Prof. Dr. Leoluca Orlando

Italien

Jurist, Politiker, Bürgermeister von Palermo

DAAD-Stipendium 1969–1970

Prof. Dr. Leoluca Orlando DAAD


Als Leoluca Orlando 1985 zum ersten Mal sein Amt als Oberbürgermeister von Palermo antritt, werden jährlich rund 250 Menschen in der sizilianischen Hauptstadt ermordet. Alle gehen auf das Konto der Mafia. 2001, als der Politiker sein Amt aufgibt, um als Oppositionsführer ins Regionalparlament einzuziehen, sterben acht Menschen eines gewaltsamen Todes. „Das sind acht zu viel, aber keiner von ihnen starb durch die Mafia“, sagt Orlando. Seit 2012 ist Orlando zum vierten Mal Bürgermeister von Palermo.

Die einzige Chance gegen Korruption und Terror ist Zivilcourage.
Leoluca Orlando

Der 1947 geborene Palermer gilt als unerschrockener Kämpfer gegen den Terror der „Cosa Nostra“. Jahrelang steht er ganz oben auf deren Todeslisten. In seinem 2002 erschienenen Buch „Ich sollte der Nächste sein“ schildert der Publizist selbstkritisch und offen, wie er die Mauer der „omertà“, des eisigen Schweigens, durchbrach. „Die einzige Chance gegen Korruption und Terror ist Zivilcourage“, so sein Credo.

Das Thema Mafia wird ihm vor allem während seiner Studienjahre in Heidelberg bewusst. Dort begrüßen ihn die Kommilitonen 1968 mit dem Satz: „Ah! Da kommt unser Mafiosi!“. Am Neckar studiert der DAAD-Stipendiat Rechtswissenschaften, wird später Juraprofessor und Anwalt in Palermo. Vier Mal gewinnt er die Wahl zum Oberbürgermeister seiner Heimatstadt: 1985, 1993,1997 und 2012. Immer wieder geht er erfolgreich gegen Korruption und Terror vor, gibt den Impuls für eine kulturelle Erneuerung, für die „Renaissance von Palermo“.

Für sein lebensbedrohliches Engagement wird Orlando vielfach − auch im Ausland − ausgezeichnet; so erhält er etwa 1999 die Goethe-Medaille in Weimar, 2008 den Humanismus-Preis des Deutschen Altphilologenverbandes und 2013 den Ehrenpreis der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung für seine Zivilcourage im Kampf gegen die Mafia.

Orlando weiß, dass er eine Schlacht gewonnen hat, aber noch lange nicht den Krieg. Die Mafia mischt heute im internationalen Finanzgewerbe mit: „Aus Killern werden Banker“. Eindringlich warnt er vor Korruption, denn „wo die Korruption ist, kommt die Mafia“. Sein unerschütterlicher Glaube an das Gute und das starke Vertrauen in die Zivilcourage bilden auch den Kern seines Buches „Der sizilianische Karren“, 50 Erzählungen aus einem bewegten Leben.

Stand: 2015-09-11