Luca Lombardi

Italien

Komponist

DAAD-Stipendium 1968–1972, Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 1998–1999

Luca Lombardi Leo Contini


Die Bindungen von Luca Lombardi an Deutschland bestehen seit der Kindheit: Der Vater, ein bedeutender Philosoph, und die jüdische Mutter vertrauten auf die deutsche Kultur und ein neues Europa. Deshalb schickten sie ihre vier Kinder auf die Deutsche Schule in Rom, wo der junge Luca nicht nur sein Abitur machte, sondern auch seine ersten Kompositionen der Klasse vorspielte. Heute sind viele der mittlerweile rund 150 Werke des Römers, Jahrgang 1945, in Opernhäusern und Konzertsälen in Europa, Amerika und Japan zu hören. Zwei seiner drei Opern wurden in Deutschland uraufgeführt, zuletzt 2006 „Prospero“ in Nürnberg. Nach seinem Studium in Wien und Rom ging Luca Lombardi 1968 für fast vier Jahre nach Köln, wo sich die Neue Musik entfaltete. „Zum ersten Mal war ich dank des DAAD-Stipendiums richtig selbständig, und ich kann sagen, dass in Köln mein Weg als Komponist und Mensch seinen eigentlichen Lauf nahm. Es präzisierten sich meine künstlerischen Interessen, und es begann ein neuer Abschnitt meines Lebens.“

In Köln nahm mein Weg als Komponist und Mensch seinen eigentlichen Lauf. Es präzisierten sich meine künstlerischen Interessen, und es begann ein neuer Abschnitt meines Lebens.
Luca Lombardi

Kurse bei Karlheinz Stockhausen, Bernd-Alois Zimmermann, Vinko Globokar und dem Begründer des ersten Studios für elektronische Musik, Herbert Eimert, inspirierten Luca Lombardi, machten ihm aber zugleich klar: „Man muss seinen eigenen Weg finden, da hilft kein Lehrer. Und man braucht Mut, auch gegen den Strom zu schwimmen.“ Diesen Mut hatte und hat Luca Lombardi. Als damals überzeugter Marxist promovierte er über den deutschen Komponisten Hanns Eisler und wurde 1973 Meisterschüler von Paul Dessau in Ost-Berlin.

Schon vor der Kölner Zeit begann Luca Lombardi, seine Idee einer pluralen Musik zu verfolgen, die den dogmatischen Vorstellungen von der Reinheit der Neuen Musik zuwider liefen. Er spricht auch von inklusiver Musik, die verschiedene Stilebenen, musikalische Verfahrensweisen und musikalische Dialekte einschließt. So kommen in seinen Opern, Symphonien, Oratorien und Kantaten sowie in seiner Kammer- und Klaviermusik sowohl Dur-Moll-Harmonik als auch Zwölftonmusik vor.

Seit 1993 hat sich der Italiener ganz dem Komponieren verschrieben. Seine Tätigkeit am Mailänder Konservatorium, wo er seit 1978 lehrte – davor am Konservatorium von Pesaro –, gab er auf. Luca Lombardi wurde mit mehreren deutschen Stipendien ausgezeichnet, 1998 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Lombardi ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Bayerischen Akademie der schönen Künste in München. Mit 70 Jahren erhielt er 2015 das Bundesverdienstkreuz.

Stand 2015-09-11