Maciej Popowski

Polen

Diplomat, Stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Auswärtigen Dienstes

DAAD-Stipendium 1989–1990

Maciej  Popowski Jock Fistick


Die deutsche Sprache hat ihn von Kindertagen an begleitet: Maciej Popowski, in Polen geboren und aufgewachsen, kam zuerst am Marktplatz von Wrocław (Breslau) mit deutschem Vokabular in Kontakt. Dort hing ein Werbeplakat aus den dreißiger Jahren. „Für Persil, glaube ich“, sagt Popowski und erinnert sich an eine weitere Fassade: „LSR“ für Luftschutzraum stand, 20 Jahre nach dem Krieg, auf einer der Wände geschrieben. Das weckte nicht nur sein Interesse für Geschichte: In der Schule belegte er nach dem Pflichtfach Russisch das Wahlfach Deutsch.

Ich hatte das Glück, zu der Generation zu gehören, die zu jung war, um ernsthaft mit dem kommunistischen Regime konfrontiert zu werden, und alt genug, um sich nach dem Ende des Regimes unbelastet einbringen zu können.
Maciej Popowski

In den 1980er-Jahren begann Popowski sein Studium der deutschen und niederländischen Literatur an der Universität Wroclaw. Einen Monat vor dem Fall der Mauer konnte der damals 24 Jahre alte Wissenschaftler mithilfe eines DAAD-Stipendiums neben der deutschen Sprache und Literatur auch Land und Leute kennenlernen. Von Oktober 1989 bis Februar 1990 arbeitete er als Assistent an der Universität Siegen, die gerade vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zur besten Universität Deutschlands gekürt worden war. Auf der Hinfahrt war er noch durch die alte DDR gereist, zurück ging es durch ein Land im demokratischen Aufbruch. Prägende Zeiten. Später kam Popowski während seiner Ausbildung zum Diplomaten wieder nach Deutschland – an die Aus- und Fortbildungsstätte des Auswärtigen Amtes in Bonn.

Kurze Zeit darauf wechselte Popowski in die polnische EU-Vertretung nach Brüssel und wurde im Jahr 2008 Direktor in der Generaldirektion Entwicklung in der Europäischen Kommission. Ein Jahr später berief ihn der damalige Präsident des Europaparlaments Jerzy Buzek zum Kabinettschef. Seit 2010 ist er Stellvertretender Generalsekretär des neuen Europäischen Auswärtigen Dienstes. Etwas Neues aufzubauen, das hat er nach der Wende gelernt. Menschen, Mentalitäten, Staaten zusammenzubringen, hat ihn auch der Austausch mit dem DAAD gelehrt. 2015 leitete der geschickte EU-Diplomat die Verhandlungen mit der Schweiz im Streit um die neuen Zuwanderungsregelungen.

Stand: 2015-09-17