Patrick Roth

Deutschland

Schriftsteller, Regisseur

DAAD-Stipendium 1975

Patrick Roth DAAD


Am Anfang war der Film. 1975 kommt der 22-jährige Anglistik- und Romanistik-Student Patrick Roth aus Freiburg im Breisgau mit einem DAAD-Stipendium nach Los Angeles. Dort widmete er sich indes weniger dem Sprachstudium als vielmehr seiner Leidenschaft Kino. In der Filmstadt, in der er noch heute lebt, nimmt er Schauspiel- und Regieunterricht und arbeitet als Filmjournalist bevor er als Drehbuchautor und Regisseur erste eigene Filmprojekte realisiert: „The Killers“, ein abendfüllender Film nach und mit Charles Bukowski macht 1981 in den USA Furore.

Schreiben ist Totensuche.
Patrick Roth

Mit der Schriftstellerei, die ihn beim deutschen Publikum bekannt machen sollte, tritt Roth erst nach rund 15 Jahren USA-Aufenthalt in Erscheinung. Das literarische Schreiben war ein „Projekt der Selbstbewahrung“: Antrieb war laut Roth vor allem die Angst vor dem Verlust der Muttersprache, in die er sich mit seinen deutschen Texten „rettet“. Zwischen 1985 und 1990 schreibt er zunächst Hörspiele, die in Deutschland produziert und gesendet werden. Zumeist führt er selbst Regie.

Der literarische Durchbruch gelingt 1991 mit der so genannten Christusnovelle „Riverside“. 1993 und 1996 folgen zwei weitere Erzählungen, in denen, wie Roth selbst sagt, „Jesus vorkommt“. Zusammen mit „Riverside“ firmieren sie als „Christus-Trilogie“ und gelten als Roths Opus magnum.

Neben dem Film ist es vor allem die Bibel, die Roth die Stoffe für seine jüngeren Erzählungen und Essays liefert. Dabei gelingt es, „dem Genre der biblischen Erzählung mit Mitteln filmischer Spannungsdramaturgie neue Reize abzugewinnen“, urteilt die Jury des 2003 an Roth verliehenen Literatur-Preises der Konrad-Adenauer-Stiftung.

„Schreiben ist Totensuche“, sagt Roth in den Poetik-Vorlesungen, die er 2002 an der Frankfurter Goethe-Universität hält. „Tot ist, was tief in mir vergraben, kein Bewusstsein mehr streift. Paradoxerweise ist dieses ‚Tote‘, das ich suche, sammle, einlese, nur ein mir Totes, das heißt tot, aber gleichzeitig hochlebendig“ – der Autor als Orpheus, der ins Totenreich hinabsteigt, um sein Verlorenes zurück ins Leben zu holen. Die Frankfurter Vorlesungen stehen unter dem Titel „Ins Tal der Schatten“. Anknüpfend daran berichtet Patrick Roth zwei Jahre später in seinem dreiteiligen Heidelberger Vorlesungszyklus „Zur Stadt am Meer“ über die Erfahrung mit dem Unbewussten, die für sein Schreiben grundlegend ist. Beide Vorlesungsreihen sind als Bücher bei Suhrkamp erschienen. 2012 erhielt er erneut eine Poetikdozentur in Heidelberg und las zum Thema „Erzählen in Bildern“.

Stand: 2015-10-05