Dr. Marek Prawda

Polen

Diplomat, Botschafter der Republik Polen bei der Europäischen Union

DAAD-Stipendium 1987–1989

Dr. Marek Prawda DAAD


Vier Begegnungen mit Deutschland haben das Leben und die Laufbahn des Karriere-Diplomaten, profilierten Deutschland-Kenners und Wissenschaftlers Marek Prawda entscheidend beeinflusst. Von 1975 bis 1979 studierte der 1956 in Kielce, Polen, geborene Sozialwissenschaftler an der Universität Leipzig. Er litt unter der Enge, die das politische System vorgab und knüpfte Kontakte zu Vertretern oppositioneller Kreise. Einige dieser Kontakte sind heute noch lebendig. 1987 kam der dann promovierte Soziologe als DAAD-Stipendiat aus Warschau an die Universität Hamburg. Dort berichtete er seinen deutschen Kommilitonen von den polnischen Reformbewegungen und kehrte als Aktivist der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc nach Warschau zurück. In der polnischen Hauptstadt leistete er im Ausschuss für Selbstverwaltung seinen Beitrag zur demokratischen Wende in seiner Heimat.

Deutschland und Polen – ich nenne das eine gereifte Partnerschaft, zunächst als Zielsetzung.
Marek Prawda

1992 schickte die junge Republik Polen den Deutschlandkenner Prawda, der sich als Wissenschaftler und Generalsekretär des Landesvorstandes der Polnisch-Deutschen Gesellschaft profiliert hatte, als Diplomat nach Bonn. Dieser dritte Aufenthalt währte sechs Jahre. Marek Prawda kletterte in Bonn, dann in Warschau und Stockholm die diplomatische Karriereleiter hinauf. Im September 2006 kam der sprachgewandte Pole, der Deutsch, Englisch, Französisch, Schwedisch und Russisch beherrscht, zurück nach Deutschland, nun als Botschafter in Berlin bis 2012. Er verband die Liebe zu seinem Land, für dessen Demokratisierung er gekämpft hatte, mit einem tiefen Verständnis und spürbarer Sympathie für sein deutsches Gastland.

Die Irritationen, die es seit einigen Jahren auf politischem Parkett zwischen beiden Ländern hin und wieder gibt, hält er für ein Stück Normalität. „Wir lernen auch, andere Meinungen zu haben. Und das nenne ich gereifte Partnerschaft, zunächst als Zielsetzung.“

In der „Bonner Republik“, so Marek Prawda, habe er gerne gelebt, ebenso in Berlin. Die deutsche Hauptstadt sei genau der richtige Ort zur Zusammenführung der Interessen im nach Osten gewachsenen Europa. „Wir müssen unsere Versöhnung auf eine solide Basis stellen, damit wir die Hände frei haben für die praktische Politik.“

Um eine Zusammenführung von West und Ost bemüht sich Prawda inzwischen in Brüssel: Am 1. September 2012 trat er sein Amt als Botschafter der Republik Polen bei der Europäischen Union an.

Stand: 2015-09-26