beschäftigt. Sie entwickelt unter anderem Instrumente, mit denen sich öffentliche Systeme von Ausschreibungen oder Parteienfinanzierung transparenter gestalten lassen. „Diese Arbeit hat so unterschiedliche politische, wirtschaftliche, soziale Dimensionen. Das fand ich sehr interessant. “ Die Faszination ließ nicht nach: Silke Pfeiffer stieg bei Transparency International als Lateinamerika-Direktorin ein. Von 2010 bis 2013 war sie Projektleiterin für Kolumbien und die Andenregion bei der International Crisis Group und berichtete von Bogotá aus ausführlich über den kolumbianischen Konflikt.

Stand: 2015-10-04