Dr. Riina Kionka

Estland

Diplomatin

DAAD-Stipendium 1988

Dr. Riina Kionka DAAD


Wer Riina Kionka zum ersten Mal begegnet und sie sprechen hört, ist nicht wenig erstaunt: Riina Kionka spricht Deutsch mit leicht amerikanischem Akzent. Im amerikanischen Detroit wurde sie geboren, als Tochter einer estnischen Emigrantin und eines Amerikaners, dessen Vorfahren aus Deutschland kamen. So sprach sie als Kind neben Englisch bereits Estnisch, lernte später auch Deutsch und Russisch. Weil ihr „die Politik im Blut lag“, studierte sie Internationale Beziehungen und Sowjetologie.

Estland ist klein, aber fein, innovativ und progressiv – ein hip, happening little country!
Riina Kionka

Die sowjetische Außenpolitik war ihr Thema, als sie 1988 mit einem Stipendium des DAAD nach Bonn kam, doch statt eine Doktorarbeit zu schreiben, nahm sie eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Radio Freies Europa in München an. Einmal nur hatte die junge Amerikanerin als Touristin das Baltikum besucht, doch für den Sender, der seine Funk-Botschaften aus der westlichen Welt in alle Erdteile ausstrahlte, wandelte sich Riina Kionka nun von der Sowjetologin zur Spezialistin für Estland. Als Estland die sowjetische Herrschaft abgeschüttelt und am 20. August 1991 die Unabhängigkeit wiederhergestellt hatte, hielt sie nichts mehr in München. 1992 trat sie eine Stelle im estnischen Außenministerium in Tallin an und erlebte mit, wie Estland als Staat ganz neu entstand.

1996 folgte sie ihrem Mann, einem estnischen Diplomaten, nach Amerika, wo sie die Promotion nachholte, ihr Thema: die estnische Politik. Vier Jahre später kehrte sie – jetzt Mutter zweier Kinder – nach Europa zurück und hielt als estnische Botschafterin mit ihrer Familie Einzug in Berlin.

Ein wahrer Glückstag war für sie der 14. September 2003, als die estnische Bevölkerung sich mehrheitlich für den Beitritt in die Europäische Union aussprach. Bis zum letzten Augenblick war diese von Riina Kionka sehnlich herbei gewünschte Entscheidung keineswegs sicher. Wenn sie solche Spannungen aushalten muss, schließt sie schon mal die Tür ihres Arbeitszimmers, holt die Trompete hervor und bläst ein Stück von Telemann. Auch das ein sehr estnischer Zug an ihr: Die Esten sind bekanntlich hochgradig musikalisch. 2004 wechselte Riina Kionka von Berlin ins estnische Außenministerium, ein Jahr später wurde sie Referatsleiterin im Rat der Europäischen Union (Generaldirektion E) für transatlantische Beziehungen und die Beziehungen zu den Vereinten Nationen. Diese Erfahrungen brachten sie weiter auf der europäischen Karriereleiter: Anfang 2007 ernannte Javier Solana, der Generalsekretär des Rates der Europäischen Union und Hohe Vertreter für die Außen- und Sicherheitspolitik, Riina Kionka zu seiner Persönlichen Beauftragten für Menschenrechte. Seit 2014 gehört sie dem Kabinett des EU-Ratspräsidenten Donald Tusk als Hauptberaterin für die EU-Außenpolitik an.

Stand: 2015-09-26