Prof. Norman Manea

Rumänien

Schriftsteller, Professor für European Studies and Culture am Bard College, New York/USA

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 1987

Prof. Norman Manea DAAD


Er ist einer der ganz großen Schriftsteller seines Heimatlandes, vielleicht der berühmteste lebende Autor Rumäniens überhaupt: Norman Manea. Er ist 1936 als Kind jüdischer Eltern in der Bukowina geboren, ist Holocaust-Überlebender und Zeitzeuge der kommunistischen Diktatur unter Ceauçescu. Auf Rumänisch geschrieben sind auch seine in 15 Sprachen übersetzten Bücher, wie etwa die Romane „Der schwarze Briefumschlag“ (1998) und „Die Höhle" (2012) oder die Essaysammlungen „Über Clowns. Der Diktator und der Künstler“ (2002) und „Wir sind alle im Exil“ (2015).

Nach diesen vier Jahren Unstabilität hatte ich nie mehr ein Gefühl der Sicherheit. Aber darum habe ich gekämpft und schließlich eine Heimat in der Sprache gefunden.
Norman Manea

Manea selbst lebt seit 1988 im Exil in New York, wo er europäische Kulturgeschichte lehrt und seine auf Rumänisch geschriebenen Bücher veröffentlicht. In Rumänien sind seine sozial- und systemkritischen Texte, in denen er sich häufig sarkastisch und mittels surrealer Bilder mit seiner persönlichen Geschichte wie mit der seines Heimatlandes auseinander setzt, bis heute Gegenstand kontrovers geführter Diskussionen.

Als Fünfjähriger war Manea mit seiner Familie nach Transnistrien in der Ukraine deportiert worden. Vier Jahre später kehrte er in das mittlerweile sozialistisch regierte Rumänien zurück – als ein neunjähriger „Greis“, wie er sich später selbst beschrieb. Nach seinem Studium war er zunächst als Wasserbauingenieur tätig, bevor er ab 1974 als freier Autor zu arbeiten begann. Von der Kritik hoch gelobt und mit Kafka und Joyce verglichen, erhielt er 1979 den Literaturpreis der Bukarester Schriftstellervereinigung.

Der Literaturpreis der rumänischen Schriftstellervereinigung allerdings wurde ihm unter dem Druck der staatlichen Zensoren nach seiner Verleihung 1984 wieder aberkannt. Vorausgegangen war drei Jahre zuvor ein Interview für ein Literaturmagazin, in dem Manea die nationalistischen und antisemitischen Tendenzen in Rumänien beklagte und sich für eine demokratische Öffnung des Landes ausgesprochen hatte – eine Haltung, die ihm von der offiziellen Presse als staatsfeindlich ausgelegt worden war und zu einer Kampagne mit antisemitischen Untertönen gegen ihn geführt hatte. 2012 wurde dieser Geschichte ein versöhnliches Ende gesetzt und der Verband der Schriftsteller Rumäniens verlieh ihm den Nationalpreis für Literatur für das Jahr 2011 – das Jahr, in dem er auch den Nelly-Sachs-Preis erhalten hatte.

Nach Westberlin kam Manea noch in den 1980er-Jahren: 1987 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Mit „Roboterbiographie und andere Erzählungen“ erschien damals die erste deutsche Übersetzung eines seiner Werke. Daran anschließend ging er mit einem Fulbright-Stipendium in die USA – und blieb: Noch heute lebt der Schriftsteller in Manhattan; erst 1997 ist er zu einem Besuch wieder in sein Heimatland zurückgekehrt. In „Die Rückkehr des Hooligan“, seinem Selbstporträt, so der Untertitel, aus dem Jahr 2003 (Deutsch 2004), hat Manea die Eindrücke dieser Reise nach Rumänien ebenso ergreifend beschrieben wie die Erfahrungen, die er in zwei totalitären Systemen und später im Exil gemacht hat – und das Exil sollte sein großes Thema bleiben.

Stand: 2015-09-26