Sean Chen

Taiwan

Politiker, ehemaliger Ministerpräsident der Republik China, Taiwan

DAAD-Stipendium 1977–1978

Sean Chen Hsu Shih-Mou


Es ist schon bemerkenswert: Obwohl Sean Chens Zeit als DAAD-Stipendiat an der Frankfurter Goethe-Universität über drei Jahrzehnte zurückliegt, wird sie in Berichten über den ehemaligen taiwanesischen Ministerpräsidenten immer wieder erwähnt. Chens Aufenthalt in Deutschland wirkt offenbar nach. Er war auch ausschlaggebend dafür, dass Sean Chens Familie 2011 die deutsche Journalistin Maya Kristin Schönfelder bei sich aufnahm. 250 Familien aus ganz Taiwan beteiligten sich an dem Programm „Saytaiwan“, das anlässlich des 100. Jahrestags der Gründung der Republik China (so nennt sich das Land offiziell selbst) junge Leute aus rund 100 Ländern einlud.

Taiwan braucht eine neue Welle ökonomischer Veränderungen.
Sean Chen

Die derart demonstrierte Offenheit war auch Leitmotiv von Chens Amtszeit als Premier (2012/2013). Bereits als stellvertretender Ministerpräsident förderte der Politiker eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China und öffnete den taiwanesischen Markt für chinesische Banken. Zu seinen Hauptzielen als Premier zählte Chen, auch mit Blick auf Taiwans Außenhandelsbeziehungen, „eine neue Welle ökonomischer Veränderungen“. So forderte er mehr Freihandelsabkommen, „um den Geist der Welthandelsorganisation zu verankern“.

Chens internationales Renommee als Wirtschafts- und Finanzfachmann rührt insbesondere von seinen Ämtern als Leiter der taiwanesischen Finanzmarktaufsicht und als Vize-Premier. Chen steuerte Taiwan in diesen Positionen erfolgreich durch die globale Finanzkrise. Die „Neue Zürcher Zeitung“ nannte ihn einen „Wachstumszar“. Seinen Abschluss an der National Taiwan University machte Chen 1973 allerdings als „Master of Law“, bevor er 1977/1978 noch das DAAD-Stipendium in Frankfurt wahrnahm. Im Februar 2013 trat Sean Chen von seinem Amt als Ministerpräsident zurück.

Stand: 20135-09-29