Dr. Michael Jansen

Deutschland

Jurist, Diplomat, ehemaliger Chef des Bundespräsidialamts

DAAD-Stipendium 1968–1969

Dr. Michael Jansen DAAD


Der zweite Mann im Bundespräsidialamt – gleich hinter dem Bundespräsidenten – war vom 1. Juli 2004 bis zum 1. März 2006 Michael Jansen. Mit dem Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren ist er aus diesem Amt ausgeschieden. Er war Staatssekretär des damals amtierenden Bundespräsidenten Horst Köhler (CDU) und leitete dessen Büro − und nicht nur das. Obwohl Jansen das CDU-Parteibuch hat, durfte er, dank seiner Position, auch an den streng vertraulichen Kabinettsitzungen der rot-grünen und dann schwarz-roten Regierung teilnehmen.

Ich habe gelernt, auf kooperative Weise Konsens herzustellen.
Michael Jansen

Der 1941 geborene Spitzenbeamte im Ruhestand hat hinreichend Politikerfahrung. Jansen wurde als Sohn eines deutschen Diplomaten in Athen geboren, studierte Jura in Bonn, Köln und Washington und absolvierte als DAAD-Stipendiat ein Studium der Verwaltungswissenschaften an der Pariser Elitehochschule ENA (Ecole Nationale d'Administration). Als Mitarbeiter des Auswärtigen Amts sammelte er erste Berufserfahrungen in Spanien, Brüssel und Venezuela. Er schrieb Reden für Bundespräsident Carl Carstens, der von 1979 bis 1984 amtierte, und stieg in den Achtzigerjahren im Auswärtigen Amt unter Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) auf der Karriereleiter bis zum Leiter des Ministerbüros auf. 1989 handelte er mit der ungarischen Regierung die Grenzöffnung für Tausende von DDR-Bürgern aus.

1990 wechselte Jansen als Generalbevollmächtigter in die Vorstandsetage der Firma Degussa. Dort veranlasste er, dass ein Historikerteam Zugang zu den Firmenarchiven erhielt, um sich mit der Geschichte des Konzerns während der Nazizeit zu befassen und das Schweigen über die „braune“ Vergangenheit der Firma zu brechen. Degussa hatte in der Hitler-Zeit das Zahngold ermordeter KZ-Häftlinge verarbeitet. Als 1991 irakische Raketen über Israel niedergingen, machte Jansen spontan einen Solidaritätsbesuch in dem jüdischen Land.

Im September 2000 wechselte der Jurist an die Spitze der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die für die Zahlung finanzieller Entschädigungen an ehemalige Zwangsarbeiter der Nazis zuständig ist. Bis Mitte 2006 wurde fast der gesamte zur Verfügung stehende Betrag in Höhe von 4,32 Milliarden Euro für mehr als 1,66 Millionen ehemalige Zwangsarbeiter abgerufen. Für diese Tätigkeit – der er nach wie vor in hohen Positionen treu ist, 2015 als Interims-Vorstandsvorsitzenden des Kuratoriums – braucht Jansen viel Fingerspitzengefühl. Auf die Frage nach seinem Umgang mit Konflikten hat er einmal geantwortet, er habe gelernt, auf kooperative Weise Konsens herzustellen.

Stand: 2015-10-05