Dr. Tristan Hughes

Vereinigtes Königreich

Schriftsteller

Picador-Gastprofessur für Literatur 2006–2007

Dr. Tristan  Hughes DAAD


Der britische Autor Tristan Hughes ist ein Wanderer zwischen den Welten. Geboren wurde er in Kanada, doch mit zwei Jahren zog er mit seinen Eltern nach Großbritannien, auf die walisische Insel Ynys Mon. Dort lebt er auch heute, aber seine kanadischen Wurzeln sind für ihn immer präsent. Er wuchs mit walisischen Insel-Geschichten und -Legenden auf, las aber ebenso intensiv in den kanadischen und amerikanischen Büchern. Dies hat auch sein Schreiben beeinflusst. In seinen Romanen ist die Insel zwar der zentrale Handlungsort, spiegelt aber auf verschiedenste Weise die Außenwelt.

Die moderne Welt mit ihrer Möglichkeit zur Mobilität ruft gleichzeitig den Wunsch nach regionaler Identität hervor.
Tristan Hughes

Hughes studierte Literaturwissenschaft an den Universitäten York, Edinburgh und Cambridge (King’s College) und unterrichtete danach amerikanische Literatur in Cambridge, Taiwan und Bangor (USA). Um Studenten die amerikanische Literatur zu vermitteln, kam er im Wintersemester 2006/2007 an die Universität Leipzig. Dort war er erster Inhaber des neu geschaffenen Picador-Gastlehrstuhls für Literatur am Institut für Amerikanistik. Der DAAD hat den Lehrstuhl gemeinsam mit dem Veranstaltungsforum der Holtzbrinck Verlagsgruppe und der Universität Leipzig eingerichtet, um den Reichtum der anglo-amerikanischen Sprache und Literatur den Studierenden auf dem direkten Weg über Schriftsteller, Drehbuchautoren und Literaturkritiker aus dieser Region nahe zu bringen.

Tristan Hughes, der nach eigenen Worten gern nach Leipzig kam, weil er dort der „großen Tradition der Leipziger Geistesgeschichte, des Buchdrucks und des Verlagswesens“ begegnen wollte, las dort amerikanische Literatur mit dem Schwerpunkt Short Story. Für seine Kurzgeschichten hatte der Autor 2002 den Rhys Davies Short Story Award erhalten. Seine beiden Romane „The Tower“ (Parthian Books, 2003) und „Send My Cold Bones Home“ (Parthian, 2006) erhielten höchstes Kritikerlob.

Obwohl beide Romane auf der Insel Ynys Mon spielen, ist darin von provinzieller Enge nichts zu spüren. In einem Interview hat Hughes das einmal so erklärt: „Wenn man von zwei verschiedenen Orten stammt, gehört man zu keinem ganz. Man sieht beide Orte gleichzeitig von außen und von innen.“ Gleichzeitig sagt er: „Die moderne Welt mit der Möglichkeit des billigen Reisens und der Mobilität auf der einen Seite ruft auf der anderen den Wunsch nach Heimat und regionaler Identität hervor.“ So sind seine Figuren – wie er selbst – oft keine Einheimischen oder sie sind weitgereist. Der Autor beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Nähe und Ferne, dem Einfluss der Vergangenheit auf das gegenwärtige Leben seiner Figuren und der Beziehung Mensch und Natur. Sein Interesse an den unsichtbaren Einflüssen auf das Leben drückt sich in seinem Schreibstil aus: Seine Romane sind in Teilen von der „gothic novel“, dem Schauerroman, geprägt.

In Leipzig schrieb Hughes an seinem dritten Roman „Revenant“, der 2008 veröffentlich wurde. Er erzählt von drei Freunden, die sich nach zehn Jahren in ihrem Heimatdorf an der walisischen Küste wiedersehen, um sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Damals ertrank ihr bester Freund Del im Meer – dieses Trauma wurden sie seitdem nicht mehr los. 2009 verbrachte Hughes als Fellow der Santa Maddalena Stiftung in der Nähe von Florenz. Dort entstanden Teile seines nächstes Buches Eye Lake, das 2012 veröffentlich wurde.

Bis heute ist keines von Tristan Hughes Büchern in deutscher Sprache erschienen. Der Autor lehrt an der Cardiff University in Wales.

Stand: 2015-09-14