Prof. Dr. Rokuro Makabe

Japan

Arzt, Wissenschaftler

DAAD-Stipendium 1960

Prof. Dr. Rokuro Makabe DAAD


Rokuro Makabe grübelte lange, wer ihn wohl für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen haben könnte. Immerhin war der Arzt und Wissenschaftler zu dem Zeitpunkt bereits seit 13 Jahren im Ruhestand. Makabe wurde 1930 in Japan geboren. Mit der hohen Auszeichnung wurden seine langjährigen Verdienste um die Augenheilkunde, die gemeinsame deutsch-japanische Forschung sowie den internationalen Kulturaustausch gewürdigt. Einige Jahre zuvor hatte der Mediziner für sein kulturelles Engagement eine ähnliche Auszeichnung seines Heimatlandes erhalten.

Deutschland war für uns das Traumland und Stipendien waren heiß begehrt.
Rokuro Makabe

Rokuro Makabe kam 1960 als junger Assistenzarzt mit einem DAAD-Stipendium an die Universitätsklinik nach Frankfurt. „Deutschland war für uns das Traumland und Stipendien waren heiß begehrt“, sagte er über die Entscheidung, seine Heimatstadt Niigata zu verlassen. Eigentlich wollte er nur ein bis zwei Jahre am Main bleiben. Dass daraus fast fünf Jahrzehnte geworden sind, lag an einer jungen Medizinstudentin, die 1963 zuerst seine Assistentin an der Augenklinik wurde und im Jahr darauf seine Ehefrau. 1974 nahm Rokuro Makabe die deutsche Staatsbürgerschaft an. Von 1973 bis zu seiner Emeritierung 1996 leitete er als Medizinprofessor die Abteilung für Funktionsdiagnostik und Lasertherapie am Zentrum für Augenheilkunde der Uniklinik Frankfurt. Er befasste sich vor allem mit der Durchblutung des Auges und entwickelte eine spezielle Methode zur Messung des Augendrucks; sie hilft, auch Risiken für Schlaganfall früh zu erkennen. Mit seiner Forschung hat der einstige Stipendiat besonders zum Verständnis von Durchblutungsstörungen am Auge beigetragen.

Mehr als 160 wissenschaftliche Arbeiten schrieb Rokuro Makabe während seiner Forschertätigkeit, viele davon übersetzte er ins Japanische. Einige Fachartikel verfasste er sogar in seiner Lieblingssprache Esperanto. Den Kontakt zu Japan hat er nie abgebrochen: Häufig reiste er zu Vorträgen in sein Heimatland und holte im Gegenzug viele japanische Wissenschaftler an den Main.

Nach seiner Emeritierung widmete sich Rokuro Makabe dem Esperanto. Er war in verschiedenen Organisationen aktiv, die sich mit der Weiterentwicklung und Pflege der Kunstsprache beschäftigen. Er nahm an den Zusammentreffen der Frankfurter Esperantogesellschaft teil und besuchte die jährlichen Esperanto-Weltkongresse. „Esperanto war nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan stark verbreitet“, so Rokuro Makabe. „Für uns war das Ausland damals weit weg und ich habe viele Briefwechsel in Esperanto geführt.“

Prof. Dr. Rokuro Makabe starb am 7. April 2012 im Alter von 82 Jahren.

Stand: 2015-09-29