Prof. Memo Anjel

Kolumbien

Schriftsteller, Professor für Soziale Kommunikation an der Universidad Pontificia Bolivariana

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 2005

Prof. Memo Anjel DAAD


Als Memo Anjel 1954 in Medellín geboren wurde, waren seine Eltern – sephardische Juden – gerade erst nach Kolumbien eingewandert. Sie kamen aus Algerien und erlebten in den 1950er-Jahren im jüdischen Viertel von Medellín die Anfangsschwierigkeiten der Emigration. Davon handelt auch Memo Anjels Roman „Das meschuggene Jahr“, das erste ins Deutsche übersetzte Buch des Autors, mit dem er 2005 während seines Aufenthalts als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Deutschland sehr erfolgreich auf Lesereise ging.

Ich bin Professor für den Lebensunterhalt und Schriftsteller für die Seele.
Memo Anjel

Memo Anjel ist nach seinen eigenen Worten „Professor für den Lebensunterhalt und Schriftsteller für die Seele“. Als Professor unterrichtet er Soziale Kommunikation an der Universidad Pontificia Bolivariana, der zweitgrößten von zwölf Universitäten der Stadt Medellín. Als Schriftsteller veröffentlichte er zahlreiche Romane, Erzählungen und Essays. In „Das meschuggene Jahr“ erzählt er mit viel Humor von den skurrilen Figuren einer jüdischen Emigranten-Familie in Medellín, die davon träumt, eine Reise nach Jerusalem zu machen. Anjel, der selbst mehrere Jahre in Israel gelebt hat, lässt diese Reise für seine Figuren wahr werden − in seinem Roman „Mindeles Liebe“, den er in Berlin vollendete und der im Jahr 2009 auch in deutscher Sprache beim Rotpunktverlag in Zürich erschien.

Mit Kolumbien und insbesondere Medellín assoziieren viele Menschen Bürgerkrieg, Gewalt und Drogenhandel. Davon findet sich in Anjels Büchern ganz bewusst nichts. Anjel zählt sich zu einer Gruppe moderner kolumbianischer Schriftsteller, die nicht mehr spezifisch kolumbianisch, sondern universal denken und schreiben. „Menschen machen weltweit ähnliche Erfahrungen − ob sie in Kolumbien oder Deutschland leben: Sie haben Familie, arbeiten, leiden, erleben die gleichen Tragödien, Krieg und Emigration.“

Während seines Aufenthalts in Berlin verfasste Anjel seine Erzählbände „Das Fenster zum Meer“ und „Geschichten vom Fenstersims“ (erschienen 2007) – und zeigte sich in Letzterem als intensiver Beobachter der deutschen Hauptstadt. Für die kolumbianische Tageszeitung „El Colombiano“ schrieb er regelmäßig Kolumnen aus Deutschland. Er verfasste sie in Form von Briefen an deutsche Geistesgrößen und Stars wie etwa Albert Einstein, Jacob Grimm, Marlene Dietrich oder Max Schmeling. Aktuell leitet er neben seiner Arbeit als Schriftsteller und Professor das Programm „La otra historia“ des Senders Radio Bolivariana.

Stand: 2015-09-14